Darkstar: The Interactive Movie REVIEW

Da hatte sich das Multitalent J. Allen Williams aber einiges vorgenommen, als er sich im Jahr 2000 entschloss sein eigenes Indie-Game zu kreieren. Während der Arbeit an seinem Mammutprojekt, übernahm er so ziemlich alle Aufgaben mehr oder weniger selbst. So ist er sowohl Schreiber, Animationskünstler, Editor, Produzent und Direktor seines Sci-fi-Adventures „Darkstar.“ Interessanterweise sollte Darkstar ein sogenanntes FMV-Spiel werden. FMV steht für „Full Motion Video“ und ist ein Mitte der 90er Jahre entstandenes Phänomen, welches sich aus der damals neuen CD-Technologie speiste. Den neuen Speicherplatz den das CD-Medium gewährte wollte man sinnvoll nutzen und so verzichtete man auf die altbewährten 2D-Sprites und setzte auf reale Schauspieler als Charakterdarsteller, die anschließend eher schlecht als recht in die Spielumgebung eingebaut werden, falls das Budget mal wieder nicht für eine entsprechend authentische Kulisse gereicht hat. Da die meisten FMV-Spiele der damaligen Zeit ziemlich mies waren (Ausnahmen bestätigen die Regel), ging dieses Grafik-Konzept jedoch recht bald den Bach herunter und wurde kollektiv fallengelassen. Dies hinderte Mr. Williams jedoch nicht daran seine Pläne umzusetzen.

Als Hauptdarsteller für die Filmsequenzen wurde Clive Robertson verpflichtet. Ein britischer Schauspieler der bereits in der Sci-fi Serie „Starhunter“ Sternenstaub schnuppern konnte und somit mit der Materie einigermaßen vertraut war. Für die anderen Rollen schnappte man sich die Leute der US-Comedyshow „Mystery Science Theater 3000“, die dem Autor dieser Zeilen jedoch nicht geläufig ist.
Ob 10 Jahre Entwicklungszeit ausgereicht haben, um die Vision eines einzelnen Mannes zu verwirklichen oder nicht, möchte ich euch im folgenden Review verraten.

Wir schreiben das Jahr 2499 – Der Captain der Westwick hat 314 Jahre verpennt

So lange schlummerte Captain John A. O’Neil also in seiner Kälteschlafkapsel an Bord der Westwick. Dummerweise reicht diese Zeit locker aus, um sämtliche Erinnerungen und Persönlichkeitsmerkmale des Schläfers zu zerstören. Folglich reagiert John ziemlich irritiert, als er endlich vom Bordcomputer seines Raumschiffs geweckt und vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Es dauert nicht lange bis O’Neil herausfindet, dass sich die Westwick auf einer verzweifelten Mission befindet: Sie soll zum kosmischen Phänomen „Darkstar“ durchdringen, um mit dessen Hilfe einen Zeitsprung in die Vergangenheit zu unternehmen.

Grund dieser geplanten Zeitreise ist bzw. war ein verheerender Krieg zwischen den „United Nations of the Earth“ und der Mars Armada der ehemaligen Mars-Gefangenenkolonie „New Australia“. Die Erdregierung hatte seinerzeit nämlich den „genialen“ Plan ausgetüftelt, einfach jeden Kriminellen auf den Mars abzuschieben. Das die Gefangenen von dieser Zweiklassengesellschaft nicht sonderlich angetan waren erklärt sich da verständlicherweise von selbst. Letztendlich konnte die kriegerische Marsbevölkerung triumphieren, indem sie die Erde Star Wars-like mit einer gigantischen Kanone in die Luft jagten. John O’Neil und seine Crew sollen dieses schreckliche Szenario verhindern, indem sie das New Australia-Projekt stoppen. Dies kann freilich nur durch eine Zeitreise in die Vergangenheit gelingen.

