CrossCode REVIEW

In den vergangenen Jahren hat sich isekai (zu deutsch etwa „Andere Welt“) als ziemlich erfolgreiche Ausgangslage für Erzählungen in Manga, Anime und Videospielen etabliert. Die Prämisse entsprechender Werke ist einfach: „reale“ Figuren finden sich als Avatare in einer fiktiven Welt wieder und erleben dort Abenteuer. Mit dieser Prämisse können Autoren auf recht einfache Weise viel Metakommentar einfließen lassen und mit narrativen Konventionen spielen, so wie man es beispielsweise bei Sword Art Online, .hack oder eben auch CrossCode beobachten kann. Das Spannende am Letzteren ist, dass es trotz seiner Ausgangslage und vielen spielerischen und visuellen Verweisen auf JRPGs kein Werk aus Japan ist, sondern vom deutschen Studio Radical Fish Gamesstammt. Bereits in den Jahren als Early Access Titel hat sich das Spiel einen enorm guten Leumund erarbeitet, der auch nach dem Release der PC-Version 2018 geblieben ist und CrossCode zeitweise zu einem der am besten bewerteten Titel auf Steam gemacht hat. Mit reichlich Verspätung und noch reichlicher Unterstützung von Publisher Deck13, erscheint der wilde Genre-Mix nun endlich auch für Konsolen.

Wo und wer bin ich?


Die Frage nach der eigenen Identität wird in gefühlt jedem zweiten Videospiel aufgeworfen. Häufig wird diese Frage eher platt abgearbeitet, selten gehen Autoren mehr in die Tiefe und trauen sich komplexere Sachverhalte zu ergründen. CrossCode steht hier ein bisschen zwischen den Stühlen. Zunächst beginnt die Geschichte, in der man eine junge Frau namens Lea spielt, nämlich mit der simplen Prämisse „wer und wo bin ich?“. Der Name ist recht schnell in Erfahrung gebracht, auch dem wo muss man nicht allzu lange hinterher rätseln. Lea befindet sich in einem MMO namens Crossworlds. Das besondere an dem Spiel im Spiel: Crossworlds ist ein real existierender, physischer Raum, der auf einem Mond zu einem Themenpark-artigen Erlebnis erbaut wurde – inklusive Quests, NPCs und epischer Story, die Spieler erleben können. Während andere Teilnehmer wissen, warum sie in Crossworlds sind, weiß Lea dies nicht so genau, entsprechend gesellt sich also die Frage nach dem warum schnell zum Katalog der Fragen, die es zu klären gilt.

Gerade zu Beginn erweist sich die Geschichte als reichlich konfus und vollgepackt mit Exposition, was mich wenig gepackt hat. Die Haupthandlung kommt zwar irgendwann in die Gänge und schafft es durchaus spannende Momente zu erzeugen. Das eigentliche Glanzstück der Narration ist aber in den Geschichten abseits und insbesondere in den Dialogen zu finden. Diese sind nicht nur angenehm authentisch, sondern schaffen es auch die zentralen Nebenfiguren ungemein sympathisch zu machen. Und auch Lea ist mir schnell ans Herz gewachsen, obwohl sie, aus Gründen, im wahrsten Sinne des Wortes stumm ist und in den ersten Spielstunden nicht mehr als „Hi“, „Lea“ und „Bye“ über die Lippen bekommt.

Was willst du sein?


CrossCode lässt sich kaum in eine Schublade stecken, denn der spielmechanische Mix ist so ziemlich das wildeste, was ich seit Langem gespielt habe. Twin-Stick-Shooter, Slasher, Plattformer und (J)RPG lassen sich ausmachen, dazu noch der Metakommentar auf Videospiele und unendlich viele Verweise auf Popkultur. Für sich genommen funktionieren die einzelnen Bausteine gut und fließen organisch ineinander, es bleibt aber die Frage zu klären, ob es dem Spiel nicht besser getan hätte, hätte man einige Elemente reduziert oder gar ganz weggelassen.

