Macabre REVIEW

Macabre, welches zuvor unter dem Namen „Ruin“ bekannt war, ist ein weiteres Indie-Spielchen, welches versucht den Geist alter Japano-Rollenspiele der 8- und 16-bit-Ära einzufangen. Das von zwei US-Amerikanern entwickelte RPG wurde erstmals am 06. Juli 2015 auf Steam veröffentlicht und wurde seinerzeit für günstige 0,99 € verkauft (inzwischen steht das Spiel auf Steam jedoch nicht mehr zum Verkauf). Der günstige Preis in Kombination mit dem interessanten Spieltitel und der verstörenden Hackfresse auf dem Titelcover waren jedenfalls genug Gründe für mich, mir das Spiel mal etwas genauer anzusehen. Ob sich meine Kuriosität ausgezahlt hat oder nicht, erfahrt ihr im folgendem Review.

Hier wird die Welt erst nach dem Kataklysmus gerettet


Anders als in anderen Spielen dieser Art, wo man ja eigentlich versuchen muss die drohende Katastrophe zu verhindern, stellt euch Macabre bereits im Intro vor vollendete Tatsachen: Samael, der entstellte Oberschurke, der ja auch das Spielecover ziert, erzeugt mithilfe eines seltsamen Cyborg-Riesen ein gewaltiges Erdbeben, welches große Teile der Welt in Schutt und Asche legt. Die Überlebenden müssen nun zusehen, wie sie in ihrer nunmehr zerrütteten Heimatwelt bestehen können. Freilich herrscht dieser Tage das Recht des Stärkeren, weswegen viele Banditenbanden die Umgebung unsicher machen und die wenigen verbliebenen Siedlungen terrorisieren. Und dann ist da noch der ominöse Samael, der wohl erst Ruhe geben wird, wenn er auch den letzten Rest der Welt ausradiert hat.

Zu den Überlebenden von Samaels Kataklysmus gehört auch der Ritterkommandant Fred Rubaine, welcher zu Beginn des Spiels an den Strand von Derfs Schmiede gespült wird. Der freundliche Schmied nimmt sich der Genesung des rothaarigen Protagonisten an und rettet ihn somit das Leben. Freds bescheidenes Ziel lautet fortan den langen Weg zurück in sein Heimat-Königreich anzutreten, in der Hoffnung dort noch auf Überlebende zu treffen. Auf seinem beschwerlichen Heimweg schließen sich Fred natürlich einige Gefährten an, die ihrerseits einige Probleme zu bewältigen haben. Mit der Zeit kristallisiert sich freilich heraus, dass Freds Truppe die Einzigen sind, die dem apokalyptischen Treiben von Samael Einhalt gebieten können.

Im Kern bietet die Handlung von Macabre nichts übermäßig Besonderes oder Herausragendes. Ein durchgeknallter Irrer will der Welt ans Leder und eine Heldentruppe, welche hauptsächlich aus schrulligen Sonderlingen besteht, muss ihn stoppen. Das was Macabre von anderen Titeln dieser Art unterscheidet, ist die etwas düsterere Herangehensweise. Das postapokalyptische Setting lässt einen zum Beispiel eine überflutete Stadt erkunden in derer noch die Leichen der Einwohner im Wasser treiben, oder man muss hilflos miterleben, wie einige der Siedlungen die man besucht, samt Einwohnern vernichtet werden. Und auch die Einzelschicksale der Protagonisten oder des Gegenspielers Samael sind trauriger als der RPG-Durchschnitt. Man sollte also nicht unbedingt ein kunterbuntes Gute-Laune-Spielchen erwarten. Zum Ausgleich gibt es aber auch einige witzige Situationen und Charaktere. So ist da z.B. Chip der Schleimjunge, welcher sich als notorischer Schürzenjäger entpuppt und trotz seines Äußeren auch noch Erfolg beim weiblichen Geschlecht verbuchen kann.^^

Negativ zu erwähnen ist jedoch, dass sich das Spiel nicht genügend Zeit nimmt seine Charaktere und Spielwelt zu etablieren. Es gibt zwar ein paar Sagengut-Texte zu finden und die Charaktere verfügen über viel Persönlichkeit, doch ist das Spiel mit seinen maximal 8 Stunden Spielzeit viel zu kurz, um sein volles Potential bezüglich Handlung, Charaktere und Sagengut zu entfalten. Ab der zweiten Spielhälfte hat man permanent das Gefühl, dass sich die Ereignisse wieder und wieder überschlagen, so dass man kaum Zeit hat aufzuatmen. Und auch die Deus Ex-Machinas sind hier wesentlich zahlreicher und nerviger, als in vergleichbaren Spielen dieser Art. Blickt man also hinter die spannende Prämisse, wird man recht schnell feststellen, dass hier Amateure am Werk waren, die noch etwas an ihren Erzählungskünsten arbeiten sollten.

