Two Worlds REVIEW

Marketing für Anfänger: Wie reagiert die Konkurrenz, wenn ein mehr oder weniger neuartiges Produkt die Verkaufscharts stürmt und jede Menge Umsatz beschert? Antwort: Sie versucht einen Klon der erfolgreichen Vorlage zu kreieren, um ihren Teil vom Kuchen zu sichern!

So geschehen auch bei Bethesdas Open World-RPG-Reihe „The Elder Scrolls,“ welche seinerzeit mit dem dritten und vor allem vierten Teil jede Menge Fans und Käufer für sich gewinnen konnte. Die Polen von Reality Pump – bis dato bekannt durch RTS-Spiele wie Earth 21XX oder Knightshift – konnten da nicht tatenlos zusehen und machten sich sogleich ans Werk das Geschäft zu beleben (denn dafür ist Konkurrenz ja schließlich da). Ob da was vernünftiges bei herausgekommen ist oder nicht, verrate ich euch im folgendem Review. Der Test bezieht sich jedoch ausschließlich auf die Singleplayer-Kampagne.

Die alte Leier von der Maid in Not

Seitdem der Feuergott Aziraal bezwungen und versiegelt wurde, geht im Fantasyreich Antaloor alles drunter und drüber. Eine seltsame Untotenplage, genannt „Die Heimsuchung“ zieht übers Land, die Orks sind sichtlich angepisst über den Verlust ihres Lieblingsgottes und streifen marodierend durch die Reiche und auch die politische Ordnung gerät ins Wanken, denn die Zwerge kapseln sich immer weiter ab, während sich diverse Interessengruppen der Menschen untereinander bekriegen.
Inmitten all diesen Chaos kämpfen zwei Geschwister um ihren Platz in der Welt. Er ist ein Söldner, ein Mann der fast jeden Auftrag annimmt, solange der Goldsack klimpert. Im Schlepptau hat er seine leicht quengelige Schwester Kira, die sich natürlich bei der erstbesten Gelegenheit von einigen finsteren Gestalten entführen lässt.
Selbstredend, dass die Gute nun vom Spieler befreit werden muss. Um die Dame zu retten bleibt einem nichts anderes übrig als nach der Pfeife der Häscher zu tanzen, welche in den Besitz eines magischen Familienerbstückes der Beiden gelangen wollen. Und damit man sich nicht all zu viele Gedanken um die ohnehin schon sehr dünne Geschichte machen muss, dreht sich der absolute Großteil des Abenteuers darum, eben jenes, in fünf Teile gesplittete, Artefakt zusammenzuklauben … gääähn.

Leider ist nicht nur die Hauptquest relativ uninteressant, auch die Nebenaufgaben strotzen nicht gerade vor guten Ideen. Eine Handvoll netter Nebenstorys mag es zwar durchaus geben, doch scheitern sie alle an der mäßigen Präsentation, welche zu keinem Zeitpunkt das Gefühl vermittelt in die Spielwelt hinein gezogen zu werden. Es gibt genügend anderer (und wesentlich älterer) Spiele, die beweisen, dass dies auch ganz anders geht!

Der Levelgrind-Übermetzler

Nachdem wir das Aussehen des Söldners festgelegt haben (wobei kaum nennenswerte Funktionen zur Verfügung stehen), finden wir uns nach dem Vorspann auch gleich in unserer ersten kleinen Quest wieder. Es gilt einige Groms (eine Art Mischung aus Goblins und Orks) aus dem örtlichen Tempelschrein herauszuprügeln.

Die Steuerung bereitet hierbei keine Probleme und ist schnell erfasst. Daher haben wir die Plagegeister schnell beseitigt und bekommen unsere erste Beute, die im räumlich begrenzten Inventar gelagert wird. Auch auf das Gewicht der Fundstücke ist zu achten, weswegen man recht schnell an seine Grenzen stößt. Um der Vermüllung des Inventars vorzubeugen, gibt es einige Möglichkeiten, wie man mit dem Krempel haushalten kann. Ausrüstungsstücke desselben Typs dürfen nämlich „zusammengelegt“ werden, was sowohl neuen Stauraum schafft, als auch den betroffenen Gegenstand verstärkt. Gehortete Pflanzen, organische Überreste beseitigter Kreaturen sowie Erze und Edelsteine, können hingegen im mitgeführten Alchemiekessel zusammengemischt werden, um coole neue Tränke zusammenzubrauen, welche im Idealfall sogar dauerhafte Statusverbesserungen einbringen! Dummerweise erhält man die Rezepte lediglich durch Eigeninitiative – selbst ist der Hobbyalchemist!

Wem diese Optionen kalt lassen, verscherbelt den ganzen Mist eben beim nächstbesten Händler und verdient sich ne goldene Nase.

