Deadly Premonition Origins REVIEW

Ein Abklatsch von Twin Peaks, eine technische Vollkatastrophe und seltsam in einer „typisch japanisch“ Art – über Deadly Premonition wurde in den vergangenen Jahren viel gesagt und geschrieben. Die einen sahen und sehen in dem Spiel von Designer Hidetaka „Swery 65“ Suehiro ein für das Medium bemerkenswertes Machwerk, für andere ist es Softwareschrott. Eine Meinung abseits beider Extreme scheint es nicht zu geben. Das eben dieses Spiel mit Deadly Premonition 2: A Blessing in Disguise im kommenden Jahr eine Fortsetzung erhalten wird, hat also nicht ohne Grund vielen die Sprache verschlagen, sei es aus purer Freude oder eben aus purem Unverständnis. Im Rahmen der Ankündigung eines neuen Teils, wurde der Erstling jetzt noch einmal unter den Namen Deadly Premonition Origins neu für die Nintendo Switch veröffentlicht und öffnet seine seltsamen Pforten somit einer neuen Zielgruppe.

Missverstanden


Bis heute wird Deadly Premonition und seinen Schöpfern in vielerlei Hinsicht unrecht getan. Der häufige Vergleich mit Twin Peaks zeichnet nämlich nicht nur ein falsches Bild, sondern untergräbt auch die Eigenleistung der Autoren. Zugegeben: in dem erstmals 2010 für die Xbox 360 veröffentlichten Spiel stecken viele mehr als offensichtliche Referenzen auf die bahnbrechende TV-Serie von David Lynch. Die grundlegende Prämisse inklusive Setting – in einem verschlafenen US-Städtchen wird ein grausamer Mord an einer jungen Frau begangen – ist nahezu identisch, eines der prominenteste Musikstücke des Spiels, welches insbesondere in spannungsreichen Momenten immer wieder zum Einsatz gerufen wird, hätte genauso auch von Twin Peaks Komponist Angelo Badalamenti stammen können und selbst einige Figuren sind offensichtliche Spiegelungen (die Log-Lady trägt hier keinen Baumstamm, sondern einen Kochtopf durch die Gegend). Gerade in den ersten zwei von insgesamt sechs noch einmal in mehrere Kapitel unterteilten „Episoden“ sind die Verweise unverkennbar. Nach und nach verlässt Deadly Premonition aber das Referenzfeld und erzählt eine eigenständig und zunehmend surrealer werdende Geschichte, die in einem Finale endet, bei welchem ich bis heute nicht so ganz weiß, was ich von ihm halten und vor allem, wie ich es einordnen soll. Doch eben dieses schwer zu greifende, nicht offensichtliche ist es, was für mich den Reiz ausmacht.

Mehr als Twin Peaks


Als FBI-Ermittler Francis York Morgan wird man zu Beginn des Spieles in das abgelegene Greenvale gerufen. Ein brutaler Mord wühlt die Bewohner der Stadt auf und schürt Ängste vor einer lokalen Legende um den sogenannten „Regenmantelkiller“. Dieser, so will es die Folklore, wütet während regnerischer Nächte, von denen es in dem im hohen Norden der USA gelegenen Ort verdächtig viel gibt. In bester Mystery-Tradition ist die Geschichte mit Irrungen und Wirrungen gefüllt und zieht nach hinten raus immer mehr an, insbesondere da die ohnehin immer etwas traumwandlerisch wirkende Story zusehends ins surreale abgleitet und Dinge macht, die man so noch nie in einem Videospiel gesehen hat.

Im Zentrum stehen insbesondere die Figuren, die alle auf ihre Art und Weise verschroben sind. Da wäre etwa der kauzige Sheriff, der nicht gerade erpicht auf das Eingreifen durch das FBI ist und versucht Agent Morgan Steine in den Weg zu legen. Oder die bereits erwähnte „Kochtopf Lady“, die panische Angst hat, dass ihr Behältnis unter eine bestimmte Temperatur fällt sowie der nicht ganz koschere Forrest Kaysen inklusive Hund Willie. Und eben auch Protagonist und Kaffee-Liebhaber Francis York Morgan, welcher mit seinem imaginären Freund Zach das Geschehen in Greenvale bespricht, einordnet und immer wieder auch in Monologe über Kinofilme der 1980er Jahre und Musik abdriftet und dabei die vierte Wand durchbricht, ohne das es aufgezwungen wirkt. Nach einer Weile schließt man die Figuren ins Herz und wird sie wahrscheinlich nie wieder vergessen.