Ein kurzes Vergnügen mit kleineren Stärken und Schwächen

Um erst mal mein größtes Ärgernis mit Macabre aus dem Weg zu räumen: Das Spiel bietet keinen Controller-Support. Noch nicht einmal Xbox 360-Controller werden unterstützt. Stattdessen heißt es im „Controls“-Unterpunkt im Hauptmenü, dass man ein Third Party Tool wie „Joy to Key“ verwenden solle, um sich eine eigene Controller-Steuerung zusammenzupfriemeln. Na schönen Dank auch, ist ja nicht so, als ob es die Aufgabe des Entwicklers gewesen wäre einen vernünftigen Controller-Support für das Spiel bereitzustellen. Aber nun gut, die Tastatursteuerung arbeitet ja ohne Probleme, was freilich auch an der angenehmen Spielstruktur des JRPG-Genres liegt.
Nach dem Intro erhält man die Option aus zwei Schwierigkeitsgraden auszuwählen. Die da wären Casual und Seasoned. Der einzige relevante Unterschied zwischen den beiden Graden ist, dass man es auf Casual mit typischen Rundenkämpfen zu tun hat, während man sich auf Seasoned mit einem ATB-System konfrontiert sieht. ATB bedeutet, dass die Gegner-KI unbarmherzig weitermacht, selbst dann, wenn man noch damit beschäftigt ist in den Menüs seine Kampfkommandos auszuwählen. Auf Casual kann man sich hingegen alle Zeit der Welt nehmen die Kommandos, Skilltechniken und Zauber auszuwählen. Der zweite, irrelevante Unterschied sind einige Achievements, die nur freigeschaltet werden, wenn man auf Seasoned spielt. Aus irgend einem Grund, hat es der Entwickler jedoch versäumt die Achievements auch auf Steam zu integrieren. Macabres Achievements gelten nur innerhalb des Spiels, werden aber nicht durch lustige kleine Bildchen auf dem eigenen Steam-Account festgehalten. Das war auch ein Grund dafür, warum ich mich letztendlich entschieden hatte das Ding auf Casual zu zocken.

Das Spiel an sich ist ein typisches, wenn auch sehr lineares Retro-JRPG. Man erkundet die Spielwelt aus der Vogelperspektive, besucht Siedlungen, redet mit NPCs, bekämpft Feinde um Erfahrungspunkte für Level-Ups und Geldeinheiten zu verdienen usw. Ich will euch nicht langweilen und schwenke daher zu den Besonderheiten über. So bietet Macabre ein simples Crafting-System, welches erlaubt Heilitems und Ausrüstung zu kreieren, statt ebendiese für Geld von Händlern zu erwerben (was freilich auch eine Option darstellt). Natürlich benötigt man hierfür die notwendigen Materialien und Rezepte/Anleitungen. Die meisten Rezepte/Anleitungen werden automatisch im Verlauf des Spiels freigeschaltet, aber einige liegen, genauso wie die Materialien in den zahlreichen Schatzcontainern der Spielwelt verborgen. Es empfiehlt sich also jeden Pixel, der irgendwie nach Behälter, Tisch oder irgend etwas wertvollen aussieht zu untersuchen, um sein Inventar zu erweitern. Interessanterweise ist die Beute hierbei größtenteils zufallsgeneriert – wems gefällt.

Darüber hinaus hat man größeren Einfluss auf die Weiterentwicklung der Charaktere als in anderen JRPGs. So kann man jeden Charakter mit einem Augment ausrüsten, was bei einem Level-Up Pluspunkte für die unterschiedlichen Statistikwerte freischaltet. Tatsächlich ist dies neben der regulären Ausrüstung die einzige Möglichkeit die Werte der Gruppenmitglieder zu verbessern, denn Level-Ups bringen lediglich zusätzliche Lebenspunkte. Welcher Charakter welches Augment anlegt und somit welche Statusverbesserung erhält, liegt freilich in der Hand des Spielers.

Auch das Erlernen neuer Skills funktioniert hier anders. Um neue Skills freizuschalten, muss man den aktuellsten Skill immer wieder und wieder im Kampf einsetzen, bis man eben einen Neuen freischaltet. Netterweise werden die Lernketten der Skills im Ingame-Handbuch aufgeführt, wodurch man nicht gezwungen ist im trüben zu fischen, sondern gezielt an der Freischaltung aller Skills arbeiten kann. Jene Skills umfassen freilich breite Paletten von Heil- und Kampfzaubern sowie Spezialangriffen, die oftmals auch an Elemente gebunden sind, die dazu dienen die Schwachpunkte der Feinde auszunutzen. Rollenspieler wissen ja wies abläuft.

