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Under a Killing Moon REVIEW

Mit dem im vierten Quartal 1994 veröffentlichten Under a Killing Moon, (kurz: UaKM) hatte es Access Software endlich geschafft ihrem Privatdetektiv aus dem post-nuklearen San Francisco zum Durchbruch zu verhelfen. Der dritte Teil der Tex Murphy-Reihe wurde sehr positiv aufgenommen und wird bis heute als eines der wenigen wirklich guten FMV-Spiele anerkannt (selbiges gilt auch für die Fortsetzungen). Die große Frage lautet nun, ob dieses Spiel den Zahn der Zeit gut überstanden hat oder nicht? Beim Vorgänger Martian Memorandum war dies ja nicht unbedingt der Fall. Wer Probleme hat das gute Stück auf moderneren Betriebssystemen zum laufen zu bekommen, kann auch hier wieder auf GoG zurückgreifen. Jene digitale Version ist es auch, welche diesem Bericht zugrunde liegt. Damit entfallen für mich auch lästige CD-Wechsel.^^ Alles weitere erfahrt ihr im folgenden Review.

 

Tex wurde auserkoren die Welt zu retten – wieder einmal

Böse Mächte bedrohen die Erde. Niemand geringeres als der „Große Privatdetektiv im Himmel (Gott)“ muss angenervt feststellen, dass Tex Murphy dazu bestimmt ist die Sache wieder ins Lot zu rücken. Wohl wissend das Murphy jede Menge Unterstützung benötigen wird, um die Schurken zu stoppen, taucht Gott fortan immer im Game Over-Screen auf um Murphy zu schelten, bevor ein alter Spielstand geladen werden kann. Dies nur mal zur Verdeutlichung, dass sich das Spiel,, trotz ernsthafter Handlungselemente, selbst nicht zu ernst nimmt.^^
Nachdem das Introfilmchen mit einem alten TV-Bericht zum zweiten Weltkrieg fortgeführt wird, kann man sich sofort denken, dass sich die Handlung mal wieder um eine fanatische, rechtsradikale Gruppierung dreht, die unseren durch radioaktive Strahlung mutierten Mitmenschen ans Leder will. Dieses Storyschema kennen wir ja schon aus Mean Streets. Die Methode um das Ziel „Mutantenfreie Erde“ zu erreichen ist aber selbst für Fanatiker äußerst radikal, doch alles weitere findet ihr mal schön selbst raus. Bevor unser trotteliger, heruntergekommener Privatschnüffler jedoch unfreiwillig in die Sache hineingezogen wird und mit der Weltenrettung beginnen kann, muss er erst einmal aus seiner depressiven Phase herausfinden. Under a Killing Moon spielt im Dezember des Jahres 2042, also mehr als drei Jahre nach den Ereignissen aus Martian Memorandum. Nach der Scheidung von seiner Exfrau Sylvia Linsky geht’s Tex Murphy dreckiger denn je: Er hat seine Arbeit als Detektiv hingeschmissen, trinkt und sammelt fleißig Schulden an. Der unerwartete Besuch seines alten Mentors Colonel Dobbs reißt Tex jedoch aus seiner Lethargie und motiviert ihn dazu dem Colonel und vor allem sich selbst zu beweisen, dass er es doch noch drauf hat! Da trifft es sich doch gut, dass vor kurzem im benachbarten Pfandleihhaus eingebrochen wurde …

Während mich die Story an sich nicht vollauf überzeugen konnte, da sie mir zu sehr die Luft von Mean Streets atmet, wussten Humor und Charaktere um so mehr zu begeistern! Hauptcharakter Tex Murphy ist zwar auch schon in den Vorgängern ins ein oder andere Fettnäpfchen getreten, aber zum richtigen Trottel ist er erst in UaKM geworden. Schon im Intro bekleckert er sich nicht gerade mit Ruhm, als er vor den Augen seines Mentors mitsamt seines Bürostuhls hinplumpst. Wenig später schmeißt er aus versehen sein Schießeisen aus dem Fenster, wenn der arglose Spieler dieses aufsammeln will. Dümmliche Aktionen wie diese sind es, die diesem Charakter zu seinem Charme verhelfen. Darüber hinaus gibt Tex zu allem und jeden auch gerne seinen Senf in Form von Monologen wieder. Diese sind im Stil typischen Privatdetektiv-Geschwafels gehalten, entblößen dabei aber meistens knochentrockenen Humor. UaKM setzt auch den Grundstein für Tex‘ Nachbarschaft, die in den Fortsetzungen immer wieder aufgegriffen wird. Erstmals kann man durch die Straßen der Chandler Avenue spazieren und deren Bewohner kennenlernen. Man erhält dadurch endlich einen Einblick in Tex` Heimat und Privatleben. Es gibt auch ein paar Charaktere aus den Vorgängern die wieder auftauchen. Sylvia wurde ja schon angesprochen und auch der grummelige Detective Malden aus Martian Memorandum hat wieder seinen Auftritt. Die Tex Murphy-Spiele werden dadurch zu einem großen Ganzen verwoben, womit sich die Spielwelt wie ein einheitliches Universum anfühlt, welches stets erweitert und ausgebaut wird.

