Death Mark REVIEW

Japanischer Horror unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der westlichen Ausprägung des Genres, nicht zuletzt, da die Bezüge zu lokaler Folklore und Legenden sehr stark sind. In der Regel steht weniger der drastische visuelle Effekt, als vielmehr ein bestimmtes Stimmungsbild im Vordergrund. Auch die Ver- und Aufarbeitung von gesellschaftlichen Themen und Problemen ist immer wiederkehrendes Merkmal. Umso interessanter also, dass viele populäre Horror-Spiele aus Nippon (Resident Evil, Silent Hill) sich eher an westlichen Stilmitteln und Elementen bedienen, während stark in der Heimat und der Kultur der Entwickler verortete Spiele wie Forbidden Siren oder auch Fatal Frame in der Nische beheimatet sind. In eben dieser befindet sich nun auch das neueste Spiel von Experience Inc., die sich in Fankreisen bisher vor allem durch ihre Rollenspiele (Stranger of Sword City, Operation Babel: New Tokyo Legacy) einen Namen gemacht haben und mit ihrem neuesten Werk Death Mark nicht nur ihr Debüt im Horror-Fach geben, sondern auch zum ersten mal das Feld der Visual Novel betreten.

Tödliche Gerüchte

Seit einigen Monaten machen seltsame Gerüchte die Runde. Es ist die Rede von rachsüchtigen Geistern, die ihre Opfer mit einem tödlichen Fluch belegen, der sich nicht nur in einem seltsamen Mal, sondern auch in einem furchtbaren Tod ausdrückt. Auch der zunächst namenlose Protagonist (man kann ihn einige Minuten nach Spielstart selbst benennen) hat ein solches Mal auf seinem Unterarm und sucht daher verzweifelt Hilfe bei Saya Kujou, die, so heißt es, eine Expertin auf dem Gebiet des Okkulten und Spirituellen sei. Auf dem Anwesen der vermeintlichen Helferin angekommen, entdecken wir jedoch nur ihre furchtbar entstellte Leiche – und eine sprechende Puppe, die sich als Mary vorstellt und uns fortan zur Seite steht. Schnell scharen wir noch weitere Menschen mit dem Todesmal um uns und versuchen gemeinsam, dem Geheimnis hinter dem Fluch auf die Schliche zu kommen.

Die Suche nach der Wahrheit umfasst fünf Kapitel mit einer Lauflänge von je zwei bis drei Stunden. Für Visual Novel Verhältnisse ergibt das am Ende eine recht kompakte Spielzeit, die mich überrascht, aber nicht negativ gestimmt hat. Im Gegenteil. Zwar hätte die Handlung hier und da etwas austarierter und die Figuren etwas intensiver beleuchtet werden können, insgesamt wirkt sich die Spielzeit aber sehr positiv auf das Gesamterlebnis aus, welches ohne Füller und Längen auskommt und sich voll auf die Erzählung des eigentlichen Plots konzentriert.

Kurzweilige Unterhaltung anstatt ausufernder Lektüre

Die Geschichte ist angereichert mit unzähligen Tropes und Versatzstücken, die man aus Videospielen und insbesondere aus japanischen Horror-Werken kennt. Ein Protagonist ohne Erinnerung, rachsüchtige Geister, ein düsterer Wald, der bei Selbstmördern beliebt ist – sucht euch was aus. Aus diesen unlängst etablierten Elementen formt Death Mark ein sicherlich nicht sonderlich einfallsreiches, aber doch stimmiges Gebilde. Überraschend ist das gleich zu Beginn erstaunlich hohe erzählerische Tempo und der Verzicht auf ausschweifende Exposition. Man will eher leichte Unterhaltung anstatt ausufernde Lektüre sein. Dazu passt, dass die Texte einen angenehmen Erzählfluss haben und sich nicht zu sehr mit Nebensächlichkeiten aufhalten. Einigermaßen gute Englischkenntnisse sollte man aber mitbringen, denn für die internationale Version liegt lediglich eine englische Lokalisation vor. Diese ist – abgesehen von ein paar Flüchtigkeitsfehlern und Stilblüten – auch gelungen.

