One Finger Death Punch REVIEW

One Finger Death Punch (kurz: OFDP) dürfte das bislang populärste Spiel des kanadischen Indie-Entwicklers Silver Dollar Games sein. Das Casual-Geschicklickeitsspiel wurde am 03. März 2014 auf Steam veröffentlicht und erfreut sich seitdem großer Beliebtheit (die Erstveröffentlichung auf Xbox 360 erfolgte bereits am 24. Juni 2013). Das Spiel war auch erfolgreich genug, das Anfang 2019 eine Fortsetzung erscheinen soll. Besagter Erfolg liegt wahrscheinlich darin begründet, dass die scheuen Indies mit OFDP endlich ihre Xbox-Exklusivität fallengelassen haben. Und ja, der Entwickler ist ungewöhnlich scheu, denn es lassen sich kaum Hintergrund-Informationen über Silver Dollar Games herausfinden. Die Website von denen besteht zum Beispiel nur aus einem weißen Screen mit einigen schmucklos hingerotzen Links. So was hab ich auch noch nicht erlebt, aber glücklicherweise sagt das ja nichts über die Qualität von deren Spielen aus.

Ein Finger, zwei Knöpfe

Da OFDP über keinerlei Handlung verfügt, können wir direkt aufs Gameplay eingehen. Zuerst die Erklärung, wie das allgemeine Spielprinzip abläuft. Es ist im Kern ein Geschicklichkeitsspiel. Eure Spielfigur befindet sich in der Bildschirmmitte und von links und recht stürmen Gegner auf euch ein, die ihr mit dem richtigen Timing weghauen müsst, bevor sie euch angreifen können und somit verletzen oder töten. Hierfür bedarf es lediglich zweier Knöpfe bzw. Tasten. Wer mit der Maus spielt benutzt die linke und rechte Maustaste. Via Pad-Steuerung funktioniert das über den linken und rechten Button (z.B. X und B). Als Hilfestellung bekommt man zwei farbliche Balken, die links (Blau) und rechts (Rot) neben der Spielfigur ausgelegt sind. Sobald ein Gegner auf solch einen Balken tritt, leuchtet dieser in seiner Farbe auf und signalisiert, dass man den Gegner jetzt angreifen kann, ohne daneben zu schlagen.

Ein Fehltreffer ins Leere wird oftmals mit einem schmerzhaften Konter bestraft und verhindert Höchstwertungen in Form von Medaillen und der „Perfekt“-Auszeichnung. Die Spielfigur verfügt über eine bestimmte Anzahl von Lebenspunkten (in der Regel sind es 10). Ein eingesteckter Treffer bedeutet also nicht direkt das Aus, es sei denn, der jeweilige Level ist darauf ausgelegt, dass man nur einen Lebenspunkt zur Verfügung hat, aber dazu kommen wir gleich. Und damit ist das Kernspielelement auch schon erläutert. Es ist im Grunde genommen nur ein Timing-Geschicklichkeitsspiel, für das man zwei Knöpfe/Tasten benötigt. Von dieser simplen Prämisse sollte man sich jedoch keineswegs abschrecken lassen, denn die spritzige Präsentation und das auf Dauer sehr hohe Spieltempo bereiten viel Spielspaß!

Level über Level

Es gibt im groben zwei Spielmodi: Levels und Survival. Levels setzt euch auf eine Levelanwahl-Weltkarte, welche ihr bis zum finalen Bosskampf durchqueren müsst. Und das kann ne Weile dauern, denn die Karte ist umfangreich und voller optionaler Abzweigungen. Wer im Levels-Modus jede Stage knacken will, kann hier ruhig bis zu 10 Stunden Spielzeit einplanen. Und das betrifft nur den ersten Durchgang auf der Schwierigkeitsstufe „Student.“ Hat man diesen durch, schaltet man den nächsten Grad „Master“ und danach „Grandmaster“ frei. Höhere Schwierigkeitsgrade steigern in erster Linie das Minimaltempo der anrückenden Gegnerwellen. Das Spieltempo wird jedoch auch in niedrigen Graden stetig erhöht, wenn die eigene Leistung hochwertig ausfällt. Hierdurch soll der Schwierigkeitsgrad ausbalanciert werden, damit es auch in frühen Levels nicht zu langweilig wird. Dieses System geht glücklicherweise auch in die andere Richtung. Wer häufig scheitert, für den verringert sich die Spielgeschwindigkeit wieder auf den Minimalwert

