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Vendetta – Curse of Raven’s Cry REVIEW

Ravens Cry lautete der ursprüngliche Name dieses Piraten-Spiels aus dem polnischen Hause Reality Pump (Two Worlds-Serie). Ursprünglich wurde es jedoch von einem anderen Entwickler namens Octane Games entwickelt, welche jedoch mit dem Projekt überfordert waren und die Zeitvorgaben nicht einhalten konnten. Deswegen delegierte der Publisher Topware Interactive das Projekt an Reality Pump, welche wohl unter erheblichen Zeitdruck arbeiten mussten. Dementsprechend entpuppte sich das am 30. Januar 2015 veröffentlichte Spiel als Bug-verseuchtes Debakel, welches obendrein einen feuchten Dreck auf Political Correctness gab. Somit verkam es recht bald zur Lachnummer von Fachpresse und gewissen Youtubern. Trash der Karibik, höhnte etwa die Gamestar und spendierte (wie alle anderen Tester auch) eine prägnante Niedrigstwertung.

Der Schaden war angerichtet, und trotzdem ließen die verantwortlichen Entwickler nicht locker und überarbeiteten das Spiel, um es ca. 10 Monate später, genauer gesagt am 20. November 2015 unter neuen Namen wiederzuveröffentlichen. Das Upgrade trägt den Namen Vendetta – Curse of Raven’s Cry und sah sich immer noch den selben Kritikpunkten ausgesetzt wie die Urversion.

Doch so leicht ließen sich die wackeren Polen von Reality Pump nicht unterkriegen. Sie haben nicht locker gelassen und neben anderen Projekten ca. 2 Jahre an einem Patch für Vendetta gearbeitet. Besagter Patch (Version 1.10) wurde dann, zusammen mit einem kräftigen Preisnachlass für das lächerlich überteuerte Spiel, am 09.11.2017 veröffentlicht, und ist auch der Grundpfeiler für dieses Review.

Eines vorweg: Ich habe die vorherigen Versionen nicht gespielt, ich gebe einen feuchten Dreck darauf, was „professionelle“ Tester von Gamestar und Co. von sich geben, ich bin definitiv kein Youtube-SJW und außerdem habe ich nach dem spaßigen Two Worlds II eine eher positive Meinung zu den Entwicklern von Reality Pump. Nun wo das alles geklärt ist, werfen wir doch mal einen näheren Blick auf das hartgesottene Piraten-Abenteuer von Reality Pump.

Ein Rabe für meine Rache

Man übernimmt die Rolle des verbitterten Piratenkapitäns Christopher Raven, welcher in seiner Kindheit miterleben musste, wie seine Familie vor seinen Augen massakriert wurde. Seine Mutter wurde vor ihrer Ermordung sogar vergewaltigt. Beim Versuch ihr zu helfen wurde Christopher verkrüppelt und zum verbluten zurückgelassen. Dank des Maroons Marcus (das sind ehemalige schwarze Sklaven) überlebte der Knabe die Tortur. Marcus übernahm die Mentoren-Rolle für Christopher und zog ihn auf. Außerdem steht ihm seit jenen verhängnisvollen Tag ein ebenso mysteriöser wie treuer Rabe zur Seite.

Ironischerweise sind ausgerechnet Piraten für Christophers Leiden verantwortlich. Neville Scranton und seine „Devil’s Tine“ waren damals die grausamsten und mächtigsten Seeräuber weit und breit. Sie erschütterten sogar andere Piraten mit ihrer zügellosen Vorgehensweise. Ihre Schreckensherrschaft endete erst, mit einem Erdbeben und darauffolgenden Tsunami, welche im Jahr 1692 die Hafenstadt Port Royal verwüsteten. Manche glauben, dass Neville zu den Todesopfern der Katastrophe gehörte, andere glaubten, dass er das Ereignis zum Anlass nahm sich aus der Karibik zurückzuziehen. Aber wie dem auch sei. Mit Nevilles Verschwinden entschwand auch Christophers Chance auf Rache. Und so verbrachte Raven seine künftigen Lebensjahre als kompetenter, wenn auch eher unbekannter Piratenkapitän.

