MotoGP20 REVIEW

Zu Beginn möchte ich ehrlich sein. Bevor ich MotoGP20 zum ersten Mal gespielt habe, hatte ich ein großes Vorurteil. Die reale Saison 2020 hat noch nicht begonnen und bis auf die Testfahrten in Jerez und Malaysia, haben wir dieses Jahr noch nichts gesehen und was soll Milestone jetzt groß verändern? Für mich war klar, es kommt ein jährliches Update, indem das Fahrerfeld eine Frischzellenkur erhält und Fahrer wie Alex Marquez von der Moto2 in die MotoGP an die Seite seines Bruders bei HRC Honda befördert wird. Eventuell noch ein neues Menü und aus der 19 machen wir eine 20 – fertig ist MotoGP20. Das dachte ich zumindest, denn gäbe es für jede Veränderung eine Ohrfeige, ich hätte Milestones Handabdruck in meinem Gesicht! Und für den Fall, dass ihr mir nicht glaubt, schauen wir uns das Stück für Stück einmal genauer an.

Die 2020 Edition

Fangen wir bei dem Autopiloten an. Dieser übernimmt, wenn ihr aus der Box kommend eine schnelle Runde beginnen wollt, die Kontrolle und übergibt sie euch nach einigen hundert Metern. Auf Philipp Island in Australien zum Beispiel übergibt uns der Autopilot in MotoGP19 die volle Kontrolle direkt mit Beginn einer Kurve! Das ergibt überhaupt keinen Sinn, da nach leichter Kurskorrektur man in sieben von zehn Fällen neben der Strecke landet. In MotoGP20 hingegen nimmt uns der Autopilot noch mit durch die Kurve und übergibt uns erst hinterher die Kontrolle. Das ist eine dieser kleinen Veränderungen, die ich nicht erwartet habe, sich aber zugleich positiv auf meine Meinung auswirken!

Wenn wir in MotoGP19 über den Track heizen, fällt uns erst einmal nicht sehr viel auf. Alles wirkt stimmig und idyllisch. Das Gras ist grün und saftig, alles auf eine Länge getrimmt und wächst Millimeter genau bis an den Asphaltrand. Das klingt fast nach dem Vorgarten des Weißen Hauses. Wer aber schon einmal an einer klassischen Rennstrecke war, wird feststellen, dass das Gras unterschiedlich lang ist sowie meist wild, aber sicher nicht geordnet wächst und viel Schotter, Kies und Erde am Fahrbahnrand zu finden ist. Auch Stellen, an denen mal gar kein Gras wächst, ist absolut realistisch! In MotoGP20 finden wir hingegen genau dieses Szenario wieder!

Klar, jetzt kann man das Argument hervorbringen, bei Geschwindigkeiten jenseits der 200 Km/h auf so etwas sowieso nicht zu achten. Aber erinnert ihr euch noch daran, als in einem gewissen Mario Kart zum ersten Mal eine Pusteblume gezeigt wurde, die sich in ihre Bestandteile aufgelöst hatte, nachdem Mario mit dem Kart über die Blume fuhr? Es gibt sicher tausend Dinge, die in einem Fun Racer wichtiger sind als Pollen, die durch die Luft fliegen! Aber sie lassen die Umwelt organisch wirken. Und auch hier wirkt die Umwelt organisch! Es ist ein kleines aber feines Detail, welches ich auch nicht erwartet hatte.

Reifenverschleiß

Kommen wir zum Reifenverschleiß. Dieser findet nicht nur asymmetrisch statt! Heißt im Klartext, der Hinterreifen als „Antriebsreifen“ verbraucht durch Wheelspin (durchdrehende Reifen), Drifts oder ähnlichen Actionen mehr Gummi als der Vorderreifen. Damit nicht genug, denn die Reifen selbst sind in drei Teile aufgeteilt – Eine linke Flanke, eine rechte Flanke und die zentrale Lauffläche in der Mitte. Je nachdem, ob wir mehr Rechts- oder mehr Linkskurven haben, oder ob wir mehr oder weniger über die Randsteine fahren, ist der Reifenverschleiß an den Seiten höher als bei der zentralen Lauffläche. So kommt es schon einmal vor, mit 80% Gummi einen stabilen Geradeauslauf und eine gute Beschleunigung zu haben, aber in den Kurven mit 65% plötzlich ein Motorrad zu bedienen, dass nur noch am Rutschen ist. Das ist Realismus und definitiv ein guter Schritt von MotoGP20.