Ich habe übrigens nicht wirklich viel Zeit mit „Master“ verbracht, da das Spiel für mich nach ca 8 Stunden Spielzeit seine Halbwertszeit überschritten hatte. Solch ein simples Spielprinzip wird nach einer Weile halt doch etwas eintönig. Dabei gibt es hier durchaus auch eine strategische Note, denn einige Level die ihr auf der Weltkarte findet, belohnen euch nach deren Abschluss mit einem Perk, von denen ihr anfangs drei Stück aktivieren könnt. Hat man einen Schwierigkeitsgrad geknackt, bekommt man auch einen vierten Perk-Slot und letztendlich sogar einen fünften Slot. Die Perks enthalten nützliche Boni. So bekommt man z.B. einen Hitpoint geheilt, wenn man 99 Gegner in einem Level gekillt hat, oder ein spezifischer Weapon-Drop der Gegner bietet mehr Munition (z.B. 4 statt 2 Pfeile usw.). Und ja, es gibt Waffen im Spiel, alledings werden die von eurer Spielfigur mehr oder weniger automatisch aufgesammelt und eingesetzt. Es ist also nichts, was das Spiel komplizierter oder umständlicher macht.

Interessanter sind da schon die variierenden Gegner-Typen, welche Farbcodiert wurden. Graue Standard-Gegner sind nach einem Schlag weggeputzt. Die Grünen Strichmännchen halten da schon zwei Treffer aus und die Blauen springen nach dem ersten eingesteckten Treffer auf die andere Seite, um euch in den Rücken zu fallen. Besonders interessant sind auch die sogenannten Brawler, welche mit Kronen gekennzeichnet werden. Diese verwickeln euch in einen schnellen Zweikampf und können im Idealfall ein gutes Dutzend Schläge einstecken, bevor sie sterben. Und falls euch das auch noch nicht ausreicht, so bietet der Levels-Modus noch mehrere verschiedene Levelvarianten. Natürlich lass ich es mir nicht nehmen, diese fein säuberlich aufzuzählen.;)

  • Mob Round: Die am häufigsten vertretene Levelart. Hier geht es nur darum eine festgelegte Anzahl von Gegnern zu beseitigen, bevor man weiterziehen darf.
  • Multi Round: Hier muss man vier bis fünf Runden kleinerer, identischer Gegnerwellen überstehen. Die Gegnerwellen werden mit jeder Runde schneller und man bekommt in Multi Rounds auch nur 5 Lebenspunkte, statt 10.
  • Lightsword Round: Hier kämpft man mit einem mächtigen Lichtschwert gegen schwache Gegner, welche nach einem Treffer sterben. Allerdings wird das Tempo der Gegnerwellen immer höher, so dass man gegen Ende hin ordentlich ins Schwitzen kommt. Der letzte Gegner ist obendrein immer ein schneller Brawler.
  • Nunchaku Round: Dasselbe wie die Lightsword Round, nur dass man hier mit nem Nunchaku kämpft, was jedoch keinen Unterschied macht.
  • Boss Round: Hier kämpft man gegen einen (später zwei) Gegner, welcher über einen sehr langen Heilbalken verfügt und fleißig hin und her springt, um euch in den Rücken zu fallen. Also schön konzentriert bleiben. Der Boss funktioniert dabei übrigens wie ein regulärer Gegner und nicht wie ein Brawler.
  • Smash Round: Hier geht es darum eine bestimmte Anzahl von Umgebungsobjekten zu zertrümmern, indem man Gegner in sie hinein prügelt.
  • Speed Round: Im Grunde genommen nur eine reguläre Mob Round. Es gibt nur einen Haken: Man unterliegt einem Zeitlimit, welches in späteren Levels unverschämt knapp wird.
  • Thunderstorm Round: Durch einen lästigen Gewittersturm kann man die Farbcodierung der Gegner nicht mehr erkennen. Auch die Waffen, welche manchmal von den Gegnern geworfen werden, sind nur noch schwer auszumachen.
  • Retro Film Round: Alles ist Grau, das trifft freilich auch auf die ganzen Gegner-Farbcodierungen zu.
  • Defender Round: Die Gegner greifen euch hier ausschließlich mit Wurfmessern an, die durch Faustschläge abzuwehren sind. Obwohl man nur einen Lebenspunkt zur Verfügung hat, dürfte dies die leichteste Levelvariante sein.
  • Dagger Round: Schmeißt alle anrückenden Gegner mit Wurfmessern ab. Es darf sich jedoch immer nur ein Messer zur gleichen Zeit auf dem Screen befinden, weswegen man immer entscheiden muss, welche Seite zuerst bedient werden sollte. Außerdem hat man hier nur einen Lebenspunkt zur Verfügung. Wie fies.
  • Bomb Round: Dasselbe wie die Dagger Round, nur eben mit Bomben.
  • Survival Round: Eine endlose Mob Round. Es ist egal wie gut oder schlecht man sich hier anstellt. Im Endeffekt hat man den Level immer abgeschlosse und darf weiterziehen. Absolut überflüssige Levelvariante.