Unfähig mit seiner Vergangenheit abzuschließen, kann man nicht unbedingt davon sprechen, dass ihn eben diese einholt, als er eines Tages auf hoher See ein führerloses Schiff vorfindet. Als er die Leiche des Kapitäns entdeckt, sitzt der Schock dennoch tief, denn der arme Tropf wurde auf dieselbe grausame Weise hingerichtet wie damals sein Vater. Damit steht für Christopher fest, dass Neville Scranton zurückgekehrt ist, um sich seine Vormachtstellung in der Karibik zurückzuholen. Doch das wird Christopher nicht zulassen, denn seine Rachegelüste sitzen abgrundtief. Dummerweise ist Scranton in der Zwischenzeit zur Grauen Eminenz mutiert und agiert nur noch aus dem Hintergrund. Dies zwingt Raven dazu sich dessen ehemalige Gefährten und Crewmitglieder vorzuknöpfen, die sich zwischenzeitlich über die gesamte Karibik verteilt haben. Das trifft sich aber ohnehin ganz gut, schließlich waren die Scheißkerle ebenfalls am Mord seiner Familie beteiligt.

Und so sticht Kapitän Raven wieder einmal in See, um endlich mit seiner Vergangenheit abschließen zu können. Nebenbei muss er freilich auch sein Leben als Piratenkapitän managen. Schließlich will so eine große Crew mit Proviant und Reales (die hiesige Geldwährung) versorgt werden.

Und wirklich viel mehr gibt es dazu eigentlich auch gar nicht zu sagen. Der Titelname „Vendetta“ ist Programm: Es handelt sich um eine recht schnörkellose Rachestory, welche hauptsächlich dadurch in die Länge gezogen wird, da der Oberschurke nur im Hintergrund agiert und somit schwer zu greifen ist. Dementsprechend wird man den fiesen Neville auch erst kurz vorm Schluss leibhaftig zu Gesicht bekommen. Alles was zwischendrin passiert ist da eigentlich nur glorifiziertes Geplänkel. Hier taucht mal der coole Piratenjäger auf, dort die Nonne, welche natürlich mit unserem Protagonisten in der Schiffskajüte landet, und zwischendrin wird auch etwas Mystik eingestreut, denn Christophers Rabe scheint mehr zu sein, als man denken mag.

Aber wie gesagt: Unterm Strich ist das alles nur Geplänkel, um die Handlung in die Länge zu ziehen. Stellenweise ist dieses Geplänkel sogar echt störend. Das letzte der vier Kapitel wird nämlich wirklich endlos in die Länge gezogen, da Christopher in diesem zum Laufburschen für den schleimigen Plantagenbesitzer Avery verkommt. Dieser fordert so viele Aufträge ein, dass man sogar das angenehme Gefühl verliert, dass man hier ja eigentlich einen freischaffenden Piratenkapitän spielt. Andere Nebenhandlungsstränge werden hingegen gar nicht vernünftig abgewickelt. So wird eine etwas komplexere Nebenhandlung mit der Nonne Charlotte angedeutet, aber im Endeffekt passiert da nichts mehr, nachdem sie Christophers Schiff verlässt. Ein weiteres Ärgernis ist der irreführende Untertitel „Curse of Ravens Cry.“ Christophers treuer Rabe symbolisiert nämlich keinen Fluch, sondern das genaue Gegenteil. Ich meine, es wird wohl nicht zu viel verlangt sein, dass der Untertitel Sinn ergibt, oder nicht? Aber als reine Rachestory leistet Vendetta durchaus einen soliden Job.

Aber bevor wir zum Gameplay-Bereich kommen, möchte ich noch kurz erklären, warum sich einige Tester und Youtube-Heinis dermaßen über das Spiel echauffieren. Man findet sich in der Rolle eines hartgesottenen Piratenkapitäns Ende des 17ten bzw. Anfang des 18ten Jahrhundert wieder. Es handelt sich freilich um eine raue Männerwelt. Hier gehören derbe Sprüche zum Alltag, möchte man meinen. Sprüche, die eben oftmals auf „Schwuchteln“ oder „Schlampen“ abzielen. Darüber hinaus gibt es noch weitere vulgäre Dinge, wie NPCs die in der Gegend herumpissen oder eine Ziege mit Reizwäsche im Bordell. Wenn ihr also SJW-Heulsusen seid, die sich an derartigen Dingen stören, dann solltet ihr Vendetta besser meiden. Darüber hinaus solltet ihr Gott (oder wen oder was auch immer) dafür danken, dass ihr nicht in der damaligen Zeitperiode gelebt habt. Ich glaube nicht, dass euch das gefallen hätte. Denn in der Realität, war die Karibik zu dieser Zeit sogar bestimmt noch wesentlich schlimmer, als es dieses Spiel darzustellen versucht. Und da Vendetta ohnehin erst ab 18 Jahre freigegeben ist, wundere ich mich sowieso, was das ganze Gepienze einiger Leute soll.