Wimmel Crawler

Gelungen ist auch das Pacing und die Einbindung interaktiver Elemente. So besitzt Death Mark auch Abschnitte, in denen man sich im Stile eines Dungeon Crawlers durch eine heruntergekommene Schule, die Kanalisation Tokyos und anderen unheimlichen Orten bewegen muss. Sonderlich aufwendig sind die Umgebungen jedoch nicht gestaltet, denn wie auch bei den Dialogen, so gibt es auch hier lediglich Standbilder zu sehen, die sich dazu auch noch im hohen Maße wiederholen. Irgendwie hat das Ganze auch einen gewissen Touch von einem Wimmelbild. Denn auch in Death Mark muss man die Umgebung nach blinkenden Objekten absuchen, die etwa Items oder besondere Hotspots anzeigen. Mit den Items muss man außerdem an bestimmten Orten interagieren und hin und wieder auch mal um die Ecke denken. Eine Kommode klemmt? Einfach mal den Kugelschreiber zweckentfremden. Angriffslustige Bienen hindern am weiterkommen? Praktisch, das kurz zuvor Gift samt Sprühdose eingesammelt wurde.

Überrascht wurde ich von den Kämpfen zum Ende eines jeden Kapitels. Hier muss man sich nämlich den Verursachern des Fluches stellen und sie in rundenbasierten Kämpfen besiegen. Auch hier kommen wieder zuvor gesammelte Items zum Einsatz, mit denen man den Widersacher schwächen und letztlich besiegen muss. Außerdem sollte man gesammelte Dokumente und Texte genaustens lesen, denn sie geben wichtige Hinweise, wie man den finalen Geistern und Dämonen den Gar ausmachen kann. Etwas nervig sind hingegen die „Live or Die“ Momente, die beim Durchstreifen der Dungeons immer mal wieder auftauchen und vom Spieler binnen weniger Sekunden Entscheidungen erfordern. Trifft man die falsche, ist man tot, kann aber immerhin direkt von den sehr fair gelegten Checkpoints starten.

Von plumpen Jumpscares und fragwürdigen Darstellungen

Als Horrorgeschichte funktioniert Death Mark durchaus gut. Zwar habe ich mich zu keinem Zeitpunkt gegruselt, doch die Stimmung, die aufgebaut wird, ist dennoch angenehm schaurig. Teilweise wird es auch ziemlich makaber, denn immer wieder wird man mit den Resultaten des Fluchs in Form ziemlich bizzarer Bilder konfrontiert. Die visuelle Gestaltung ist hier durchaus kreativ. Ein Geist verwandelt seine Opfer etwa in Bienenwaben, ein anderer lässt seine Beute in Dornenranken dahinvegetieren. Mehr als fragwürdig ist allerdings die Darstellung der weiblichen Opfer, die arg sexualisiert werden. Das wirkt unpassend, zumal männliche Opfer eben nicht halbnackt und sexuellen Posen abgebildet werden. Regelrecht plump wirken auch die vereinzelt eingestreuten Jumpscares, die das Spiel ebenso wenig nötig gehabt hätte.

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Singleplayer
71
71
-
Multiplayer

FAZIT

Death Mark erweist sich als angenehme Überraschung im mit unzähligen Spielen vollgestopften Herbst. Nicht nur unterhält die Geschichte um einen grausamen Fluch im gegenwärtigen Japan, auch hat mir die kompakte Spielzeit und der Fokus auf den Plot zugesagt. Wo andere Visual Novels gerne ins Unermessliche ausschweifen, da besinnt sich Death Mark ganz auf die eigentliche Geschichte und seine Figuren, ohne irgendwelche unnötigen Nebenhandlungen und anderen Ballast aufzudrücken. Auch die interaktiven Elemente haben mir zugesagt, insbesondere die finalen Konfrontationen am Ende eines jeden Kapitels. Dass die weiblichen Opfer des Fluches in oft arg sexualisierten Posen dargestellt werden, ist hingegen ein Geschmäckle, welches es wirklich nicht gebraucht hat. Sicherlich ist Death Mark ein Spiel für eine sehr bestimmte Zielgruppe, dennoch hätte man auf die unpassend wirkenden Szenen gerne verzichten dürfen. Nötig hätte es das Spiel ohnehin nicht gehabt, denn Stärken sind genug vorhanden.

- By  Adrian

Playstation 4
Nintendo Switch

Death Mark REVIEW

USK 18 PEGI 18

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