Blair Witch REVIEW

Nach dem Erfolg von Layers of Fear und dessen Nachfolger melden sich die polnischen Entwickler Bloober Team mit einem neuen Horror Adventure zurück. Blair Witch orientiert sich, wie der Namen bereits vermuten lässt, stark an der filmischen Vorlage der späten 90er Jahre. Was Blair Witch nun taugt, wie viel Found Footage Film in dem Spiel steckt und ob die Gruselerwartungen erfüllt werden, zeigen wir in unserem Test.

Mann und Hund auf den Spuren der Blair Witch

Es geht zurück in den Black Hill Forest, wo auch schon The Blair Witch Project und dessen Fortsetzung von 2016 spielten. Genau in diesem Wald ist auch der kleine Peter verschwunden, woraufhin die Polizei eine groß angelegte Suchaktion startet. Mit dabei sind Detective Ellis und sein vierbeiniger Begleiter Bullet. Der Ermittler ist wie immer zu spät am Einsatzort und soll, ausgerüstet mit Handy, Funkgerät und Taschenlampe zum Suchtrupp aufschließen, der bereits in die Tiefen des Waldes vorgestoßen ist. Nach einem relativ gemütlichen Waldspaziergang nimmt Bullet eine Fährte des Jungen auf und die Spurensuche scheint Fahrt aufzunehmen.

Die beiden hetzen im Rekordtempo durch den Wald, lassen den bereits erschlossenen Bereich hinter sich, wobei von Ellis Kollegen nach wie vor jede Spur fehlt. Kurze Zeit später finden sich beide mitten im Irrgarten des Black Hill Forest wieder und haben völlig die Orientierung verloren, sind aber immerhin noch Peter auf den Fersen. Zu allem Überfluss wird Ellis von einer Panikattacke eingeholt, die ihn nach einem nicht aufgearbeiteten Trauma immer wieder heimsuchen. Als der Polizist wieder zu sich kommt, fehlt von den anderen noch immer jede Spur und die Nacht bricht herein. Mit ihr rücken auch die Dämonen der Blair Witch immer näher.

Wäre das nicht schon genug, wird Ellis immer wieder von Flashbacks seiner traumatischen Erlebnisse heimgesucht. So verschwimmt die Grenze zwischen Realität, Einbildung und Übernatürlichem immer mehr. Dadurch rückt die Suche nach dem kleinen Peter immer weiter in den Hintergrund und Ellis‘ eigene Probleme drängen sich immer weiter an die Oberfläche. Blair Witch erzählt eine durchaus spannende Horror Story, wirkt aber an manchen Stellen zu vorhersehbar und klischeebehaftet. Zudem wurde das letzte Spieldrittel gefühlt stark gestreckt, um auf eine Gesamtspielzeit von etwa vier Stunden zu kommen.

Walking Simulator und Orientierungslosigkeit im Wald

Genretypisch handelt es sich bei Blair Witch um einen klassischen, linearen Walking Simulator, bei dem Ellis die Tiefen des Black Hill Forest durchwandert oder besser gesagt durchläuft. Dementsprechend simpel ist das Gameplay, was den Fokus eher auf Story, Atmosphäre und Spielwelt wirft. Vergleichbar mit What Remains of Edith Finch oder The Vanishing of Ethan Carter, aber mit einem etwas höheren Spieltempo. Der Spieler ist getrieben von der Spannung, welche der Wald versprüht.

Während die Stimmung wirklich gut inszeniert wurde und oft einfach nur erdrückend wirkt, fällt die Orientierung im Wald stellenweise sehr schwer, da sich viele Areale sehr stark ähneln. Es kommt nicht selten vor, dass man frustriert ist von der Erkenntnis, zum dritten Mal dieselbe Wegkreuzung durchquert zu haben. GPS, eine Karte oder einen Kompass gibt es natürlich nicht, aber glücklicherweise hat Ellies ja seinen Hund Bullet. Der hört nicht nur auf diverse Kommandos, sondern fungiert auch als tierisches Navigationssystem. Das Feature funktioniert zwar nicht immer einwandfrei, aber oftmals gibt Bullet zumindest grob die Richtung vor.

Ein weiteres Kernfeature des Adventures sind kurze Videobänder, die überall im Wald zu finden sind. Sie geben nicht nur Hinweise über den Verbleib von Peter, sondern helfen auch Rätsel zu lösen. Dabei spielt Zeitmanipulation eine große Rolle, so stehen zuvor verschlossene Türen etwa offen, sobald sie im Video geöffnet wurden. Dazu kommen noch klassische Aufgaben im Stil von – sammel Objekt A und bring es zu Punkt B. Gesamt hält sich die Komplexität der Rätsel in Grenzen und sie wirken eher als gelungene Abwechslung zum sonst recht eintönigen Waldspaziergang, wobei jedes Rätsel leider nur einen richtigen Lösungsweg vorgibt.