Letztendlich geht es in Two Worlds aber weniger darum Gold zu verdienen und sein Inventory zu verwalten, sondern viel eher den Söldner aufzupowern, damit er die Fähigkeiten erlangt, um die schwer bewachten Artefaktteile zu bergen. Aufgelevelt wird nach Schema F, also mit Erfahrungspunkten die man für das Töten von Feinden und den Abschluss diverser Quests erhält. Pro Level-Up gibt’s dann 5 Attributspunkte für die Genretypischen Fähigkeitsbereiche Lebensenergie, Stärke, Willenskraft und Geschicklichkeit, sowie einen Skillpunkt für eines der insgesamt 38 Talente. Die da umfassen diverse Nahkampf- und Fernkampftechniken, fünf Magieschulen sowie allgemeine Talente wie Schwimmen, Schlösser knacken oder Reiten. Nachdem man einen Skill von einem Lehrmeister im Austausch für Gold erlernt hat, kann man diesen bis auf Stufe 10 hochleveln (bzw. Stufe 15 bei den Magieschulen).

Weitere Skillpunkte darf man sich übrigens für den Abschluss besonders kniffliger Quests oder für Fortschritte auf der Statistiktabelle verdienen. Letztere listet fein säuberlich auf, was man während seiner Reise so alles getrieben hat. Und wenn man eine gewisse Anzahl von Feinden beseitigt, Leute bestohlen, Teleporter aktiviert oder Schlösser geknackt hat, gibt’s oben genannte Belohnungspunkte.

Dann gibt es noch verschiedene Gilden, denen man sich im Spielverlauf anbiedern darf, um bestimmte Quests freizuschalten oder Preisboni bei deren Händlern zu erstehen. Was jetzt furchtbar interessant klingt und auf ein gewisses Maß an Tiefgang hoffen lässt, entpuppt sich leider als relativ witzlose Questerei ohne Herz und Seele. Sicherlich mag es zwei, drei Quests geben, die sich überschneiden, aber letztendlich lässt das Gildensystem jeglichen Tiefgang vermissen, welchen z. B. ein Gothic-Spiel ausmacht. Verschenkte Chance sag ich da nur.

Interessant ist hingegen das Karten-Magiesystem, welches einem ermöglicht die Leistungsfähigkeit der unterschiedlichen Zauber mittels Primär- und Sekundärkarten zu regulieren. Aber keine Sorge, dieses System ist recht leicht zu verstehen und umzusetzen, auch wenn Zauber von der Leistung her keine vernünftige Klinge ersetzen können – laut meiner subjektiven Meinung versteht sich.

Bevor ich mich jedoch weiter in Details verzettel, erst mal einige klärende Worte zur Open World, die ja immerhin das Besondere an diesem Titel darstellen soll. Nun, leider muss ich sagen, dass diese nicht sonderlich gut gelungen ist. So ist der zugrunde liegende Landstrich zwar in der Tat verdammt groß und weitläufig, aber leider gibt es abseits der Straßen und Trampelpfade nicht sonderlich viel zu entdecken – außer tausender von Feinden zum Levelgrinden. Womit wir auch schon beim eigentlichen Reiz dieses Titels angelangt wären: Two Worlds ist einer dieser „Guilty Pleasure“-Titel – also ein Spiel das eigentlich recht mau ist, aber dann doch Spaß macht. Die primäre Hauptmotivation liegt eindeutig in der Weiterentwicklung der Spielfigur. Der „Nur noch ein Level-Up“-Effekt ist nicht zu unterschätzen und sorgt durchaus für so manch durchzocktes Wochenende. Ein Effekt der wohl auch durch das schlechte Balancing des Schwierigkeitsgrades zustande kommt. Während man anfangs noch höllisch aufpassen sollte mit wem oder was man sich anlegt, so ist man ab einer bestimmten Levelstufe bereits ordentlich überpowert und darf losmetzeln was das Zeug hält.

Selbstredend ist das nicht gerade der Stoff, aus dem herausragende Spiele geschaffen werden. So bleibt Two Worlds eines jener Games, was man nicht unbedingt gezockt haben muss, um beruhigt weiterschlafen zu können. Wer aber Lust darauf hat mal wieder der „Levelgrind-Übermetzler“ zu sein, den nichts aufhalten kann, der wird hier durchaus seinen Spaß haben – wenn da nicht ein gewisser, besonders ärgerlicher, Mangel wäre.

Ab dem letzten Spieldrittel tauchen nämlich verstärkt „Übermonster“ auf, wie ich sie mal nennen möchte. Diese Biester sind dermaßen mächtig, dass sie unseren Söldner mit einem Schlag von der Platte putzen, während sie selbst dermaßen gut gepanzert sind und so viele Lebenspunkte besitzen, dass es schier unmöglich scheint ihnen beizukommen. Was die

Programmierer zu dieser extremen Kehrtwende getrieben hat ist mir ein Rätsel. Auf jeden Fall wird dadurch das schöne „Übermetzler-Feeling“ kaputt gemacht, das ja den größten Reiz von Two Worlds ausmacht. Somit verkommt das letzte Spieldrittel zum nervigen Krampf, der so schwer wiegt, dass kleinere Mankos wie die mäßige Steuerung zu Pferd oder nutzlose Skills wie „Schwimmen“ gar nicht mehr so schwer ins Gewicht fallen.

