Nioh 2 REVIEW

Mehr vom bewährten, weniger vom schlechten, Neuerungen und die ein oder andere Verbesserung am Fundament. Ziemlich genau drei Jahre nach dem Release von Nioh im Februar 2017 veröffentlichen Team Ninja und Koei Tecmo den Nachfolger zum sehr eigenständigen Soulslike und halten sich dabei an die Regeln, wie ein gutes Sequel auszusehen hat.

Dämonisches Japan

Streng genommen ist Nioh 2 aber gar kein Sequel, sondern spielt zeitlich rund 50 Jahre vor den Ereignissen des ersten Teils. In diesem kämpfte man sich in der Rolle von William Adams noch als vorgefertigte Figur durch eine fiktive Variante des feudalen Japans zur Zeit des Sengoku genannten Bürgerkriegs. Anders als in der Realität, stürzen im Spiel aber nicht nur streitende Clans den Archipel ins Chaos, sondern auch die sogenannten Yokai, Dämonen aus der japanischen Folklore. Im Nachfolger bzw. Prequel gibt es keinen vorgegeben Helden mehr, stattdessen darf man sich zu Beginn selbst einen Protagonisten basteln, welcher, egal ob man nun eine männliche oder weibliche Figur anlegt, lose auf der historischen Figur Toyotomi Hideyoshi basieren soll. Dieser wiederum war in der Sengoku-Periode ein Feldherr, ist in der Spielerzählung aber halb Mensch, halb Yokai. Das gute daran: Man zieht nun nicht mehr nur mit allerhand Hieb- und Stichwaffen sowie Böden und Lunten in den Kampf, sondern kann selbst dämonische Kräfte entfesseln.

Historisch ist das alles natürlich nicht sonderlich akkurat. Stattdessen dienen historische Figuren und Geschehnisse vor allem als Anlaufstelle, um die in Japan unlängst zu ikonischen Popfiguren avancierte Personen wie Nobunaga Oda und Hattori Hanzo auftreten zu lassen. Schade, dass sich wenig Mühe um eine kohärente Story gegeben wurde. Diese ist nämlich der reinste Kuddellmuddell, springt teilweise mehrere Jahre durch die Zeit und dürfte selbst für historisch einigermaßen bewanderte Spieler schwer zu greifen sein. Immerhin darf man sich an den erneut sehr aufwendig inszenierten Zwischensequenzen erfreuen, in denen auch der ein oder andere namhafte Schauspieler aus Japan auftaucht.

Halb Mensch, halb Dämon

Bei den Möglichkeiten der Gestaltung der eigenen Hauptfigur dürften keine Wünsche offen bleiben. Der entsprechende Editor ist nämlich absurd umfangreich und bietet unendliche Optionen, mit denen man den eigenen Helden gestalten kann. Das Werkzeug ist gar so mächtig, dass findige Spieler unlängst schon Figuren aus anderen Spielen, wie etwa Geralt von Riva aus The Witcher und Solid Snake aus Metal Gear Solid nachgebaut haben. Wer auf das Gestalten keine Lust hat, der kann aber auch auf ein paar vorgefertigte Figuren zurückgreifen. Außerdem legt man zu Beginn auch den Yokai-Typen fest, mit welchen man starten will. Unterschieden wird hier zwischen den Nahkampf starken Rohlingen, den in Fernkampf effektiven Phantomen und den flinken Wildlingen. Übrigens braucht man sich keine Gedanken machen, falls man mit der Wahl des Aussehens oder Yokai-Typen im Laufe des Spiels unzufrieden wird, denn sowohl die Erscheinung lässt sich wieder komplett umgestalten und da man nach und nach andere Schutzgeister erhält, an welche die unterschiedlichen Yokai-Typen gekoppelt sind, kann man sich auch hier umorientieren.

Etwas mehr Gedanken sollte man sich hingegen bei der Wahl der Attribute machen. Die Skills (Herz, Magie, Stärke, Geschicklichkeit etc.) sind nämlich erst einmal gesetzt und haben einen durchaus großen Einfluss auf den Spielstil. So verbessert man beispielsweise mit jeder Kategorie auch eine oder mehrere bestimmte Waffen und teilweise auch zusätzliche Fähigkeiten, wie Magie und Ninjutsu. Hier sollte man sich also etwas Zeit nehmen, vor allem, wenn man den Vorgänger nicht gespielt hat. Denn bis man die Möglichkeit bekommt erlernte Fähigkeiten zu vergessen und die Skillpunkte neu zu verteilen, dauert es eine Weile.