Was bitte ist das?


Viele der Qualitäten, die Deadly Premonition ausmachen, verbergen sich unter der Oberfläche und wollen zunächst einmal freigelegt werden. Alles, was es braucht, ist Zeit und Geduld. Von Letzterem zugegebenermaßen einiges. An dem reinen Spiel kann man sich aufgrund der vielen Macken und Versäumnisse nämlich lange und ausführlich abarbeiten. Das von Resident Evil 4 inspirierte Kampfsystem war schon 2010 hoffnungslos veraltet, die Fahrphysik inklusive die Steuerung der Fahrzeuge ist ein einziger Graus, die Menüführung umständlich, das UI POTTHÄSSLICH, die Verfolgersequenzen nervig, die Quick Time Events frustrierend und weder Minimap noch unübersichtliche Karte helfen in irgendein erweise bei der Orientierung in der offenen Welt, die zu allem Überfluss auch noch ein Schlag in das ästhetische Empfinden ist.

Trotz einiger interessanter Ansätze, wie den ebenfalls von Capcom´s Survival-Horror Spielen entlehnten Puzzles und der nahezu in Echtzeit ablaufenden Spielzeit (aus der nicht sonderlich viel gemacht wurde), hatte ich nie sonderlich viel Spaß am Gameplay. Ich habe es stets hingenommen und mich mit den vielen Unzulänglichkeiten arrangiert, was auf den ersten Blick ja nicht wirklich für ein Videospiel spricht. Zumindest die Nebenmissionen sind einigermaßen spaßig, wobei auch das eigentlich weniger für die abgerufenen Mechaniken gilt, als vielmehr aufgrund der vielen Hintergrundinformationen, die man über Greenvale und seine Bewohner erhält.

Nicht die beste Version


Die Portierung auf die Nintendo Switch stößt mir etwas sauer auf. Für die digitale Version (eine physische Fassung wird noch via Publisher Numskull Games kommen) wird im Nintendo eShop 30 Euro ausgerufen. Die Origins Version (keine Ahnung, warum man diesen Zusatz gewählt hat) basiert dabei auf der Xbox 360 Version, was wiederum seltsam ist, da der später für PlayStation 3 und PC veröffentlichte Director´s Cut zusätzliche Szenen und einige Gameplay-Anpassungen enthält. Letztere sind wohl auch noch in der Portierung für die Nintendo Switch enthalten, die zusätzlichen Szenen sind allerdings weg.

Die Performance auf der Nintendo Switch ist ähnlich miserabel, wie auch schon auf anderen Plattformen. Das sollte eigentlich nicht überraschen, da Nintendos aktuelle Hardware ja kaum stärker, als eine Xbox 360 und PlayStation 3 ist, dennoch hätte ich mir gewünscht, dass man sich noch einmal an das Spiel setzt und wenigstens den Versuch unternimmt, die immer wieder auftretenden Ruckler zu minimieren und Kantenglättung oder andere Verbesserungen zu implementieren.

Pro & Kontra

thumbs-up-icon

Pro
  • spannende Story
  • fantastische Figuren
  • eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht

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Kontra
  • technsiche Katastrophe
  • schwerfällige Kämpfe
  • mittelmäßige Portierung

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Spiel Bewertung
Singleplayer
74
74
-
Multiplayer

FAZIT

Deadly Premonition verlangt einiges vom Spieler, gibt dafür aber auch mehr zurück, als es die meisten anderen Videospiele tun. Man muss schon sehr schmerzunempfindlich sein oder einfach eine hohe Toleranz gegenüber technische und spielerische Unzulänglichkeiten mitbringen, wird dafür aber mit einer spannenden Geschichte und fantastischen Figuren belohnt sowie einer Atmosphäre, die einmalig ist. Die nun für die Nintendo Switch veröffentlichte Origins Fassung taugt leider nicht gerade als erste Wahl, um Deadly Premonition zu spielen. Denn auch, wenn das Spiel auf anderen Konsolen ebenfalls eine technische Katastrophe ist, so bekommt man es dort zumindest etwas günstiger und im Falle der Director´s Cut Varianten sogar mit mehr, wenn auch nicht wirklich essenziellen Inhalten. Sofern man, wie ich, aber das Spiel liebt und einfach Lust hat, auch unterwegs oder gemütlich im Bett auf die Jagd nach den Regenmantelkiller zu gehen, ist die Nintendo Switch Version eine gute Alternative.

- Von  Adrian

Nintendo Switch

Deadly Premonition Origins REVIEW

USK 18 PEGI 16

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