Beyond a Steel Sky REVIEW

Ganze 26 Jahre ist es her, seit Robert Foster in Beneath a Steel Sky Union City unsicher gemacht hat. Mit Beyond a Steel Sky, das nach einigen Wochen der Apple-Exklusivität nun auch bald bei Steam erscheint, wird das Cyberpunk-Abenteuer endlich fortgesetzt. Dahinter steckt niemand geringeres als Charles Cecil, der mit seinem Entwicklerstudio Revolution Software daran arbeitete und unter anderem bereits für den Vorgänger verantwortlich war. Die Grundbedingungen scheinen also durchaus zu stimmen, nun stellt sich nur noch die Frage, wie sich die Fortsetzung des Klassikers spielt. Die Antwort darauf lest ihr im folgenden Test.

Zurück nach Union City

Seit den Geschehnissen von Beneath a Steel Sky sind knapp zehn Jahre vergangen. Protagonist Robert Foster hat sich aus Union City zurückgezogen und versucht außerhalb der Stadt als „Gaplander“ im Ödland ein möglichst ruhiges Leben zu führen. Das klappt auch ganz gut, bis eines Tages Plünderer in einem riesigen Roboter auftauchen und Milo, einen ortsansässigen Jungen, entführen. Foster nimmt kurzerhand die Verfolgung auf, was ihn unweigerlich zurück in die Stadt führt. Seit seinem letzten Besuch hier, hat sich einiges getan. Im Vergleich zu damals wurde nicht nur vieles modernisiert, sondern mit dem Austausch des LINC-Netzwerkes gegen MINOS unterliegt die Stadt nun völliger Überwachung.

Beim Betreten von Union City läuft einem schon ein leichter Schauer über den Rücken und in Verbindung mit dem Begriff Cyberpunk muss man unweigerlich an den kommenden Blockbuster von CD Project Red denken. Da erwartet man finstere Hinterhöfe und kybernetisch verbesserte, zwielichtige Gestalten, die sich gegenseitig die Seele aus dem Leib prügeln. Beyond a Steel Sky geht aber einen komplett anderen Weg und orientiert sich eher an klassischen Adventures mit lustigem Humor und überspitzten Dialogen. Man sollte die Geschichte aber keineswegs als Kinderkram abstempeln, denn die ist neben den zahlreichen Lachern, die sie dem Spieler entlockt, gespickt mit Gesellschaftskritik und zahlreichen Seitenhieben zu unseren aktuellen „First World Problems“. So führen die Menschen in Union City ihr eintöniges, komplett überwachtes Leben und wollen von Entführungen oder gar dem Leben außerhalb der Stadtmauern gar nichts wissen.

Foster muss sich nun in dieser „neuen“ Welt zurechtfinden und als Spieler darf man ihn in guter, alter „Adventure“-Manier dabei begleiten. Besonders positiv fallen hier die humorvoll verrückten Dialoge und die sehr kreativen Rätsel auf. So soll Foster in einer Szene zum Beispiel eine Ehe vortäuschen, um nicht in ernsthafte Schwierigkeiten zu geraten und windet sich dabei gekonnt aus seiner misslichen Lage heraus. Während in Union City nahezu alles modernisiert wurde, findet man immer wieder Überbleibsel aus längst vergangenen Zeiten, was Spieler des Vorgängers freuen wird. Ich habe den Vorgänger nicht gespielt, konnte der Handlung ohne Probleme folgen. Wer den ersten Teil gespielt hat, bekommt sozusagen ein Sahnehäubchen als Krönung. Alle, die Beneath a Steel Sky noch nachholen wollen, können dies jederzeit tun. Der Titel ist nämlich kostenlos bei gog.com zu haben.