Leichter gesagt als getan, denn die Westwick wird von einem feindlichen Scythe-Fighter der Mars-Armada bedrängt. Auch innerhalb der Westwick läuft einiges schief: Das Schiff ist beschädigt und die Crew sozusagen „verhindert“. Pilotin Paige Palmer schlummert nach wie vor in ihrer Kälteschlafkapsel, Der erste Offizier Ross Perryman ist verschwunden und Wissenschaftsoffizier/Navigator Alan W. Burk wurde anhand seiner verstümmelten und skelettierten Leiche bereits vor längerer Zeit ermordet. Auch der schnoddrige kleine Roboter SIMON verhält sich reichlich unkooperativ. Was zum Teufel geht an Bord der Westwick vor sich? Wird es John gelingen die Mission erfolgreich abzuschließen und die Erde zu retten?

Die Story ist definitiv die große Stärke von Darkstar! Zahlreiche Filmsequenzen spinnen die Geschichte weiter oder erläutern die Geschehnisse die zum Krieg und somit zur Mission der Westwick geführt haben. Die auf der Verpackungsrückseite angegebene Filmdauer von 13 Stunden ist jedoch maßlos übertrieben. Es wäre schon schön, wenn das gesamte Produkt inklusive Film- und Gamingsequenzen diese Länge erreichen würde. Tatsächlich ist Darkstar jedoch nach ca. 8-10 Stunden auch schon wieder vorbei. Das mag wohl daran liegen, dass sich die Schauplätze auf die Westwick (die bereits zwei Drittel des Umfangs ausmacht) sowie einen Abstecher auf einen fremden Planeten und ein weiteres Raumschiff beschränken. Um den Umfang dennoch etwas zu strecken, hat man viele individuelle Game Over-Sequenzen ins Spiel integriert, die durch verpasste Items oder allzu neugieriges Schalter umlegen und Knöpfchen drücken ausgelöst werden.

Leider bleiben die Charaktere das gesamte Spiel über ziemlich oberflächlich und klischeehaft. Eine Meisterleistung der Schauspielkunst sollte man ebenso wenig erwarten. Robertson macht seine Sache ganz gut und auch die anderen Crewmember der Westwick bemühen sich. Die Darsteller in den Prologsequenzen (welche übrigens erst nach und nach im Verlauf des Spiels freigeschaltet werden) schwanken hingegen zwischen lustlos, albernd und übertreibend hin und her. Natürlich verbreitet auch schlechte schauspielerische Leistung ihren eigenen Charme und Unterhaltungswert.^^ Und gerade letztere beide Aspekte kann man Darkstar trotz der Schwächen definitiv nicht absprechen.

Wie Myst im Weltraum – nur vieeeeel einsteigerfreundlicher

Ähnlich wie in den Myst-Spielen, betrachtet man auch hier die vorgerenderte Umgebung durch die Ego-Perspektive des Protagonisten. Per Mausklick bewegt man John durch diverse Gebiete und untersucht Umgebungsobjekte wie z. B. Computerkonsolen oder betätigt Schalter. Hält man die linke Maustaste gedrückt und bewegt dabei die Maus, kann man sich völlig frei um 360 Grad umschauen – sogar Fußboden und Decke sind auf diese Weise zu begutachten. Mehr gibt es zur Steuerung auch gar nicht zu beachten, denn als Interactive Movie ist Darkstar in Sachen Gameplay ziemlich simpel gestrickt. Die wenigen Items die man findet, werden eigenständig vom Programm eingesetzt, wenn es die Situation erfordert. Sollte es sich um eine Notiz oder dergleichen handeln, kann man den Gegenstand bei Bedarf genauer untersuchen, um den Text zu lesen. Und das war’s auch schon im Großen und Ganzen, denn der Hauptteil der Rätsel besteht entweder aus Knöpfen drücken bzw. Hebel umlegen oder Code-Rätseln bei denen jedoch i.d.R. oben erwähnte Notizzettel weiterhelfen.