Sengoku Yokai Masocore

Im Grunde bleibt Nioh 2 dem Fundament des Vorgängers treu und präsentiert sich als anspruchsvolles Action-Rollenspiel. Der Fokus liegt wie gehabt auf den Kämpfen, welche dank neuer Waffen und Fähigkeiten nun noch mehr Herangehensweisen zulassen. Zu den bekannten Hieb- und Stichwaffen wie Katana, Kusarigama, Doppel-Schwerter und Speer gesellen sich jetzt nämlich auch noch Beile und die mir sehr lieb gewordene Glefe, eine Art Sense, die ähnlich wie die Trickwaffen in Bloodborne funktionieren. Während man bei den anderen Waffen nämlich lediglich die Haltung (niedrig, mittel und hoch) ändern kann, fährt man bei anderer Haltung die Sense immer mehr aus. Ziemlich cool! Auch die Waffen lassen sich mit neuen Attributen und Fähigkeiten individualisieren. Entsprechende Erfahrungspunkte erhält man durch die Verwendung der unterschiedlichen Waffen. Wer also besonders viel mit Katana und Sense spielt, wird so schnell neue Kombos und Buffs auf diese erhalten. Glücklicherweise geht das Aufwerten der Waffen gerade am Anfang recht schnell, insofern ist man durchaus angehalten immer mal wieder die Waffen zu wechseln.

Dämonsiche Kräfte

Komplett neu sind die durch Schutzgeister erlangen dämonischen Fähigkeiten nicht, allerdings wurden sie in Nioh 2 massiv ausgebaut. Ist die entsprechende Leiste voll aufgeladen, kann man sich für einige Sekunden selbst in einen Yokai verwandeln und dadurch vor allem mächtig Schaden austeilen. Sinnig ist diese Option insbesondere als eine Art Absicherung in den Bosskämpfen, da man in Dämonenform für eine kurze Zeit nicht groß auf den selbst eingesteckten Schaden achten muss und so gerade brenzlige Situationen umkehren kann. Im normalen Spielverlauf habe ich hingegen kaum auf die Yokai-Form zurückgegriffen, ebenso, wie auf den neuen Wuchtkonter, mit welchem man einen starken gegnerischen Angriff (diese leuchten dabei kurz rot auf) abwehren und zum schnellen Gegenschlag ausholen kann.

Dunkle Seelen

Sehr cool sind die Seelenkerne, welche man Gegner, vor allem die etwas größeren, hin und wieder nach ihrem Ableben hinterlassen. Diese kann man nämlich in den eigenen Schutzgeist „einbauen“ und erhält dadurch nicht nur einen Zugewinn bei den Statuswerten, sondern auch Zugriff auf spezielle Fähigkeiten der einzelnen Dämonen. So kann man beispielsweise einen Affen beschwören, der in die Luft springt und einen Speer auf den Gegner wirft oder eine dämonisierte Eule rufen, welche Orbs verschießt, mit denen die Ausdauer des Gegners massiv beeinträchtigt wird.

Wo wir schon bei Ausdauer sind: diese spielt wieder eine entscheidende Rolle, denn jeder Sprint, jede Rolle, jeder Schlag mit der Waffe kostet Stamina. Ist diese aufgebraucht, so wird man für einen Moment handlungsunfähig und ist damit das ideale Opfer für gegnerische Attacken. Damit einem nicht die Puste ausgeht, sollte man also sich schnell mit der Ki-Regenerierung vertraut machen. Nach jedem Schlag erscheint für kurze Zeit ein blaues Glimmern über der eigenen Spielfigur, drückt man hier im richtigen Timing R1, holt man sich einen Teil der Ausdauer zurück. Schön: Auch die Gegner, egal ob mickriger Fußsoldat oder riesiger Boss, haben eine Ausdauerleiste und ist diese am Boden, kann man ebenfalls einen mächtigen Angriff landen.

Größer und ein bisschen hübscher

Etwas enttäuscht bin ich von der Spielwelt. Wie gehabt ist diese nicht zusammenhängend, stattdessen wird auf ein Missionssystem mit in sich abgeschlossenen Level zurückgegriffen. Das ist soweit auch okay, allerdings gibt es kaum ein Areal, welches so oder ähnlich nicht auch schon in Nioh hätte vorkommen können. Klar, viele Assets wurden wiederverwertet und immerhin hat man die Level etwas offener und mit mehr Höhenunterschieden, Abkürzungen und zusätzlichen Wegen gestaltet. Aber das ein oder andere Level, welches von der gesetzten Norm der düsteren Schlachtfelder abweicht, wäre dann doch ganz schön gewesen.