Karriere

Kommen wir zum neuen Karriere Modus! Ja, dass Wort „Neu“ lässt schon vermuten, hier einige Veränderungen vorzufinden. Doch bevor ich meine nächste Ohrfeige kassiere, lasst mich euch bitte vorher erst erläutern, was denn alles neu ist.

Zu Beginn erstellt ihr im Editor euren eignen Charakter. Okay, das ist jetzt nicht neu, aber ich erwähne es trotzdem für alle, die noch nie einen MotoGP Ableger in den Händen hielten. Haben wir uns für eine Klasse entschieden, in der wir an den Start gehen wollen, wird es interessant! Denn jetzt setzen wir nicht nur unsere virtuelle Unterschrift unter einen virtuellen Vertrag eines noch unbekannten Teams, sondern wir engagieren einen Manager, welcher für uns neue Kontakte knüpft und Verträge aushandelt. Auch stellen wir ein Team zusammen, um die Entwicklung unseres Motorrads voranzutreiben. Das ist grundsätzlich eine klasse Idee und ein Schritt in die richtige Richtung!

Die Hand wird schon weit ausgeholt und theoretisch könnte es in meinem Gesicht gleich wieder scheppern, aber langsam…. Kommen wir an einen Punkt, an dem wir auch über die Dinge reden müssen, die noch nicht so gut klappen und bleiben dabei gleich beim Karriere Modus! Der neue Ansatz ist wirklich gut aber noch nicht konsequent genug! Ich würde mir wünschen, dass meine Entscheidungen im Team mehr Auswirkungen haben. Egal welchen Manager ich wähle, egal welche Ingenieure ich wähle, es wirkt sich nur bedient auf die Meisterschaft aus. Ob ich mit 30 Punkten Vorsprung Meister werde oder mit 50 Punkten. Ob ich Rennen gewinne mit 10 Sekunden Vorsprung oder mit 5 Sekunden ist nicht die Konsequenz, die ich mir vorstelle. Wenn ich in einer Saison Fehlentscheidungen treffe, weil ich Personal einstelle, welches in der Motorentwicklung nur 20% Wissen vorweisen kann, ich aber nur am Motor und nicht an der Elektronik oder der Aerodynamik entwickeln lasse, dann will ich diese Fehlentscheidungen auch realistisch spüren. Plötzlich wirklich nur noch vierte oder fünfte Kraft sein und nicht trotzdem um den Titel kämpfen, ist naher Realismus. Hier gibt es für die Zukunft noch Luft für Verbesserungen oder zumindest die Anpassung über Schwierigkeitsstufen, um Profis wie Einsteiger gleichzeitig zu begeistern

Technik

Kommen wir zum Sound und für den Fall, ihr betreibt eure Boxen gerade mit einem Klinkenstecker „nein“, bitte dreht beim Video-Review nicht an jenem herum! Es kratzt und knackt an allen Enden, als würden sich eure Kopfhörer oder Boxen gleich verabschieden. Das heißt im Klartext, man fühlt sich beim Spielen wie auf der Rennstrecke, die manchmal den Ohren viel abverlangt. Zusätzlich wurde in der aktuellen Version ebenso wenig an einem deutschen Sprecher gespart. Wer MotoGP19 kennt, bzw. bereits gespielt hat, wird diesen gleich wiedererkennen, da es dieselbe Person ist. Scheinbar wurden sogar dieselben Textbausteine aus dem Vorgänger entnommen, da mir nicht selten ein déjà vu ereilt.