Old School Adventure mit Komfortfunktionen

Beyond a Steel Sky wirkt spielerisch wie ein verloren gegangenen Relikt, aus einer längst vergessenen Zeit. Während man als Spieler von modernen Adventures verwöhnt ist, die vollgepackt wurden mit Quicktime-Events und sich fast schon von selbst spielen, – wir blicken in die Richtung von Telltale – ist das neue Abenteuer von Charles Cecil etwas anders. Hier darf bei der Lösung von Aufgaben wirklich noch gerätselt werden. Kurz gesagt, Beyond fühlt sich an wie ein klassisches 3D-Adventure, das jemand vor über zehn Jahren im Garten vergraben und nun wiedergefunden hat. Ist das nun schlecht? Nein, ganz im Gegenteil! Die Aufgaben erfordern Denkarbeit und die Dialoge sind überspitzt schräg geschrieben.

Es mag absurd klingen, aber Beyond wirkt mit seinem Retro-Stil geradezu erfrischend. Es macht Spaß, wieder einmal ein Adventure zu sehen, bei dem man mehr machen muss, als ein Quicktime-Event nach dem anderen durchzuklicken. Neben den üblichen Mechaniken (Kombination diverser Items und richtiges Timing beim Auslösen von Aktionen) warten eine Vielzahl an abwechslungsreichen Schauplätzen und die eine oder andere Sidequest, die für einen Lacher gut ist.

Große Abwechslung bringt der sogenannte MINOS-Hacker mit sich. Dabei handelt es sich um ein Gerät, mit dem Foster alle möglichen Terminals und Roboter hacken kann, die mit dem MINOS-Netzwerk verbunden sind. Hierzu tauscht man einfach Anweisungsblöcke im Programmcode des jeweiligen Geräts aus und öffnet so diverse Türen oder löst diverse Aktivitäten. Außerdem lassen sich so besonders witzige Situationen auslösen. Etwa ein Nachrichtenbot, der nach dem Hack Passanten anpöbelt, statt die aktuellen Nachrichten zu verkünden.

Für treue Fans und Neuentdecker

Prinzipiell ist Beyond a Steel Sky genau die Fortsetzung, die Fans sich wünschen. Jede Menge Retro-Charm und ein dicker Batzen Fan-Service. Leider bricht der Titel auch mit jeglichen Vorstellungen von einem SciFi-Adventure im Jahre 2020. Er bietet weder ein Aufgaben-Log, noch ein einigermaßen flüssiges Spieltempo. Auch wenn man sich über das Hauptmenü Tipps einblenden lassen kann, beißt man sich immer wieder an kniffligen Aufgaben fest. Somit ist Beyond wirklich nur etwas für eingefleischte Adventure-Fans und ich meine damit nicht „Telltale Adventure“. Dies ist ein Abenteuer, auf das man sich einlassen muss und, für das man viel Geduld mitbringen muss.

Belohnt wird man mit dem Erfolgsgefühl geschaffter Rätsel und einer wirklich unterhaltsamen Geschichte. Neben all den hektischen Spielen fühlt man sich hier durch das gemächliche Spieltempo schon fast entspannt. Außerdem habe ich seit Langem nicht mehr so herzhaft bei einem Adventure amüsiert, wie bei diesem hier. Ohne an dieser Stelle zu viel verraten zu wollen, ist mir Fosters kleiner Begleiter Joey besonders ans Herz gewachsen. Nichtsdestotrotz wird es Beyond aufgrund seines speziellen Stils auf lange Sicht an Publikum fehlen. An den Erfolg des Vorgängers aus dem Jahre 1994 anzuknüpfen wird äußerst schwer. Glücklicherweise ist der Titel neben Steam auch bei Apple Arcade zu finden, wo man ihn im Rahmen eines monatlichen Abos „kostenlos“ spielen kann.

Technik

Kommen wir nun ohne Umwege zur größten Schwäche von Beyond a Steel Sky und das ist die Technik. Anfangen bei der Grafik. Zwar stammt die Comic-Optik aus der Feder von Dave Gibbons, der unter anderem auch für die Watchmen-Comics verantwortlich ist und der Stil ist wirklich großartig, aber es fehlt der Spielwelt einfach an Details. Die Charaktermodelle wirken teils kantig, matschig und die Umgebungsobjekte teils plump. Man hat das Gefühl, als hätte jemand die Modelle nach Jahren auf einer verschollenen Festplatte wiedergefunden und aus Zeitmangel einfach übernommen.