Hübsch ist Nioh 2 stellenweise dennoch. Das gilt vor allem für das kreative Designer der Gegner, insbesondere der Yokai, und für die schon einmal erwähnten Cutscenes. Löblich sind außerdem erneut die Unmengen an Optionen. Nicht nur kann man wie gehabt zwischen drei verschiedenen Bildmodi wählen, die Einfluss auf Grafikqualität und Framerate haben (auch auf der normalen PlayStation 4 erreicht man meist stabile 60 Frames, sofern man die Details zurückschraubt). Auch kann man in den Menüs absurd viele spielerische Optionen vornehmen. Man kann Schadensanzeigen an- und ausstellen, man kann die Sichtbarkeit des Helms deaktivieren, ohne den entsprechenden Ausrüstungsschutz einzubüßen und vieles, vieles mehr.

Gemeinsam auf Yokai-Jagd

Koop-Spieler dürfen sich gleich dreifach freuen, denn diesmal kann man sich mit gleich zwei weiteren Freunden in das Getümmel schmeißen. Der Schwierigkeitsgrad wird in diesem Fall etwas erhöht, indem mehr Gegner auftauchen. Dafür erhält jeder Spieler eigenen Loot und kann diesen auch im normalen Spiel benutzen. Acht geben sollte man dabei auf die Energie-Anzeige des Teams, die anzeigt, wie oft man verstorbene Mitspieler noch wiederbeleben kann. Wer keine Mitspieler in der eigenen Freundesliste hat, kann übrigens auch mit Fremden Koop-Matches spielen, allerdings benötigt man hierfür PS+.

Nach wie vor kann man übrigens auch gegen Abbilder von anderen Spielern antreten. Um diese ins eigene Spiel zu rufen, muss man einfach nur eines der roten Gräber aktivieren, die man bei aktiver Online-Verbindung überall im Level sieht. Auf die gleiche Weise kann man sich auch Kollegen ins Spiel holen, hierfür aktiviert man einfach nur eines der blauen Gräber. Das funktioniert übrigens auch ohne Sonys Aboservice.

Pro & Kontra

thumbs-up-icon

Pro
  • das bewährte Fundament wurde sinnvoll verbessert und erweitert
  • unzählige Möglichkeiten im Kampfsystem
  • verbessertes Balancing
  • ausgebauter Koop-Modus
  • stimmig inszeniertes Setting

thumbs-down-icon

Kontra

  • keine sonderlich packende Story
  • die Areale unterscheiden sich kaum vom Vorgänger

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Spiel Bewertung
Singleplayer
86
86
Gut
86
Multiplayer

FAZIT

Nioh 2 setzt an die Stärken des Vorgängers an und lässt einige von dessen Schwächen bleiben. Das Ergebnis ist eine rundum gelungene Fortsetzung, die genau in die Kerbe schlägt, die Dark Souls und Co. geöffnet haben. Dabei ist es Team Ninja einmal mehr gelungen den von FromSoftware etablierten Ansatz aufzugreifen und etwas komplett eigenes zu erschaffen. Insbesondere das Kampfsystem muss ich hierbei hervorheben, denn dieses bietet dermaßen viele Möglichkeiten, dass ich jeden verstehe, der zunächst etwas überfordert ist. Daher mein Rat: Zeit lassen und ausprobieren! Den ersten Teil habe ich noch recht stoisch mit Katana und Großaxt durchgespielt, in Nioh 2 bin ich jetzt wesentlich experimentierfreudiger und habe so noch mehr Spaß an den Kämpfen. Das Balancing ist Team Ninja ein Stück besser gelungen. Bei einem Spiel mit derart vielen Möglichkeiten keine Selbstverständlichkeit und sicherlich auch nicht einfach. Die neuen Yokai-Fähigkeiten sind hingegen meist ganz nett, allzu oft habe ich sie im Kampf aber nicht gebraucht. Das schließt die Seelenkerne aus, die teilweise sehr coole Aktionen ermöglichen und die Kämpfe noch eine Spur dynamischer machen. Das die Story hübsch inszenierte Augenwischerei und die Level nicht ganz so eindrucksvoll ausfallen, lasse ich dem Spiel da mehr als gerne durchgehen.

- Von  Adrian

Playstation 4
MS Windows

Nioh 2 REVIEW

USK 18 PEGI 18

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