The Hunter: Call of the Wild REVIEW

Der Kontrast zwischen Just Cause und The Hunter könnte größer kaum sein. Das eine ist nach dem Massengeschmack geschneiderte Open-World Action, das andere eine waschechte Jagdsimulation ohne viel Drumherum – und beide Reihen haben mit den Avalanche Studios den gleichen Entwickler. Eine Tatsache, die zunächst erstaunen mag, beim genauen Hinsehen zeigen sich jedoch einige Parallelen zwischen beiden Spielen. Gerade der Aufbau der Open-World und mit ihr verbundene Mechaniken in The Hunter: Call of the Wild, dem aktuellen Teil der Simulationsreihe, erinnern doch stark an populäre Sandbox-Titel. Ob dies hilft die traditionell eher kleine Zielgruppe zu vergrößern?

 

Atemberaubend schön

The Hunter ist ein stellenweise atemberaubend schönes Spiel. Die APEX-Engine zeigt auch auf der PS4 ihre Power.

The Hunter: Call of the Wild ist spielerisch der genaue Gegenentwurf zu aktuellen Großproduktionen und setzt auf überschaubare Möglichkeiten und ein grundlegendes Kernsystem: die Jagd. In technischer Hinsicht spielt man hingegen in der ganz großen Liga. Möglich macht dies die hauseigene APEX-Engine, eine Weiterentwicklung des grafischen Gerüsts von Just Cause 3. Diese zaubert nicht nur eine riesige Welt auf den Bildschirm, sondern auch eine verdammt schöne. Dichte Wälder, in denen der Herbst sein schönstes Farbenspiel offenbart, in Neben gehüllte Berghänge, weite Wiesen und Felder, idyllische Seepanoramen und sich im Wind wiegendes Gras. Abgerundet wird das Gesamtbild von den phänomenalen Licht- und Schatteneffekten, auch ein dynamisches Wettersystem sowie Tag-/Nachtzyklus wurden integriert und erzeugen die bisher vielleicht realistischste Natur in einem Videospiel.

Selbst nach mehreren Spielstunden habe ich mich noch nicht an der Grafik sattgesehen, bin immer wieder angehalten, um die durch Baumkronen scheinende Sonne und die reichhaltige Farbpalette zu bestaunen. Es ist ein fast meditatives Erlebnis durch die virtuellen Wälder zu wandern und dem Klang des Windes, dem Zwitschern der Vögel und den eigenen Schritten zu lauschen.

Da nehme ich sogar gerne in Kauf, das The Hunter: Call of the Wild in der mir vorliegenden PlayStation 4 Version noch einige grafischen Makel aufweist. Im Vergleich zur bereits Anfang des Jahres veröffentlichten PC-Version mussten natürlich einige Zugeständnisse gemacht werden, um das Spiel auch auf Konsole flüssig zum Laufen zu bringen. Flüssig ist das Spiel auch durchweg, allerdings fallen immer wieder zu spät nachgeladene Texturen (gerade beim Zoomen in die Karte) oder plötzlich aufploppende Objekte auf. Beim ersten Spielstart staunte ich nicht schlecht, da die komplette Sicht verwaschen war. Ein kurzer Wechsel ins Pausenmenü und wieder ins Spiel zurück brachte zwar schnell die Rettung und lud sämtliche Grafiken nach, dennoch hoffe ich, das die Entwickler sich noch an die Behebung dieser klitzekleinen Kinderkrankheiten machen.

 

Nichts für Ungeduldige

Levelsystem, Perks, Türme, die beim Erklimmen interessante Orte auf der Karte markieren: vieles erinnert an typische Open-World Spiele.

Insgesamt gibt es zwei unterschiedliche Gebiete, zwischen denen ihr zu Beginn wählen und hinterher auch nach Belieben wechseln könnt. Zum einen geht es in das an Deutschland angelehnte Hirschfelden, zum anderen nach Layton Lake District im pazifischen Nordwesten. Habt ihr euch für ein Areal entschieden und einen Avatar gewählt (die Möglichkeiten hier sind sehr begrenzt) werdet ihr sofort ins Geschehen geworfen. Auf eine Rahmenhandlung wird verzichtet, es gibt allerdings optionale Aufträge. Über diese werdet ihr von den Bittstellern via Smartphone instruiert. Dies sind auch die einzigen Momente, in denen ihr andere Figuren sprechen hört, eine direkte Interaktion mit diesen findet aber nicht statt. Ein anderes menschliches Gesicht werdet ihr – mit Ausnahme vom ebenfalls vorhandenen Koop-Modus – nicht sehen.

Die kleinen Aufträge sind gerade zwischendurch eine willkommene Abwechslung und dürften Neueinsteigern helfen sich etwas besser in der Welt von The Hunter: Call of the Wild zurechtzufinden. Ansonsten gibt sich das Spiel nämlich ziemlich wortkarg und erklärt grundlegende Mechaniken und Features nur oberflächlich bzw. gar nicht. So habe ich beispielsweise erst nach einigen Stunden festgestellt, das es neben dem langwierigen Fußmarsch auch die Möglichkeit gibt weite Strecken mit einem Quad-Bike zurückzulegen. Diese und andere Ausrüstungsgegenstände kann man sich an Außenposten besorgen – und auch nur dort! Die Außenposten dienen quasi als kleiner Hub. Hier könnt ihr eure Energie regenerieren und die Zeit bis zu einer bestimmten Uhrzeit verstreichen lassen, ihr kauft euch neue Waffen, Lockmittel und Munition. Darüber hinaus dienen die Quartiere auch als Schnellreisepunkt. Leider gibt es in beiden Gebieten nur wenige Außenposten, die ihr übrigens in bester Open-World Manier erst entdecken und freischalten müsst. Selbst die vor allem aus den Sandbox-Titeln von Ubisoft bekannten Übersichtstürme gibt es und genau wie in einem Far Cry und Co. werden durch das Erklimmen der Bauten interessante Punkte auf der Karte markiert.