Two Worlds mit Piraten?

Vor Spielbeginn darf man zunächst einmal aus den zwei Schwierigkeitsgraden Leicht und Normal wählen. Ich empfehle übrigens den höheren Grad, da das Spiel selbst dort noch ziemlich einfach ausfällt.
Vendetta ist in zwei verschiedene Gameplay-Bereiche untergliedert. Da hätten wir zum einen die Landpassagen, welche relativ stark an Two Worlds II (TWII) erinnern, und dann die Seeschlachten per Segelschiff, samt Enterungen. Letztere dienen freilich dazu fette Beute zu machen und über ein rudimentäres Handelssystem zu verkaufen. Doch dazu später mehr, denn zunächst möchte ich auf die altbewährten Landpassagen eingehen.
Man steuert Christopher in Third-Person-Ansicht durch die Umgebung und kann auf Knopfdruck den Säbel ziehen, die Pistole zücken oder in den Schleichmodus wechseln. Letztere Option ermöglicht freilich Stealth-Kills per Hakenhand oder Wurfmesser. Eine Anzeige über den Köpfen der Gegner zeigt an, ob man bereits Aufmerksamkeit erregt hat oder sogar gesichtet wurde. Wirklich gut funktionieren die Stealth-Mechaniken nicht, aber sie sind solide genug, um den ein oder anderen Gegner im Vorfeld zum eigentlichen Kampf abzumurksen.
Die allgemeine Steuerung bereitet dabei keine Probleme und vor allem Leute die mit TWII vertraut sind, sollten ohnehin leicht hineinfinden.

Auch das Nahkampfsystem ist relativ simpel und bietet ein paar Spezialangriffe, sowie einen Kontermove, der nach einem gut getimten Block-Manöver ausgeführt werden kann. Beherrscht man diesen, kann man selbst stärkste Gegner bezwingen. Die Spezialangriffe sind sogar noch effektiver, erfordern jedoch entweder einen mühseligen Energieaufbau via verursachtem Schaden, oder arbeiten mit Cooldowns. Grobmotoriker können auch auf die durchschlagskräftigen Pistolen zurückgreifen, welche Gegner oftmals schon nach eins, zwei Treffern beseitigen. Dummerweise darf man nur einmal schießen, bevor wieder mit erheblichen Zeitaufwand nachgeladen werden muss. Zum Ausgleich kann Christopher jedoch drei geladene Pistolen auf einmal mit sich führen.
Hat man die entsprechenden Skills freigeschaltet, darf man sogar Christophers Raben zu Hilfe rufen, der Gegner im Stealth-Modus kurzfristig ablenken, im Kampf verwirren oder sogar NPCs bestehlen kann. Die meisten NPCs sind übrigens nur Statisten. Konversationen kann man ausschließlich mit Auftrags-relevanten Charakteren oder Händlern betreiben. Letztere untergliedern sich in Waffenhändler, Kräuterhändler, Frachthändler, Zimmermänner für Schiffsreparaturen oder sogar Schiffsverkäufer.

Der Sinn der Landausflüge liegt freilich darin, sich Aufträge zuzulegen und diese anschließend zu erfüllen, um Erfahrungspunkte für neue Skillpunkte, Geld (wird hier Reales genannt) und eventuell auch neue Ausrüstungsstücke zu verdienen. Vielleicht wird auch mal ein neues Offiziers-Crewmitglied gewonnen oder es geht eben darum die Handlung voranzutreiben. Die Aufträge gehen übrigens selten über „Geh dahin, leg den um, versenke die Schiffe A, B, und C, metzel dich durch die Kannibalen-Insel, um deren Schatz zu stehlen und bring mir das da“ hinaus. Das absolute Highlight im Spiel war übrigens eine alte, mit Fallen bestückte Ruine, welche jedoch ein absoluter Einzelfall im Spielverlauf darstellte – schade.