Zusätzliche Langzeitmotivation

Neben den „Levels“ gibt es noch die Survival-Spielmodi. Zunächst steht nur der reguläre Survival-Modus zur Verfügung. Hat man in diesem 500 Gegner in einem Run geplättet, wird der Blind Survival Modus freigeschaltet. Hat man in diesem ebenfalls 500 Gegner in einer Session eliminiert, bekommt man noch die No Luca No-Variante.
Freilich geht es in den Survival-Modi darin, möglichst viele Gegner zu beseitigen. Je mehr Feinde man killt, desto höher der Platz im Leaderboard, welcher die Survival-Modus-Leistungen aller OFDP-Spieler festhält.

Im regulären Survival-Modus muss man einfach nur reguläre Gegnerwellen überstehen, welche zwischendrin immer wieder von Lightsword/Nunchaku Rounds abgelöst werden. Innerhalb der Lightsword Rounds kann man sich hier sogar Medipacks für die eigene Lebensleiste hinzuverdienen. Der Blind Survival-Modus funktioniert wie die reguläre Version. Der Unterschied liegt nur darin, dass die farblichen Balken fehlen, was es schwieriger macht das Timing abzuschätzen. No Luca No funktioniert im Grunde ebenso wie ein regulärer Survival-Modus, nur mit dem Unterschied, dass man sich hier mit einer virtuellen Katze herumärgern muss, welche immer in den Screen hineinläuft und somit eine Bildschirmhälfte verdeckt. Um die Katze Luca, zumindest temporär, zu verscheuchen, muss man entweder mit dem Mauscursor oder dem linken Analogstick arbeiten, was das Spielprinzip um ein ebenso nerviges wie interessantes Spielelement erweitert.

Ehrensache, dass es eine ganze Wagenladung an Achievements gibt (152 Stück), welche die Langzeitmotivation zusätzlich am laufen halten sollen. Die Achievements motivieren einen durchaus dazu, die ein oder andere Extra-Spielstunde zu investieren, welche man sich andernfalls gespart hätte. Allerdings sind einige Achievements an extreme Grinding-Arbeit gekoppelt oder nur durch herausragende Leistungen zu erzielen. Man sollte also nicht damit rechnen, das man das Spiel zu 100 Prozent abschließen wird.

Grafik und Sound

In grafischer Hinsicht ist OFDP eine eher zwiespältige Angelegenheit. Die ikonischen Strichmännchen-Figuren sind witzig und toll animiert (soweit das bei Strichmännchen eben möglich ist), aber die Hintergrundgrafiken der Level wirken verdammt billig. Die Artworks chinesischer Kampfkünstler innerhalb der Menüs sind stylisch, aber die unfreiwillige Pixelbildung beim automatischen Heranzoomen besonders spektakulärer Kampfmanöver, macht einen schlechten Eindruck. Das Spiel gestattet jedoch direkt zu Beginn die Auswahl aus dem Fullscreen und einem Fenstermodus mit variablen Größen. So oder so sollte man aber keine Augenweide erwarten. Und damit meine ich nicht nur die Grafikqualität an sich, sondern auch den Style-Faktor. Spiele wie Canabalt haben schließlich gezeigt, wie cool ein Spiel aussehen kann, welches mit grafisch begrenzten Mitteln arbeitet. Da kann OFDP leider nicht mithalten.

