A Plague Tale: Innocence REVIEW

Der Konflikt mit England, die daraus resultierenden innenpolitischen Machtkämpfe sowie kriegerische Auseinandersetzungen machten Frankreich im 14. Jahrhundert zu schwer schaffen. Zusätzlich überfiel die Pest den europäischen Kontinent und forderte innerhalb weniger Jahre geschätzte 25 Millionen Todesopfer, viele von ihnen auch in Frankreich. In eben diese dunkle Ära des Landes verortet das bisher vor allem durch Auftragsarbeiten mit Disney-Lizenzen (Wall-E, Up, Toy Story 3) in Erscheinung getretene Asobo Studio A Plague Tale: Innocence. Mit Publisher Focus Home Entertainment hat man jetzt aber offenbar den idealen Partner gefunden, um eine lange gehegte Vision in die Tat umzusetzen und inszeniert ein düsteres Abenteuer inmitten des europäischen Mittelalters.

Ratten, der schwarze Tod und die Inquisition

Von den Sorgen und Nöten ihrer Landsleute des Jahres 1348 bekommen Amicia und ihr kleiner Bruder nicht viel mit. Auch wenn Hugo seit seiner Geburt ein kränkliches Kind ist und von seiner Mutter überwiegend daheim gelassen wird, so wachsen die Geschwister als Kinder adeliger Eltern dennoch behütet auf. Dies ändert sich schlagartig, als die Inquisition auftaucht, die Eltern ermordet und Jagd auf die Geschwister macht. Aus einem nicht näher ersichtlichen Grund scheint der gerade einmal fünf Jahre alte Hugo für die Inquisition von großer Bedeutung zu sein, sodass diese alles daran setzt, um den Jungen in ihre Fänge zu kriegen. Auf ihrer Flucht werden Amicia und Hugo mit den Schrecken ihrer Zeit konfrontiert, denn nicht nur die Abgesandten der Kirche sorgen für Angst und Schrecken, auch macht sich der schwarze Tod allmählich im Land breit und verwandelt ganze Landstriche in von Tod und Verderben gepflasterte Orte.

Obwohl gegenwärtige Themen des 14. Jahrhunderts mal mehr, mal weniger stark in der Narration von A Plague Tale: Innocence mitschwingen, steht die Reise der Geschwister im Zentrum der Geschichte. Amicia, die gerade an der Schwelle vom Kind zur Erwachsenen steht, muss vom einen Tag auf den anderen Mutter, Vater und Schwester für Hugo werden, dieser wiederum sieht erstmals die Welt außerhalb des elterlichen Hofes und ist auf der einen Seite aufgeweckt, gleichzeitig nicht in der Lage die neuen Eindrücke, geschweige denn das Schicksal seiner Eltern zu verstehen. Im Laufe der Geschichte sammeln sich noch weitere Kinder um die Geschwister, spätestens mit ihrer Ankunft in einem runtergekommenen Château, welches fortan als Heimat für die sich auf der Flucht befindenden dient, wirkt A Plague Tale: Innocence fast schon wie ein interaktiver Abenteuerroman.

Dank der sowohl im französischen Original als auch in der deutschen Lokalisation fähigen Sprecher, überwiegend nachvollziehbaren Dialogen sowie einer Charakterzeichnung, die versteht, das die Protagonisten Kinder sind, werden früh narrative Stärken offenbart. Schwächen zeigt man hingegen bei der Dramaturgie. Der Einstieg und andere wichtige Momente sind übereilt abgehandelt und auch die Regie der Zwischensequenzen wirkt stellenweise unbeholfen. Dadurch hatte ich mitunter Schwierigkeiten mich in das Schicksal der Figuren vollends zu investieren, dennoch ist die Geschichte mit ihren Mysterien bis zum Schluss ein großer Antrieb.

Ratten! Hunderte! Tausende!

Obwohl man sich historischer Daten bedient, lassen sich die Entwickler einige Freiheiten in der Ausgestaltung. Dies gilt insbesondere für die Rattenschwärme, die technisch eindrucksvoll zu Hunderten gleichzeitig und in Echtzeit dargestellt werden und neben den Schergen der Inquisition die größte Gefahr für die Kinder darstellen. Die hungrigen Nager lassen sich zu allem Übel kaum bekämpfen, lediglich Feuer und Licht können sie in Schach halten. Entsprechend ist das Spieldesign vor allem um das Schleichen und lösen von simplen Umgebungsrätseln gestrickt. Alchemistischer Tricks sei Dank kann Amicia diverse Zusammensetzungen mischen und diese entweder per Hand werfen (leise, aber mit wenig Reichweite) oder mit einer Schleuder schießen (viel Reichweite, aber laut). So können etwa erloschene Fackeln und Feuerstellen neu entflammt werden, mit geschossenen Steinen lassen sich hingegen brüchige Ketten zerstören. Für brenzlige Situationen kann man gar eine Art Schlafpuder zum Betäuben von Soldaten und eine kleine Feuerbombe zum vernichten kleiner Rattenansammlungen herstellen. Die entsprechenden Materialien sind reichlich in der Spielwelt platziert, einen entsprechenden Mangel an Ressourcen hatte ich nie zu beklagen. Etwas schwieriger ist es hingegen die nötigen Materialien zum Aufwerten der Ausrüstung zu finden. Hat man genügend Leder, Stoff, Seil und andere Materialien gesammelt, kann man mit diesen an Werkbänken etwa größere Taschen für mehr Munition oder auch eine stärkere Steinschleuder bauen.