Positiv zu erwähnen ist der Verzicht auf andauernde Zufallskämpfe. Es gibt zwar Zufallskämpfe, doch wird in jedem Gebiet die Option freigeschaltet diese zu deaktivieren, sobald man 3 bis 5 Kämpfe absolviert hat. Man kann die Kämpfe aber wieder aktivieren, wenn man das Gebiet erneut betritt. Grinding ist aber nicht so notwendig wie in vielen anderen Genrevertretern. Lediglich die kniffligen Bosskämpfe könnten dazu provozieren hier und da eins, zwei Level zu trainieren, aber wie gesagt ist das Spiel ohnehin sehr kurz gehalten, womit das auch nicht so schlimm ist. Am cleversten ist es freilich etwaiges Grinding mit den Sidequests und der Erforschung optionaler Gebiete zu verknüpfen. Trotz der vernünftigen Anzahl an Nebenaktivitäten, ist das Spiel jedoch strunzlinear. Man wird sogar gewarnt, dass es kein zurück mehr gibt, wenn man an Punkt A weitermarschieren möchte. Oftmals wird auch die Rückkehr in alte Gebiete abgeschnitten. Diesen wunderbaren Semi-Open World-Flair alter Klassiker sucht man in Macabre also vergebens. Und das allgemeine Gameplay wirkt, trotz der oben erläuterten Features, recht durchschnittlich. Darüber hinaus nervt auch noch die Begrenzung auf vier Saveslots.

Grafik und Sound

Macabre versucht zwar die 8- und 16-bit-Ära der JRPGs zu emulieren, verzichtet aber dankbarerweise auf die RPG-Maker-Engine. Somit verfügt das Spiel über einen eigenständigen Look, was dieser Tage, aufgrund der RPG-Maker-Schwemme, ein großes Plus darstellt. Leider wirkt die Pixelgrafik für meinen Geschmack etwas zu arg grobpixelig und inkonsistent. Es ist eben wieder einmal so eine Pseudo-Retrografik, welche weder dem kruden Charme der 8-bit-Ära, noch der zeitlosen Detailverliebtheit der 16-bit-Ära gerecht wird. Schlecht ist die Grafik nicht und die Monsterdesigns wirken angenehm bizarr, aber mein Retro-Herz bleibt dennoch kalt. Nervig ist auch, dass man versäumt hat die Fullscreen-Funktion in ein Ingame-Optionsmenü zu integrieren. Der Entwickler geht davon aus, dass man von selbst darauf kommen müsste, dass man den Fullscreen mit gleichzeitiger Betätigung von Alt und Enter aktivieren kann. Mir persönlich war das die ersten paar Spielesitzungen jedoch nicht bewusst. Und ich denke da gibt es noch weitere Spieler denen es ähnlich ergeht.

Überraschend gelungen ist dafür der tolle Soundtrack. Macabres OST gehört definitiv zu den Besseren im Genre der Indie-JRPGs. Besonders der Bosstheme hat es mir angetan, aber auch die anderen Tracks können überzeugen. Der Soundtrack ist ohne weiteres das Beste, was dieses Spiel zu bieten hat.

Pro & Kontra

thumbs-up-icon

Pro
  • toller Soundtrack
  • einige nette Spielsysteme wie Crafting, deaktivierbare Zufallskämpfe u.a.
  • Auswahl zwischen regulären Zufallskämpfen und dem ATB-System
  • hatte damals einen sehr günstigen Preis

thumbs-down-icon

Kontra
  • keinerlei Controller-Support
  • ist mit ca. 8 Stunden etwas zu kurz, die Handlung wirkt dadurch auch ziemlich gehetzt
  • die Achievements sind nicht an Steam gekoppelt
  • Fullscreen-Modus ist „versteckt“
  • wird nicht mehr auf Steam verkauft – warum?

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Spiel Bewertung
Singleplayer
69
69
-
Multiplayer

FAZIT

Ehrlich gesagt hatte ich mir mehr von Macabre versprochen. Das Spiel ist zwar nicht schlecht, leidet jedoch unter der kurzen Spieldauer, der daraus resultierenden gehetzten Handlung und ärgerlichen Versäumnissen der Entwickler. Der Verzicht auf Controller-Support und richtige Steam-Achievements stößt ebenfalls sauer auf. Eine Grafik die unentschlossen zwischen dem 8- und 16-Bit-Stil festhängt sowie das eher durchschnittliche Gameplay helfen übrigens auch nicht weiter. Es gibt zwar einige nette Features im Gameplay wie das Crafting-System oder die Auswahl zwischen zwei verschiedenen Kampfvarianten, doch versteht es Macabre einfach nicht wirklich zu begeistern. Lediglich der tolle Soundtrack sticht heraus, aber das alleine reicht halt nicht aus. Andererseits wurde das Game damals für supergünstige 0,99 € verkauft und für den Preis ist es dann doch ganz gut gelungen. Die arrogante Herangehensweise der Entwickler bezüglich Controller-Support und Fullscreen-Modus bringt jedoch den entscheidenden Minuspunkt in der B-Note, daher nur 69 statt 70 Punkte von mir.

- Von  Volker

MS Windows

Macabre REVIEW

USK 0 PEGI 3

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