Referenzen und Charme der 90er Jahre

Was wäre ein Spiel im Blair Witch Setting ohne Referenzen zum Klassiker? So finden sich im gesamten Wald verstreut die typischen Symbole der Hexe, sowie Steinhaufen wie im Originalstreifen der 90er Jahre. Nicht zu vergessen, das berühmte Haus der Blair Witch, inklusive vieler Schreckmomente und Personen, die in Raumecken starren. Ein spezielles Gadget für alle Nostalgiker dürfte außerdem Ellis Handy darstellen, das den Nokia Modellen der Jahrtausendwende nachempfunden wurde. Das stammt zwar aus einer Zeit, als Textnachrichten noch auf 160 Zeichen limitiert waren, bietet aber jede Menge nützlicher Funktionen. Neben Telefonie und SMS lassen sich damit nämlich Klassiker wie Snake oder Space Invaders spielen.

Trotz des Retro-Charmes wird man ständig daran erinnert, wie die Technik unseren Alltag dominiert. Zum einen wird Ellis alle paar Minuten von seiner Frau angerufen, die sich immer wieder erkundigt, wie es dem Mann denn geht. Zum anderen starrt man als Spieler fast pausenlos auf den kleinen Bildschirm des Camcorders, denn dieser verfügt, wie der aus Outlast, über eine Nachsichtfunktion. Zudem zerreißen die eingehenden Anrufe gerne einmal die aufgebaute Spannung und bremsen das Adventure aus. Gesamt könnte Blair Witch wesentlich kompakter ausfallen. Besonders im bereits erwähnten letzten Spieldrittel wäre weniger wesentlich mehr gewesen. Dies wird noch unterstützt von den teils überflüssigen Sammelobjekten wie Fotos und Totems, die außer einem Achievement keinerlei Kontext bieten.

Technik

Technisch gesehen ist Blair Witch ein zweischneidiges Schwert. Die von uns getestete Konsolenversion sieht auf den ersten Blick zwar ganz schick aus, bei näherer Betrachtung werden aber immer mehr matschige Texturen sichtbar. Der Vorteil ist in diesem Fall nur, dass ein Großteil der Handlung von Blair Witch bei Nacht spielt und fehlende Details in der Dunkelheit sowieso nicht auffallen. Generell fühlt man sich durch die minimale Beleuchtung oftmals wie ein blindes Huhn auf der Suche nach dem Korn. Bei Tag wäre das Adventure aber wiederum nur halb so gruselig, weshalb die teils sehr dunklen Szenen vom Entwickler durchaus beabsichtigt sind. Völlig konträr dazu fallen viele Flashbacks von Ellis aus, die teilweise völlig absurde Bilder, wie eine tropische Palme mitten im amerikanischen Mischwald, liefern.

So minimalistisch die Optik von Blair Witch auch ist, umso gelungener ist der Sound. Der erzeugt durch die teils erdrückende Stille, das genretypische statische Rauschen an vielen Stellen und die gut platzierten Jump Scares wirkliche Spannung. Hier profitieren die Entwickler ganz klar von der Erfahrung vorheriger Titel. Eine deutsche Sprachausgabe gibt es derzeit nicht, hier muss man sich auf seine Englischkenntnisse verlassen. Zumindest deutsche Untertitel sind verfügbar, die sich wahlweise zuschalten lassen.

Wie bereits erwähnt gestaltet sich das Gameplay sehr simple, weshalb die Steuerung auch eher einfach und einsteigerfreundlich ausfällt. Einzig die Navigation durch das Inventarmenü harkt hin und wieder etwas. Während viele PC-Spieler im Review-Bereich von Steam über gravierende technische Probleme klagen, scheint die Konsolenversion davon weitestgehend verschont geblieben zu sein. In den rund vier Stunden Spielzeit kam es kaum zu Einbrüchen der Framerate, das Spiel stürzte nicht ab und auch schwerwiegende Bugs waren nicht zu erkennen. Technisch also kein Meisterwerk, aber durchaus ganz solide.

Pro & Kontra

thumbs-up-icon

Pro
  • Gute Spannung
  • Gutes Setting
  • Richtig platzierte Jump Scares
  • Bullet (der Hund)

thumbs-down-icon

Kontra
  • Teils langatmig
  • Chaotische Zeitsprünge
  • unnötige Sammelobjekte
  • nur durchschnittliche Grafikdetails
  • technische Probleme der PC-Version

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Spiel Bewertung
Singleplayer
71
71
-
Multiplayer

FAZIT

Blair Witch ist ein Spiel für Genre-Fans. An vielen Stellen inszenatorisch sehr spannend, für viele Spieler aber bestimmt nicht actionreich genug. In Sachen Tiefgang erreicht man Genrevertreter wie Outlast oder Layers of Fear leider nicht und die gut vierstündige Geschichte wirkt stellenweise etwas zu langatmig. Flashbacks und Sprünge in der Zeitlinie führen nicht selten zu Verwirrung, was den Handlungsverlauf etwas chaotisch wirken lässt. Dennoch ist Blair Witch ein durchaus gelungenes Abenteuer für einen längeren Abend. Besonders Tierfreunde werden sich über den ständigen Begleiter Bullet freuen. Aufgrund technischer Probleme der PC-Version raten wir aktuell zur Konsolenfassung. Außerdem gilt eine besondere Empfehlung für alle Xbox Game Pass Abonnenten.

- Von  Fabian

Xbox One
MS Windows

Blair Witch REVIEW

USK 18 PEGI 18

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