Das durch die Aufträge verdiente Geld geht übrigens hauptsächlich für den Segelbedarf drauf. Neue, bessere Schiffe sind teuer und müssen obendrein auch noch aufgerüstet werden. Die Crew will Bezahlung und nach jeder Seeschlacht steht eine kostspielige Reparatur an. Findige Spieler erkunden die zahlreichen Inseln der Karibik auf eigene Faust, um optionale Kisten zu plündern, Pflanzen zu sammeln oder Tiere zu jagen. Letztere hinterlassen Körperteile, die zum brauen von Heil- und Buff-Tränken verwendet werden können. Dazu dienen freilich auch die Pflanzen und Früchte die man immer wieder aufklauben darf. Eine ganz so große Relevanz wie in den Two Worlds-Spielen, hat die Erstellung eigener Tränke jedoch nicht mehr. Man kann nur Tränke brauen von denen sich bereits ein Exemplar in Besitz befindet, außerdem benötigt man hierfür Spirituosen, die man nur von Kräuterhändlern erwerben kann.

Die Wildnis-Gebiete der Inseln sind leider oftmals durch unsichtbare Wände eingeschränkt, die noch nicht mal auf den Karten markiert sind. Auch sollte man keine allzu großen Entdeckungen erwarten. Eine einsame Holzkiste oder ein fieses Krokodil, welches immerhin 300 Erfahrungspunkte einbringt, sind da schon das höchste der Gefühle. Kämpfe gegen wilde Tiere sind übrigens echt lästig, da deren Hitboxen im Nahkampf relativ schwer zu treffen sind. Daher entpuppen sich Kämpfe gegen Viecher wie Tapire, Jaguare oder Wildschweine oftmals als waschechter Krampf. Ein für mich unerklärlicher Mangel, schließlich hat das ja in TWII noch sehr gut funktioniert. Jedoch sollte man solche Mühen nicht scheuen, schließlich will man ja die Extra-Erfahrungspunkte für das nächste Level-Up zusammengrinden. Pro Level-Up gibt es dann 2 Skillpunkte, die man dann frei verteilen kann. Besagte Skills umfassen hauptsächliche passive Boni, wie höhere Verteidigungskräfte, höherer Schaden mit Kanonenschüssen, größere Leistung bei Enterungen und natürlich auch neue Kampfskills, die dann auch verbessert werden dürfen. Jeder Skill lässt sich nach dessen Freischaltung noch zwei mal aufwerten. Fleißige Spieler können jeden Skill aufs Maximum aufleveln, bevor sie mit dem Spiel fertig werden. Man braucht sich also nicht allzu viele Gedanken bei der Auswahl zu machen. Die Komplexität eines richtigen RPGs wie TWII, welches mehrere Charakterklassen bietet, existiert in Vendetta nämlich nicht. Dennoch stellen die Skills eine nette Hilfe dar.

Wirklich ärgerlich ist übrigens der zähe Einstieg ins Spiel. Zu Spielbeginn wird Christopher von einem fiesen Spanier gelinkt, weswegen er Schiff und Crew verliert und sich wieder mühevoll hocharbeiten muss. Mit einer schwächlichen Schaluppe erreicht man auf hoher See aber nicht viel, also muss man sich dass notwendige Kleingeld für ein besseres Schiff wie die Galeone oder Fregatte mühevoll zusammengrinden. Hierfür sollte man am besten an einem Würfel-Minispiel teilnehmen, bei dem man mit maximalen Einsatz einen Gewinn von 1000 Reales machen kann. Da das Würfelspiel auf Glück basiert, sind freilich nervige Speicher- und Ladeorgien zu erwarten. Hat man jedoch erst einmal die schwächliche Schaluppe gegen ein brauchbares Schiff ausgetauscht, geht es endlich richtig los mit der Piraterie und die lukrativen Kaperfahrten dürfen beginnen!

Aye, aye Käpt’n!

Legt man mit seinem Schiff ab, wird die Weltkarte der Karibik aufgerufen, und man darf sein Reiseziel anwählen, welches jedoch auf der Karte markiert sein muss. Einen x-beliebigen Zielpunkt auf der Karte darf man nämlich nicht anwählen. Netterweise wird die Route sogar vorberechnet und man erfährt somit, wie viel Proviant man benötigt und wie viel Heuer man an seine Crew abdrücken muss. Freilich kann man auch mit ungenügend Proviant und Reales in See stechen, allerdings schadet dies der Moral der Crew. Was passiert, wenn die Moral in den Keller rutscht, kann ich euch jedoch nicht verraten, da ich es nie habe soweit kommen lassen. Tatsächlich ist meine Moral nie unter 80 % gerutscht. Wer auf Proviant und Heuer achtet, braucht sich also keine Sorgen zu machen. Die Kosten für diese beiden Dinge sind übrigens absolut erschwinglich, also keine Bange.