Das Highlight ist zweifellos das Kampfsystem. Mit dem linken Analogstick steuert man Lea, mit dem rechten zielt man, um Energiebälle zu verschießen. Mit R1 kann man Nahkampfangriffe ausführen, mit L1 dashen. Zusätzlich gibt es diverse Tastenkombinationen, mit denen man Spezialangriffe ausführen kann, wie etwa einen Dashangriff oder einen besonders starken Schlag mit dem Schwert. Dank befriedigend flüssiger Steuerung und einer Fülle an Gegnern mit individuellen Angriffen, macht das Kämpfen auch nach zig Stunden noch immer Spaß, zumal die Auseinandersetzungen stets komplexer werden und erfordern, dass man Gegner und ihre Stärken und Schwächen liest. Spannend: man kann über den unfassbar umfangreichen Skilltree und mittels Ausrüstung Schwerpunkte setzen und Lea etwa zu einer Kämpferin mit Fokus auf Angriff ausbauen, ebenso aber auch in defensive Werte investieren und den Fernkampf verstärken.

Hier kann selbst Zelda noch was lernen


Was für mich nicht so ganz zusammenkommt, sind die Plattformeinlagen. Von diesen gibt es nicht gerade wenige und insbesondere in den Dungeons muss man immer wieder Geschick und Präzision unter Beweis stellen. Das Problem: CrossCode ist ein 2D-Spiel mit Vogelperspektive, entsprechend ist es oft nicht nachvollziehbar, ob eine Ebene nun höher, tiefer oder gleich gelegen ist, wie dort, wo Lea gerade steht. Zwar gibt es an manchen Orten auch Indikatoren, wie Jump-Pads, oft genug bin ich dennoch vor eine Wand gelaufen oder in einen Abgrund gefallen, da es für mich schlicht nicht nachvollziehbar war, ob ich das Hindernis überbrücken kann oder nicht.

Sehr viel besser funktionieren hingegen die Rätsel. Auch von diesen gibt es reichlich und meine Güte, sind die clever und gut! Ähnlich wie bei den Kämpfen dreht der Anspruch bei den Rätseln ziemlich nach oben und erfordert Häufiges um die Ecke denken. Entsprechend ist das Lösen einer Kopfnuss, vor der man mehrere Minuten verharrt, ähnlich befriedigend, wie das Besiegen eines Bossgegners.

Pro & Kontra

thumbs-up-icon

Pro
  • grandioses Spielgefühl
  • anfangs simples, später immer komplexer werdendes Kampfsystem
  • toll geschriebene Dialoge
  • Pixelart at it´s finest

thumbs-down-icon

Kontra
  • konfuse Handlung
  • frustrierende Plattformelemente
  • Überfluss an unwichtigen Quests und Items

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Spiel Bewertung
Singleplayer
83
83
Gut
-
Multiplayer

FAZIT

In vielerlei Hinsicht ist CrossCode über jeden Zweifel erhaben. Das Writing der Dialoge ist toll, die Figuren sympathisch, die einzelnen Gameplaymechaniken greifen wunderbar ineinander, insbesondere das Kämpfen und Rätseln macht unfassbar viel Spaß und hat mir einige der besten Momente mit einem Videospiel beschert, die ich dieses Jahr hatte. Leider hat das Spiel aber viel zu viel Inhalt – und ich bin mir bewusst, dass dieses Argument in manchen Ohren seltsam klingt. Doch oft hat mich der Überfluss an trivialen Items und Quests und die zu lang gezogenen Dungeons dermaßen gesättigt, als hätte ich mich den ganzen Tag durch ein Buffet gefressen. Das ist im ersten Moment toll, macht auf Dauer aber müde. Frustrierend sind außerdem die Plattformelemente, die man aufgrund der 2D-Optik nur schwer lesen kann. Ein bisschen weniger Masse und eine noch stärkere Fokussierung der tatsächlichen Stärken hätten CrossCode sicherlich gut getan, aber auch so ist das erste große Spiel von Radical Fish Games ein beachtenswertes und bemerkenswertes Spiel geworden, welches auch auf Konsolen zu den besten Spielen gehören dürfte, die dieses Jahr erscheinen.

- Von  Adrian

Playstation 4
Xbox One
Nintendo Switch

CrossCode REVIEW

USK 6 PEGI 7

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