„Komplexere“ Aufgaben beschränken sich auf simple Minigames wie Memory und Puzzle. Die einzige wirklich kniffligere Passage ist das furchtbare Labyrinth-Spiel, welches O’Neil in einen virtuellen Irrgarten versetzt, der diese Bezeichnung auch tatsächlich verdient hat! Das verdammte Ding ist so fies aufgebaut, dass noch nicht mal Kartenzeichnen vernünftig hilft! Dieser Spielabschnitt erweckt jedoch eher den Anschein der Spielzeitstreckung und ist dementsprechend nervig. Ansonsten gibt’s noch einen abschließenden Hinweis von mir, den ich euch ans Herz legen möchte: Bevor ihr euch mit dem Shuttle auf den Weg zum Planeten begebt, legt auf jeden Fall eine Sicherheitsspeicherung an, da ihr ansonsten in einer Sackgasse landen könntet und das Spiel von Vorne beginnen müsst. Ab diesen Punkt muss man einige wichtige Items gefunden und Ereignisse getriggert haben, ohne die man das Spiel nicht erfolgreich beenden kann!

Bevor wir uns dem nächsten Testsegment zuwenden, muss ich aber doch noch einige Dinge zum Spielablauf erläutern: Da O’Neil unter Gedächtnisverlust leidet, kennt er sich freilich nicht mehr auf seinem Schiff aus und hat daher keine Ahnung, was Schalter/Hebel A denn nun genau bewirkt. Man sollte sich also daran gewöhnen bis zu einem gewissen Grad im trüben zu fischen (so ähnlich wie schon in Myst, wenn auch nicht sooo schlimm). Obwohl das Spiel eigentlich recht leicht ist, bekommt man nicht jede Information aufs Auge gedrückt, sondern muss schlicht und einfach etwas herumprobieren. Meistens öffnen die Schalter irgendwelche verschlossenen Türen. So ist eine der großen Hauptaufgaben im Spiel die zehn BioLoks zu aktivieren, die nicht nur die Prologfilme freischalten, sondern auch den Zugriff auf das Shuttle ermöglichen. Auch sollte man die Westwick fleißig nach leicht zu übersehenden Durchgängen erkunden, damit einem nichts entgeht – leider gibt es keine Hotspotanzeige oder dergleichen. Stattdessen gibt es viele Red Herrings, die im besten Fall zwar interessante Einblicke und Hintergrundinformationen zur Story und Spielumgebung freischalten, jedoch nicht zum erfolgreichen Spielabschluss beitragen.

Leider spielt sich Darkstar nicht so flüssig wie es sollte. Die Kamerafahrten durch die Umgebung sind recht gemächlich und können oftmals auch nicht per Mausklick „weggedrückt“ werden. Dadurch fühlt sich das Spiel insgesamt recht zäh an. Dies liegt aber auch an einigen technischen Problemen, auf die ich später eingehen werde. Ein gewisses Maß an Geduld und Entdeckerdrang sollte man für Darkstar schon mitbringen. Was man hingegen auf jeden Fall benötigt, sind gute Englischkenntnisse! Übersetzt wurde nämlich lediglich das Handbuch.

Grafik, Sound und Präsentation

Grafik: Die Grafik ist nicht ganz leicht zu bewerten. Das Artdesign der Spielumgebungen ist fantastisch und erzeugt eine hervorragende Atmosphäre. Da macht es richtig Spaß die Westwick zu erkunden! Leider ist die Grafik rein objektiv betrachtet jedoch ziemlich mies. Die Qualität der FMV-Sequenzen schwankt zwischen ganz gut und absolut furchtbar. Um es mal so auszudrücken: Ich konnte nach Darkstar gut nachvollziehen, warum dieser Grafikstil untergegangen ist. Abseits der FMV-Sequenzen findet man sich in starren, leblosen und zum Teil auch detailarmen vorgerenderten 360 Grad-Umgebungen wieder, die durch recht lästige und zeitraubende Fortbewegungssequenzen unterbrochen werden. Hier gewinnt Darkstar jedenfalls keinen Blumentopf!

Sound: Die große Stärke dieser Produktion ist mit Leichtigkeit in diesem Segment zu finden: Der OST ist einfach hammermäßig gut! Der Soundtrack umfasst 38 Tracks, die auf 2 CD’s als Bonusbeilage beiliegen! Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, dass sich der Kauf von Darkstar alleine wegen des OST’s gelohnt hat! Wer auf lautstarke Mucke abfährt, der wird mit Darkstars Progressive Rock-Tracks jedenfalls seine helle Freude haben! Natürlich gibt es auch genügend ruhigere Stücke für entsprechende Storysequenzen, aber auch diese können vollauf überzeugen!