Der Soundtrack wiederum ist einfach nur klasse! Das Spiel verwendet schwungvolle Dance-Tracks oder epische Melodien, welche das schnelle Spielgeschehen perfekt untermauern und den Spieler keineswegs ablenken, sondern viel eher unterstützen und auf unterschwellige Weise sogar die eigene Leistung steigern können. Dann ist da noch der gelungene Kommentator, welcher Tutorial-Anweisungen und Tipps vom Stapel lässt. Dies tut er freilich mit einem erstklassig gekünstelten chinesischen Akzent.^^ Auch die Geräuscheffekte tragen sehr viel zum Spielspaß bei. Die Prügelgeräusche könnten glatt aus nem Bud Spencer-Streifen stammen, die Umgebungsobjekte zerbersten mit angemessener Wucht und die Kampflaute der Kontrahenten machen das Chaos perfekt. Akustisch wird ein echt geiles Feeling vermittelt!

Facebook
Twitter
Google+
Spiel Bewertung
Singleplayer
88
88
Gut
-
Multiplayer

FAZIT

One Finger Death Punch ist ein tolles Geschicklichkeitsspiel, welches beweist, dass selbst das simpelste Spielprinzip durch eine tolle und clevere Präsentation ordentlich aufgewertet werden kann. Der Spaßfaktor ist enorm, baut nach einigen Spielstunden jedoch spürbar ab. Es ist eines jener Spiele, bei denen ich mir ziemlich sicher bin, dass nur die Wenigsten das Ending-Video begutachten werden. Besagtes Video ist dabei im übrigen auch gar kein Ending in herkömmlichen Sinne, sondern nur eine Art Dankesrede, die einer der Entwickler an den Spieler hält. Das war sicherlich lieb gemeint, aber für die Fortsetzung sollte sich Silver Dollar schon die Mühe machen eine Story anzubieten. Es ist mir ein Rätsel, warum man nicht versucht hat eine klassische Klischee-Eastern-Story aufzuziehen. Gerade solch eine Story wäre doch das i-Tüpfelchen gewesen, wenn sie richtig aufgezogen worden wäre. Aber wie dem auch sei, immerhin hat man jetzt zumindest Raum für Verbesserungen. Die Fortsetzung soll ja schließlich 2019 erscheinen. Bis dahin bietet One Finger Death Punch jedenfalls erstklassigen Spielspaß zum überbrücken.

- Von  Volker

Xbox 360
MS Windows
Apple iOS
Android

One Finger Death Punch REVIEW

USK 12 PEGI 12

Das könnte dir auch gefallen

Kommentare zu: "One Finger Death Punch REVIEW"

  1. Volker sagt:

    Hui, ich bin glücklich, dass einer meiner Tests das neue Jahr 2019 einleiten darf.Na dann auf ein gutes Neues allerseits.:D

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Partner:

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blogverzeichnis blogli.de - Blog-Verzeichnis Webverzeichnis - Webkatalog www.inetcomment.de Blogverzeichnis Blogverzeichnis TopBlogs.de das Original - Blogverzeichnis | Blog Top Liste Blog Button
GACC  |  Games-Mag  |  Gameplay Gamers  |  Game 2  |  Gamer83  |  Heavenly-Mangas  |  MarioFans  |  PixelOr  |  TrueGamer  |  XBox-Home  |  AlphaOmegagaming  |  Gameplaynews  |  Nintendo Switch Forum  |  Spielkritik  |  Videospielgeschichten  |  N-Mag  |  NAT-Games  |  Indieflock  |  GamingNerd  |  KodyBits  |  Zockerheim  |  twitch/noviiq  |  TVGC  |  RLC-Gamer  |  Zockwork Orange  |  Collect a Box  |  Gametainment.at  |  Vrinda Techapps


NEWS:

Allgemein  |  Handhelden  |   Indie  |   Kickstarter  |   Microsoft  |  Nintendo  |  PC Gaming  |  Sony

  +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++