Dieses verwaschene Gefühl setzt sich auch beim Sound fort. Der Soundtrack und die Geräusche in der Spielwelt sind ganz solide, reißen aber auch niemanden vom Hocker. Auch die Vertonung der Dialoge wirkt teils oberflächlich, auch wenn die Skripte an sich sehr unterhaltsam geschrieben sind. Zumindest die Aussicht auf eine deutsche Vertonung wurde gegeben. Während die Originalvertonung auf Englisch ist, hat die aktuelle Pandemie der deutschen Tonspur einen Strich durch die Rechnung gemacht. Diese soll demnächst nachgereicht werden. Immerhin gibt es aber Untertitel in diversen Sprachen, die sich unkompliziert zuschalten lassen.

Neben der altbackenen Grafik und dem etwas eingeschlafenen Sound präsentiert sich die Performance aber ganz solide. Während des Tests sind keine Abstürze oder nennenswerte Einbrüche in der Framerate aufgefallen. Wie bug-frei das Adventure zum Steam-Release ist, lässt sich anhand der uns vorliegenden Vorabfassung nicht beurteilen. In der getesteten Version waren etwa einige Objekte nicht auswählbar und man konnte sich durch abbrechen mancher Dialoge zwischen Dialog und Hauptmenü fangen (Softlock). Insgesamt haben die Bugs aber den Fortschritt des Spiels nicht behindert.

Während die meisten Spieler Beyond a Steel Sky klassisch mit Maus & Tastatur spielen werden, ist es möglich, die PC-Version mit Controller zu spielen. Die Steuerung funktioniert in beiden Fällen einwandfrei, es empfiehlt sich aber eher Maus & Tastatur. Objekte in der Spielwelt lassen sich so besser auswählen und auch das Hacking funktioniert so flüssiger. Es ist aber zumindest schön zu sehen, dass auch an die überzeugten Konsoleros gedacht wurde. Einen Mehrspieler-Modus gibt es nicht, würde bei einem Adventure dieser Art auch wenig Sinn ergeben.

Pro & Kontra

thumbs-up-icon

Pro
  • klassisches Adventure
  • guter Humor
  • viele Referenzen auf Vorgänger
  • gute Story
  • knackige Rätsel

thumbs-down-icon

Kontra
  • Grafik wirkt veraltet
  • schwacher Soundtrack
  • langsames Spieltempo
  • retro-lastiges Gameplay
  • einige Bugs

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Spiel Bewertung
Singleplayer
78
78
Okay
-
Multiplayer

FAZIT

Beyond a Steel Sky wirkt wie eine Reise in eine Zeit, als Adventures noch Adventures waren. Ohne automatisiertes Gameplay, ohne Quicktime-Events, aber mit knackigen Rätseln und einer unterhaltsamen, humorvollen Geschichte. Gut, das Gameplay erscheint für den modernen Gamer ungewohnt und auch der grafische Detailgrad scheint aus einer anderen Zeitepoche zu stammen, aber dennoch hat das Adventure eine Menge Charme. Nichtsdestotrotz richtet sich die Fortsetzung des Klassikers von 1994 genau an dieses Publikum sowie an eingefleischte Adventure-Fans. Für aktuelle Ansprüche wirkt Beyond a Steel Sky etwas zu klobig und auch das Spieltempo ist sehr gemächlich. Ist dieses Adventure aber nun aufgrund seines etwas eigenwilligen Stils ein schlechtes Spiel? Nein, ganz im Gegenteil! Für mich war dieses klassische Adventure neben all diesen Action-Granaten eine willkommene und frische Abwechslung. Sogar den mittlerweile kostenlosen Vorgänger werde ich demnächst nachholen.

- Von  Fabian

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