Da hier reale Schauspieler am Werk sind und nichts eingedeutscht wurde, kann man schlecht von typischer Sprachausgabe reden. Hier muss einfach jeder selbst entscheiden was die Darsteller taugen oder nicht. Der Erzähler und die Stimmen für den Bordcomputer und SIMON leisten jedenfalls hervorragende Arbeit!

Präsentation: Statt alle Vor- und Nachteile nochmals Revue passieren zu lassen, komme ich an dieser Stelle lieber auf die wacklige Technik zu sprechen. Und damit spiele ich nicht auf die Standardauflösung von 1028×768 Bildpunkten an, sondern auf die Kompatibilitätsprobleme mit dem Quick Time-Player, der für Darkstar benötigt wird. So schmiert das Spiel gerne mal aufgrund eines iShell-Errors ab und die Performance bricht stellenweise ziemlich derbe ein. Man kann diesen Fehler beheben, indem man die Hardware-Beschleunigung (DirectDraw) in den Quick Time-Einstellungen deaktiviert. Leider hat dies nicht mehr geholfen, nachdem ich Quick Time aktualisierte. Laut Darkstar-Homepage soll man in diesen Fall Quick Time deinstallieren und den Player auf der Darkstar-DVD installieren. Dies habe ich jedoch nicht mehr getestet.

Solche Macken sind natürlich generell lästig und haben in einem fertigen Produkt nichts zu suchen. Ich möchte schließlich das Spiel spielen und mich nicht mit Quick Time-Einstellungen herumärgern, von denen ich wiederum nur durch zeitraubende Internetrecherche erfahre! Hierfür also noch mal ein dicker Minuspunkt für Darkstar, zumal es keine Patches gibt.

Pro & Kontra

thumbs-up-icon

Pro
  • erstklassiger Progressive Rock-Soundtrack
  • interessante Sci-fi Story
  • gelungenes Artdesign und Szenario
  • nette 360 Grad Rundumsicht

thumbs-down-icon

Kontra
  • anspruchsloses Gameplay mit teils schwammiger Zielvorgabe
  • unbefriedigende Grafik
  • technische Macken durch Quick Time/keine Patches
  • lästiger Labyrinth-Spielabschnitt
  • unvorsichtige Spieler können in einer dauerhaften Sackgasse landen (mehrere Spielstände anlegen!)

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Spiel Bewertung
Singleplayer
58
58
-
Multiplayer

FAZIT

Nach Vandell teste ich hier schon das zweite Independent-Adventure, bei dem sich der Macher etwas übernommen hat. Ist ja schön und gut, wenn man so ein Projekt mehr oder weniger alleine aus dem Boden stampft, nur leider kommen dabei scheinbar keine spielerischen Meilensteine zustande. Und gerade beim Gameplay haperts bei Darkstar am meisten – und da können auch nostalgische Elemente wie Todesfallen, Sackgassen und FMV-Sequenzen nichts dran ändern! Wirklich hässlich wird’s dann, wenn einem technische Macken in die Quere kommen und zusätzlich Salz in die Wunde streuen! Dies alles ist jedoch sehr schade, denn trotz des oberflächlichen Gameplays kann man sich dem futuristischen Reiz der Westwick nur schwer entziehen. Für einen Science Fiction-Freund ist es schon reizvoll so ein Raumschiff zu erkunden und dabei die interessante Story weiterzuverfolgen. Wer bereit ist sich das Spiel zuzulegen, bekommt immerhin eine prall gefüllte DVD-Hülle mit PC- und Mac-Installations-Silberlingen, farblich bedruckten Handbuch und zwei OST-CD's! Am Preisleistungsverhältnis scheitert's dieses Mal also definitiv nicht.

- Von  Volker

MS Windows
Mac OS X

Darkstar: The Interactive Movie REVIEW

USK 1 PEGI 1

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