Bestandteil einiger Aufträge ist freilich das versenken und/oder entern anderer Schiffe. Außerdem wird man unterwegs auch mal in Zufalls-Seeschlachten verwickelt, die man aber auch häufig ablehnen darf. Ablehnen sollte man aber nur im Notfall, denn das große Geld wird in Vendetta via Enterungen verdient. Aber auch fürs Versenken gibt es ein wenig Erfahrungspunkte und Trostbeute.

In einer Seeschlacht übernimmt man die direkte Steuerung über das schwerfällige Schiff und muss dieses selbstständig in Position lenken, sowie die Kanonenbatterien auf Knopfdruck abfeuern. Der Schusswinkel der Kanonen, sowie die Art der Munition muss ebenfalls eingestellt werden. Es gibt drei Munitionsarten, welche priorisierten Schaden anrichten. Die Segelschiffe verfügen nämlich über drei verschiedene Heilbalken. Einen für die Schiffshülle, einen für die Segel und einen für die Crew. Sinkt die Hülle oder die Crew auf Null, heißt es übrigens Game Over. Die Segel hingegen sind zwar nicht überlebenswichtig, beeinflussen jedoch die Manövrierbarkeit des Schiffes. Reguläre Kanonenkugeln richten hohen Schaden bei der Schiffshülle an, Kettenmunition ist wirkungsvoll gegen die Segel und Schrotmunition dient zur Dezimierung der feindlichen Crew. Und ja, Kanonen-Munition kostet natürlich auch Geld, ist aber dafür sogar noch erschwinglicher als Proviant.

Lautet der Auftrag also ein bestimmtes Schiff zu entern, wäre es zum Beispiel klug zuerst einmal dessen Segel mit Kettenmunition zu zerfetzen, um dieses an der Flucht zu hindern. Anschließend zerstört man die übrigen feindlichen Schiffe mit regulären Kanonenkugeln, denn man darf ein Schiff erst entern, wenn alle anderen feindlichen Schiffe versenkt wurden. Jetzt empfiehlt es sich die feindliche Crew des übrig gebliebenen Schiffes mit Schrotmunition zu zermürben. Anschließend versucht man das feindliche Schiff möglichst gleichmäßig von der Seite anzusteuern, damit die Nachricht mit der Entererlaubnis aufploppt. Per Tastendruck wird nun die Erfolgswahrscheinlichkeit der Enterung berechnet. Sollte die Berechnung nicht über einen sehr hohen Prozentwert verfügen, erfolgt nun der Enterungs-Kampfscreen. Dieser entpuppt sich als eine Art primitiver Menü-Rundenkampf, in denen ein paar rudimentäre Kommandos zur Verfügung stehen, deren Effektivität von den jeweiligen Crews der beiden Schiffe abhängen. Der Enterungs-Kampf ist eine überraschend öde Angelegenheit, welche im krassen Gegensatz zum vorherigen, actionreichen Seekampf steht. Glücklicherweise wird dieser auch mal übersprungen, wenn die Erfolgswahrscheinlichkeit der Enterung sehr hoch ausfällt.

Ist die Enterung geglückt, darf man das feindliche Schiff endlich plündern. Da der Laderaum des eigenen Schiffes oftmals arg begrenzt ist, muss man sich häufig entscheiden, was genau vom feindlichen Schiff mitgenommen werden soll. Kanonenkugeln, Proviant oder nicht doch lieber die wertvolle Handelsware? Grundlegende Kenntnisse über Letztere ist das A und O, um in der Karibik reich zu werden. Waren wie Rum oder Zucker bringen nicht wirklich viel Geld ein. Seide, Ebenholz und Cannabis erzielen dafür hohe Preise und sollten immer priorisiert werden. Freilich hat jeder Hafen eigene Vorlieben und Bedürfnisse bezüglich Handelsware. Man kann die Ware sogar direkt in den Häfen erwerben, um sie in anderen Häfen teurer weiterzuverkaufen. Aber das wäre viel zu umständlich, zeitaufwändig und unnötig. Lernt lieber vernünftig zu entern, so wie es sich für Piraten gehört.
Vergesst aber nicht, euren Kahn nach einem Gefecht im nächsten Hafen reparieren zu lassen. Das ist zwar teuer, aber unumgänglich, um zu überleben. Um die Leistung im Seegefecht zu verbessern, kann man spezifische Offiziere anheuern (entweder bei bestimmten Nebenaufträgen oder durch Barmänner in Tavernen), sein Schiff für viel Geld aufrüsten lassen, einen besseren Schiffstypen kaufen oder entsprechende Skills erlernen.