Aber keine Sorge: allzu stark wird eure Karte nicht mit Icons zugemüllt, sonderlich viel zu entdecken gibt es nämlich nicht. Da mal eine Sehenswürdigkeit (unter anderem eine Bergruine), hier mal einen Hochsitz oder eine Jagdhütte. Die beiden Letzteren muss man übrigens erst unter Verwendung des eigenen Geldes kaufen, um sie auch benutzen zu können. Als wirklich brauchbar erachte ich das eigentlich nicht, zumal Geld Mangelware ist und besser in Munition und bessere Ausrüstung gesteckt werden sollte.

 

Nische trifft Masse

Spuren lesen ist das A und O.

Ein weiterer Versatzstück aus aktuellen Open-World Spielen ist auch das Level- und Perk-System. Habt ihr euch Erfahrungspunkte erspielt, könnt ihr diese in mehreren unterschiedlichen Fähigkeitenbäumen investieren und beispielsweise eure Atmung verbessern, was für eine ruhigeres Zielen sorgt, euch weniger sichtbar bei Regen machen oder eure Schritte dämpfen. Solltet ihr euren Charakter wirklich auf die höchste Stufe bringen wollen, so werdet ihr damit locker Dutzend Spielstunden damit beschäftigt sein. Das Leveln ist nämlich eine recht mühselige Angelegenheit und wirkt eine ganze Spur zu streng. Immerhin: selbst mit mehreren Skills und Perks in der Maximalstufe verkommt The Hunter: Call of the Wild nicht plötzlich zum lockeren Tontaubenschießen, sondern behält seine Simulationswurzeln bei. Dadurch wirkt die gesamte Mechanik aber auch irgendwie hinfällig.

Als ebenfalls zu langwierig empfinde ich das Freischalten neuer Waffen und Ausrüstungsgegenstände. Es reicht nämlich nicht nur das nötige Kleingeld zu besitzen, auch müsst ihr eine bestimmte Erfahrungsstufe mit dem jeweiligen Waffentyp erreicht haben, um die nächste Waffe überhaupt erst zum Kauf freischalten zu können. Auch hier ist man gut und gerne mehrere Stunden damit beschäftigt das vorausgesetzte Minimum erspielt zu haben. Das Arsenal deckt neben Jagdgewehrem übrigens auch Bögen, Pistolen und Flinten ab. Darüber hinaus gibt es noch verschiedene Visiere für die Waffen und unzählige Lockmittel, wie Pfeifen und Duftsprays.

 

Auf der Pirsch

Zum erfolgreichen Abschuss gehört mehr, als gut zu zielen. Bis man tatsächlich mal ein Tier erblickt, können viele Minuten vergehen.

Die Jagd selbst läuft in der Regel nach dem gleichen Schema ab: ihr durchstreift die Wildnis, haltet nach Spuren von umherziehenden Tieren Ausschau und hört auf Laute von selbigen. Habt ihr eine Spur gefunden, so könnt ihr diese verfolgen, ein hell aufleuchtender Kegel zeigt euch die Laufrichtung eines Tieres an. Dabei gilt es mit viel Bedacht vorzugehen und sich ruhig zu bewegen, denn die K.I. ist tendenziell auf schreckhaft gepolt und schon kleinste Geräusche von euch können sich in der Nähe befindende Tiere verschrecken.

Befindet sich schließlich ein Tier in eurem Blick – pro Gebiet gibt es sechs verschiedene Tiere, darunter Rehe, Hirsche, Kojoten und Bären – so heißt es in die Hocke gehen, das Gewehr zücken, anlegen, zielen, Luft anhalten, schießen. Bestenfalls trefft ihr euer Ziel sofort tödlich, häufig ist dies aber nicht der Fall. Daher merkt euch, wo das getroffene Tier stand, geht zu der Stelle und haltet nach Blut Ausschau. Der entsprechenden Spur folgt ihr erneut. Ihr ahnt schon: The Hunter: Call of the Wild ist nichts für kurz angebundene Spieler.

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Spiel Bewertung
Singleplayer
78
76
Okay
73
Multiplayer

FAZIT

Trotz eines eher zähen Einstiegs und den kaum erklärten Mechaniken und Möglichkeiten hat The Hunter: Call of the Wild sofort meinen Nerv getroffen – und das, obwohl die Jagdsimulation aus dem Hause Avalanche Studios das erste Spiel dieser Art für mich ist. Es ist fast schon weniger die Jagd selbst, als vielmehr das entspannte Umherwandern durch die malerischen Kulissen, die das Spiel für mich ausmachen. Audiovisuell spielt man – trotz diverser Bugs – in der großen Liga mit und zaubert eine wirklich stimmige Landschaft auf den Bildschirm. Herrlich! Freunde von einer authentischen Simulation kommen aber nicht zu kurz. The Hunter: Call of the Wild bleibt sich trotz diverser Open-World Versatzstücke treu und bietet ein spielerisch ansprechendes Erlebnis mit hoher Motivationskurve.

- Von  Adrian

Playstation 4
Xbox One
MS Windows

The Hunter: Call of the Wild REVIEW

USK 12 PEGI 16

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