Wagen wir den Sprung zur Optik von MotoGP20. Leider gibt es hier und da immer noch unschöne matschige Texturen. Ferner bauen sich nach wie vor einige Grafikelemente immer noch sehr unschön auf, sozusagen laden sie nach. Als weiteren Kritikpunkt muss ich erwähnen, dass im Replay oder auch der Einführungsrunde die Motorräder aus Sicht der Kamera ausschauen, als würden sie über den Boden schweben. Für den Fall, dass es mit einem Patch noch nicht behoben wurde, bitte beheben! Zum Zeitpunkt des Reviews lag ein derartiges Update noch nicht vor. Immerhin, die Motorräder wirken detailliert und machen einen schicken Eindruck, genau wie ihre Fahrer. Auch die Crashcam, die wir aus der TV-Übertragung kennen, ist wirklich nett in Szene gesetzt. Dass die Fahrer bei Regen helle Visiere nutzen, statt ihre üblichen abgedunklen Visiere, ist so ein nettes kleines Detail am Rand! Weitere grafische Elemente, wie das Gras an der Rennstrecke, hatten wir ja bereits benannt. Dies wird durch ein lebendiges Publikum weiter angereichert, die die Stimmung beim Fahren anheizt.

Die Steuerung ist gut eingebracht worden und wir merken schnell, wenn wir nicht mehr auf dem Asphalt fahren. Die Kurvenlage wird ebenfalls einer Simulation gerecht, die nicht nur authentische Grafik und Klänge mitbringen sollte. Allgemein wurde gegenüber dem Vorgänger aber an der Steuerung nicht geschraubt, was in dem Fall keine Kritik ist.

Umfang und Multiplayer

Kommen wir zum Umfang von MotoGP20. Hier gibt es fast nichts zu meckern. Grundsätzlich stehen mit einzelnen Grand Prix Wochenenden, Zeitfahren oder eine komplette Meisterschaft, drei umfangreiche Modi zur Verfügung. Zusätzlich sind mit dem neuen Karriere- und Multiplayer Modus, weiter Alternativen im Spiel enthalten. Wer sich hier auf den lokalen Multiplayer freut, wird aber leider enttäuscht, denn letztlich gehen Fahrten mit realen Spielern nur online. Dafür sind aber insgesamt 16 Fahrer erlaubt, die wir erstmal überrunden müssen. Dieselbe Herausforderung bringt aber auch die anpassbare KI mit, die bis auf eine Zahl von 50 reguliert werden kann und dadurch einiges an fahrerischem Können einfordert.

Zufem sind die historischen Bikes der 90er und frühen 2000er Jahre, sowie einige Herausforderungen im Spiel enthalten. Nichtsdestotrotz gibt es weniger dieser Vehikel als im Vorgänger. Wer vor allem die Klassiker bevorzugt, könnte daher leicht enttäuscht werden. Ferner haben wir im Editor wiederum die Möglichkeit, unsere eigenen Designs zu kreieren, wie ihr es im Video-Review erblicken könnt.

Zum Schluss dann noch einmal etwas Positives! Die Ladezeiten! Hier sprechen wir „nur“ noch von ca. 30 Sekunden vor einem Rennwochenende. Zwischen den einzelnen Sessions sogar nur ca. 5 Sekunden! Bravo!

Video Review

Pro & Kontra

thumbs-up-icon

Pro
  • Toller Editor
  • Sehr guter Umfang
  • Detailgetreue Motorräder und Fahrer
  • Einstellbare KI

thumbs-down-icon

Kontra
  • Nachladende Texturen
  • Sprecher mit selben Textbausteinen
  • Kein lokaler MP

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Spiel Bewertung
Singleplayer
84
84
Gut
84
Multiplayer

FAZIT

MotoGP20 ist definitiv nicht die Motorradsimulation, die sie eigentlich sein könnte, denn es wurde wieder einiges an Potenzial verspielt. Es gibt hier und da noch ein paar Bereiche zum Nachbessern und Schwächen der Vorgänger, die es abzustellen gilt. Nichtsdestotrotz sind viele Verbesserungen verbaut, die aus MotoGP20 den bisher besten Teil dieser Serie machen. Eine kleine Liebeserklärung an alle MotoGP Fans da draußen in einer zugegeben aktuellen schweren Zeit ist der aktuelle Ableger auf jeden Fall. Bleibt nur zu hoffen, das auch die echten MotoGP Fahrer jetzt MotoGP19 zur Seite legen und mit 20 weitermachen. Denn „ja“, der frische Ableger lohnt sich und auch ich drehe gerne noch weitere Runden mit der Simulation.

- Von  Gerrit

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