Ein weiterer Aspekt bei den Seegefechten und den Verkauf von Handelswaren ist dann noch der Ruf bei den unterschiedlichen Fraktionen. Es gibt fünf Fraktionen: Piraten, Geldeintreiber, Engländer, Franzosen und Spanier. Wirklich relevant sind aber nur die letzteren Drei. Bei den Piraten wird man ohnehin automatisch einen guten Ruf erlangen wenn man erfolgreiche Seegefechte ausführt. Die Geldeintreiber-Fraktion ist sogar eine reine Karteileiche. Der Ruf bei den drei Nationen beeinflusst hingegen die Ankauf- und Verkaufspreise der Handelswaren. Außerdem kann es freilich passieren, dass man von einer Nation auf hoher See gejagt werden wird, wenn man es sich mit ihr verscherzt. Aber das sind nur Mutmaßungen meinerseits, da ich es auch hier nie so weit habe kommen lassen. Der Ruf wird freilich durch feindliche Aktionen beeinträchtigt. Versenkt man französische Schiffe, sinkt die Reputation bei den Franzosen. Dafür steigt jedoch die Reputation bei den Engländern und Spaniern.

Man bekommt sogar die Wahl sich offiziell mit einer der drei relevanten Fraktion zu verbünden, was dann auch eine entsprechende Questreihe freischaltet. Die anderen beiden Fraktions-Questreihen werden dann allerdings gesperrt.

Das alles mag sich jetzt ganz spannend anhören, und das ist es die ersten Spielstunden ja auch. Allerdings wiederholt sich der allgemeine Ablauf der Seegefechte recht bald und mit der Zeit wird das freilich reichlich eintönig. Innerhalb der Spielzeit von ungefähr 40 Stunden (bei relativ gründlichem Spielstil) können leider weder die Landpassagen in TWII-Manier, noch die Seegefechte vollauf bei Laune halten. Trotz zweier verschiedener Spielstile mangelt es beiden Gameplay-Varianten einfach an Abwechslung und Raffinesse, um vollauf begeistern zu können. Spaß macht es freilich trotzdem, aber eben nicht so viel wie ein Two Worlds II, welches obendrein völlig ohne Seegefechte auskommen musste.

Grafik, Sound und Sonstiges

In grafischer Hinsicht sieht Vendetta wie eine aufgehübschte Version von Two Worlds II aus. Das geht sogar so weit, dass ganze Charakter- und Tiermodelle 1 zu 1 aus TWII übernommen wurden (und vermutlich sogar mehr als das). Wer also die Grafik von TWII mochte und keine allzu großen Abneigungen gegen Déjàvu hat, wird auch hier wieder gut bedient. Das Problem ist freilich, dass TWII zur Erstveröffentlichung von Ravens Cry auch schon 4-5 Jahre auf dem Buckel hatte. Wer also zu denjenigen gehört, die grundsätzlich nur Titel mit den aktuellsten Grafikengines spielen, sollte sich besser anderweitig umgucken. Denn aktuell war die Grafik von Vendetta selbst vor zwei Jahren nicht mehr. Veraltet bedeutet jedoch nicht, dass die Grafik schlecht aussieht, ganz im Gegenteil. Die karibischen Inseln mit ihren tropischen Dschungeln und Sandstränden, sowie die Seegefechte mit ihren schaukelnden Segelschiffen und wuchtigen Kanonenschüssen werden visuell sehr ansprechend präsentiert.
Als Verbesserungswürdig würde ich hingegen die Animationen beschreiben, welche mittlerweile doch schon etwas arg ungelenk und hölzern anmuten. Aber dafür gibt es nette Wettereffekte, welche das unberechenbare Wetter der Karibik gut darstellen. Doch im Endeffekt läuft es freilich darauf hinaus, ob man sich denn auch mit einer leicht angestaubten 3D-Grafikengine zufrieden geben kann oder nicht. Ich selbst finde Spiele wie TWII oder eben Vendetta auch heute noch optisch ansprechend und habe daher nicht wirklich was zu kritisieren. Das auf Dauer eintönige Setting kann man dem Spiel schließlich schlecht vorwerfen.