Wenig kämpfen, viel schleichen

Der überwiegende Verzicht auf Kämpfe ist gut, da die Steuerung für schnelle Reaktionen zu einen Tick zu schwammig ist und man schon mit zwei Gegnern auf einmal Probleme bekommt. Glücklicherweise zwingt das Spiel, außer an wenigen Stellen, direkte Konfrontationen nie auf, sodass man auch gegen menschliche Gegner am effektivsten im Schleichmodus agiert. Die Schleichmechanik ist souverän umgesetzt und bedient sich überwiegend der in dieser Art Spiel bekannten Möglichkeiten. In hohen Gräsern kann man sich vor den wachsamen Blicken von Soldaten verstecken, geworfene Töpfe dienen als Ablenkung, später kann man aus dem verborgenen gar Ratten auf die Feinde stürzen lassen, wenn man das denn will. Eine sonderlich große Herausforderung stellen die Inquisitoren aufgrund der mäßigen KI aber nicht dar, was ihnen schnell den Schrecken raubt, den sie eigentlich verbreiten sollten. Besser funktioniert hingegen die KI der Begleiter, allen voran von Hugo. Diesem kann man etwa zu verstehen geben, das er an einem bestimmten Punkt warten soll, bis man einen sicheren Weg geschaffen hat. Anderen Begleitern kann man hin und wieder kleine Befehle, wie etwa das Ablenken oder Ausschalten einer Wache geben. Auch wenn keine direkten Befehle erteilt, verhalten sich Hugo und Co. den jeweiligen Situationen entsprechend vernünftig.

Schönes, düsteres Mittelalter

Auch abseits der eindrucksvollen Fluten an Ratten ist A Plague Tale: Innocence ein stellenweise imposantes Spiel. Vor allem der in beinahe jedem der 16. Kapitel stattfindende Wechsel der Umgebung hat mich beeindruckt. Natürlich greifen die Entwickler häufig auf die gleichen Assets zurück, dennoch wirkt jeder Wald, jede Burg und jeder kleine Ort individuell. Mal marschiert man durch einen von goldenen Blättern gesäumten Wald, mal erklimmt man in Begleitung von Blitz, Donner und Regen einen Berg, nur um sich wenig später in einem mystisch wirkenden Château wiederzufinden, mal friert man förmlich beim Anblick eines von Pest und Krieg zerstörten Dorfes im tiefsten Winter. Vor allem ein Schlachtfeld, auf welchem hunderte französische und englische Soldaten ihr Leben gelassen haben, ist mir nachhaltig als besonders beklemmender Moment in Erinnerung geblieben, wobei auch die stimmungsvolle Musik aus der Feder von Olivier Deriviére (Vampyr, Get Even) ihren atmosphärischen Teil beiträgt.

Pro & Kontra

thumbs-up-icon

Pro
  • spannende Zusammenführung von Geschichte und Fiktion
  • gut ineinandergreifende Spielsysteme
  • audiovisuell ansprechend

thumbs-down-icon

Kontra
  • Geschichte zwar unterhaltsam, aber konnte mich emotional nicht packend
  • unbeholfene Regie

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Spiel Bewertung
Singleplayer
80
80
Okay
-
Multiplayer

FAZIT

Focus Home Entertainment hat sich in den vergangenen Jahren mit The Surge, den Sherlock Holmes Titeln und Vampyr mehr und mehr in meine Aufmerksamkeit gedrängt. Fehlenden Feinschliff und andere Unzulänglichkeiten machten die Genannten mit frischen Ideen, stimmiger Atmosphäre und einen Charme wett, den ich in Ermangelung einer anderen Bezeichnung als „speziell europäisch“ (im positiven Sinn) bezeichnen würde. All dies lässt sich jetzt A Plague Tale: Innocence auch auf übertragen. Entwickler Asobo Studio inszeniert ein beklemmendes Drama in einer der düsteren Epochen Frankreichs. Reale Geschichte und fiktionale Freiheiten werden zu einem stimmigen Gesamten geführt. Beklemmende Momente in der von Seuche, Krieg und Inquisition gebeutelten Spielwelt wechseln sich mit dem nachvollziehbaren, mal liebevollen, mal angespannten Verhältnis und den daraus ergebenden Szenen zwischen Amicia und Hugo ab. Zwar konnte mich das Schicksal der beiden nicht vollends packen, dennoch habe ich die Geschwister unglaublich gerne bis ans Ende ihrer Reise begleitet. Im Vergleich zu anderen Spielen unter Focus Home Entertainment, wirkt A Plague Tale: Innocence wesentlich polierter, auch wenn die einzelnen Spielsysteme noch etwas holprig sind. Nichtsdestotrotz ist der Trip ins mittelalterliche Frankreich ein Lichtblick für die europäische Spielelandschaft und ein weiterer Beleg für mich, das Focus Home Entertainment und die anhängenden Studios wesentlich mehr Aufmerksamkeit verdienen, als sie aktuell noch bekommen.

- Von  Adrian

Playstation 4
Xbox One
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USK 16 PEGI 18

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