Alles in allem bleibt der fade Beigeschmack des relativ lieblos zusammengeschusterten Konkurrenzprodukts, welches nur auf der Open World-Welle mitschwimmen will. Two Worlds ist zwar sicherlich kein schlechtes Spiel, hat sich den Titel „Game of the Year“ aber definitiv nicht verdient!

Grafik, Sound und Präsentation

Tja was soll man nun zur Grafik sagen? Ehrlich gesagt wurde ich in diesem Bereich ziemlich enttäuscht. So bietet der Titel zwar eine beachtliche Weitsicht und nett gestaltete Charakter- und Monstermodelle, aber die Open World an sich wirkt erschreckend unspektakulär.

So langweilt zum einem das Szenario, welches sich vor allem in den ersten zwei Spieldritteln aus uninspirierten Wald- und Wiesenlandschaften zusammensetzt. Zum anderen ödet mich die Detailarmut an, die so wirkt als hätte man die Spielwelt mal eben schnell per Levelgenerator zusammengestückelt. Dies ist einer der Aspekte den ich meinte, als ich von „mäßiger Präsentation“ sprach. Eine Open World reizt eben nicht, wenn sie unspektakulär gestaltet wurde.

Für den OST zeichnet sich der deutsche US-Film-Komponist Harold Faltermeyer verantwortlich. Im Hauptbildschirm stimmt uns die wunderschöne Titelmelodie auf das bevorstehende Abenteuer ein, welche leider nicht den Qualitätsstandard der anderen Stücke widerspiegelt. Soll heißen, dass mir ansonsten nichts im Kopf hängen geblieben ist, außer der vagen Erinnerung, dass die Stücke nicht über den 08/15-Fantasy-Standard hinausreichen.

Anders sieht es bei den Synchronsprechern aus, vor allem Dietmar Wunder, die deutsche Synchronstimme von Adam Sandler und Daniel Craig, weiß zu überzeugen und auch die anderen Sprecher leisten gute Arbeit.

Wie bereits im Storybereich angesprochen, kann die Präsentation von Two Worlds nicht überzeugen. Genauso unspektakulär wie die Spielwelt an sich fällt auch die Storyentwicklung aus. Richtige Zwischensequenzen gibt es so gut wie überhaupt nicht, es wird alles in Dialogen mit NPC’s abgewickelt, die – welch wunder – ebenfalls äußerst unspektakulär gehalten sind. So kommt einfach keine vernünftige Atmosphäre zustande! Ich weiß es ist schwer zu verstehen, wenn man es nicht selbst erlebt hat, aber das gesamte Spiel wirkt so schrecklich lieblos und uninspiriert! Da können auch die trockenen Sprüche des Protagonisten nichts dran ändern, die zu den wenigen Highlights gehören. Es ist wie ich es gesagt habe: Two Worlds versteht es einfach nicht den Spieler in seine Welt hinein zu ziehen. Man hat nie das Gefühl mehr als irgend ein Hack’n Slay zu zocken, welches zur Abwechslung mal in 3D-Grafik gehalten wurde und das Open World-Konzept verwendet. Für ein Rollenspiel dieses Ausmaßes ist das aber leider viel zu wenig um wirklich überzeugen zu können.

Pro & Kontra

thumbs-up-icon

Pro
  • simple leicht umzusetzende Steuerung
  • aufleveln macht Spaß
  • nette Ideen wie der Alchemiekessel oder Ausrüstungsaufwertung

thumbs-down-icon

Kontra
  • lahme Präsentation ohne vernünftige Ingame-Sequenzen
  • langweilige Story
  • die Übermonster
  • generell schwaches Balancing des Schwierigkeitsgrades
  • unspektakuläre Spielwelt

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Spiel Bewertung
Singleplayer
69
69
-
Multiplayer

FAZIT

Nun, was soll ich noch groß erzählen, was ich nicht schon im eigentlichen Review ausgedrückt hätte? Two Worlds ist kein GotY-RPG, zumindest kein verdientes. Von solch einem Spiel erwartet man, dass entweder Gameplay, Story oder Präsentation herausragen, wenn nicht sogar alle drei Aspekte auf einmal! Dies ist in dieser polnischen Produktion leider nicht gegeben. Was bleibt ist ein nettes Game für Zwischendurch, welches wohl in erster Linie Levelgrinder anspricht, die ihren Spielspaß in erster Linie aus der stetigen Verbesserung ihrer Spielfigur herausziehen. Für diejenigen unter euch die, wie ich, mehr von einem (Action)-RPG erwarten, gibt es sicherlich genügend bessere Alternativen. Inzwischen ist das Spiel aber für einen sehr geringen Preis zu haben, was vielleicht einige Spieler zum Ausprobieren anstimmen wird...

- Von  Volker

Xbox 360
MS Windows

Two Worlds REVIEW

USK 16 PEGI 16

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