Am Soundtrack gibt es hingegen wenig zu meckern. Die Tracks unterstützen das Geschehen und die Szenarien sehr gut, lassen es jedoch an Ohrwürmern mangeln. Das ist aber nicht so tragisch. Witzigerweise werden in den Tavernen und von Straßenmusikanten auch immer wieder klassische Seemannslieder zum Besten gegeben, deren Texte beim genauen hinhören jedoch ordentlich pervertiert wurden. Man ging sogar so weit den Schlagersänger Roberto Blanko für eines dieser Liedchen einzuspannen, was auch eine gute Überleitung zur deutschen Synchronisation ist. Diese fällt nämlich gewohnt hochwertig aus und glänzt mit bekannten Stimmen aus der Film- und TV-Branche. Das sorgt dann auch dafür, dass die Gossensprache, an der sich so viele stören, sehr natürlich und homogen wirkt. Lediglich die derben Sprüche bei den Seeschlachten wiederholen sich zu oft und nerven entsprechend. Dieser Umstand wird durch die gute Soundkulisse mit Kanonendonner, zerberstenden Holz und Kampfgebrüll jedoch wieder ausgeglichen.

Unglücklicherweise leidet das Spiel trotz aller Bemühungen immer noch unter einigen Bugs. So stürzte das Spiel bereits kurz nach dem Start aufgrund eines Steam-Overlay-Fehlers ab, was dann aber vom Steam-Programm automatisch behoben wurde und beim darauffolgenden Programmstart nicht mehr auftrat. Wesentlich störender ist da schon der Freeze-Bug, welcher manchmal auftritt, wenn man ein Gebäude wieder verlassen möchte. Dann kann es nämlich passieren, dass sämtliche Spielcharaktere erstarren und sich nicht mehr bewegen können – Christopher eingeschlossen, versteht sich. Hier hilft es oftmals, wenn man das Gebäude über einen anderen Ausgang verlässt, oder einfach wartet, bis der Freeze abgeklungen ist. Abgesehen davon sind mir jedoch keine entscheidenden Bugs untergekommen. Kleinkram wie z.B. ein bestimmter Pistolen-Typ, der im Inventar nur mit einem großen Fragezeichen statt eines Bildes der Waffe gekennzeichnet wird, fällt für mich nicht stark genug ins Gewicht.

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Multiplayer

FAZIT

Vendetta – Curse of Raven's Cry ist eine nette Verschmelzung aus einem Action-RPG im Stil von Two Worlds II, sowie einer Piraten-Simulation mit Echtzeit-Seegefechten und einem eher rudimentären Handelssystem. Freilich wird bei so einem Mischmasch die Komplexität reinrassiger Genrevertreter bei weitem nicht erreicht, aber Spaß macht es trotzdem und die Motivation des Spielers wird auch recht lange aufrecht erhalten. Vendetta pfeift dabei auf Political Correctness und präsentiert das Piraten-Setting der Karibik im angemessen rauen Ton. Damit kommt scheinbar nicht jeder zurecht, ansonsten kann ich mir das Gejammere vieler Spezies jedenfalls nicht erklären. Wer also verträumte Piraten-Romantik á la Fluch der Karibik oder One Piece sucht, liegt bei diesem Spiel meilenweit daneben. Curse of Raven's Cry richtet sich ausschließlich an volljährige Spieler. Die tatsächlichen Mängel sind hingegen der immer noch zu hoch angesetzte Preis, eine Grafikengine, die sich seit Two Worlds II nicht übermäßig weiterentwickelt hat und entsprechend angestaubt wirkt, und ein paar Bugs die noch herausgefiltert werden müssten. Ein totales Bug-Debakel wie es die vorherigen Versionen gewesen sein mögen, ist jedoch glücklicherweise nicht mehr vorhanden. Trotz seiner holprigen Vergangenheit, ist das Spiel nun also allemal einen Blick wert.

- By  Volker

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Vendetta – Curse of Raven's Cry REVIEW

USK 18 PEGI 18

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