 

Zwischen FMV-Sequenzen und 3D-Arealen

Ja, die große Besonderheit von UaKM ist der Einsatz einer richtigen 3D-Welt in derer man die typischen Adventure-Aufgaben erfüllt. Normalerweise ist man es ja gewohnt in 2D-Bildern nach Items und Hinweisen zu suchen, nicht jedoch im diesem Spiel. Während die Zwischensequenzen und Dialoge mit NPC’s im typischen FMV-Stil gehalten werden (also Szenen in denen reale Schauspieler aufgenommen wurden, um dann in die Computererstellten Hintergründe eingebaut zu werden), erforscht man die eigentlichen Ingame-Gebiete in 3D-Echtzeit aus der Egoperspektive. Leider entblößt sich hierbei auch sofort der größte Kritikpunkt: Die Fortbewegung von Tex erfolgt nämlich ausschließlich über die Mausbewegungen und glaubt mir, der Begriff „schwammige Steuerung“ wurde scheinbar direkt für dieses Spiel erfunden. Diese Umschreibung trifft das Gefühl der Fortbewegung jedenfalls perfekt, wobei natürlich auch hier die Eingewöhnungsphase über kurz oder lang vorüber ist. Mit Hilfe der Pfeiltasten hoch und runter darf man auch nach oben und unten gucken, während Strg und die linke Hochstelltaste Tex‘ Körperhaltung oder besser gesagt die Blickhöhe der Ego-Kamera regulieren, damit man z. B. bequemer unter einem Schreibtisch oder auf eine Schrankdecke gucken kann. Es wurden sogar Hotkeys eingebaut, mit denen vorgefertigte Blickrichtungen eingesetzt werden können.

Per Druck auf die Leertaste wird zwischen der freien Fortbewegung und dem übergroßen Head Up Display hin- und hergewechselt. Im HUD-Modus verweilt die Spielfigur samt Blickfeld an Ort und Stelle und ihr könnt euch per Mauscursor ans Adventure-Werk machen. Sprich: die Hotspots der Spielumgebung untersuchen bzw. bearbeiten, Items aufsammeln, NPC’s ansprechen etc. Eingesammelte Items werden im HUD-Menü schriftlich aufgelistet und können näher begutachtet, untereinander kombiniert oder natürlich an den Hotspots der Spielwelt verwendet werden. Und lasst euch dabei nicht zu sehr von der im HUD dargestellten Aktionsleiste verwirren. Die Point & Click-Mechanik wurde in Teil 3 stark modernisiert, die möglichen Aktionen dieser Leiste werden für jeden Hotspot automatisch aktiviert und angewählt. Der Trial & Error-Faktor des Aktionsleisten-Systems wird dadurch beseitigt, diese Leiste ist in UaKM eigentlich nur noch in visueller Form präsent. Und falls doch mal mehrere Aktionen möglich sind, könnt ihr diese bequem mit der rechten Maustaste durchschalten.

Der Schwierigkeitsgrad in UaKM ist eigentlich keine große Sache, die recht einfachen Inventar- und Hotspoträtsel sind allesamt logisch nachvollziehbar und die lästigen Trial & Error-(Dialog)rätsel sind zwar nach wie vor vorhanden, wurden jedoch dermaßen entschlackt, dass sie nicht mehr wirklich arg stören. Als nervig empfand ich da eigentlich nur das Dialogrätsel mit dem Verkäufer des Elektronikladens, das Kugelspiel sowie das Kontrollpult-Rätsel kurz vor Schluss – wobei mich letzteres noch nicht mal wirklich genervt hat, da man sich auch ein paar Fehler erlauben darf bevor man scheitert und neu laden muss. Etwas zu pfriemelig sind die Schnipsel-Puzzle, wo man eine zerrissene bzw. zerschredderte Notiz zusammensetzen soll. Die hierbei erforderte Präzision hätte nicht sein müssen und stört nur den Spielfluss. Auch der Pseudo-Stealth-Abschnitt mit der Sicherheitsdrohne zerrt am Geduldsfaden. Das größte Manko ist jedoch – und diese Schwäche teilt sich UaKM mit vielen anderen älteren Adventures – das Pixelhunting. Selbst bei gründlicher Untersuchung der 3D-Areale läuft man Gefahr irgendeinen notwendigen Gegenstand oder Hotspot zu übersehen. Dies ist für das Genre nichts ungewöhnliches, doch wird diese Problematik durch den 3D-Aspekt nochmals verstärkt. Mittels Help-Funktion wurde versucht Frust vorzubeugen. Die Funktion entpuppt sich dieses Mal als eine Art Questlog, wo jede Aufgabe tabellarisch gelistet wird. Ruft man eine Aufgabe auf, bekommt man eine weitere Liste, die jeden bereits erfüllten Schritt zur Erfüllung jener Aufgabe auflistet sowie den als nächstes zu bearbeitenden Schritt mit einem Fragezeichen-Button verdeckt. Per Druck auf diesen Button, bekommt man letztendlich einen Hinweis was zu tun ist. Diese Hilfestellung kann manchmal weiterhelfen, muss aber nicht. Wenn da dann nur so etwas steht wie z. B. „Benutze einen Schlüssel um die verschlossene Schublade in Raum XYZ zu öffnen“, erfährt man ja trotzdem nicht wo der gesuchte Schlüssel verborgen ist. Alles in allem ist die Help-Funktion zwar ganz hilfreich, aber gewiss nicht vollauf zuverlässig (ja, ich spreche aus Erfahrung).

Und wo wir schon mal bei der Help-Funktion waren, kann ich ja noch mal kurz auf das überflüssige Punktesystem eingehen. Man verdient Punkte beiläufig wenn man das Spiel spielt. Für alle nützlichen Aktionen die ihr ausführt bekommt ihr Punkte. Übrigens muss nicht jede Aufgabe abgeschlossen werden, wenn man das Spiel durchspielen möchte. Manchmal wird man halt nur mit zusätzlichen Hintergrundinformationen und Punkten belohnt. Aber wie auch immer: Wenn ihr die Help-Funktion nutzt, oder eine besonders dämliche Aktion im Spiel ausführt, die mal ausnahmsweise nicht zu Tex‘ Tod führt, bekommt ihr nämlich wieder Punkte abgezogen. Punktabzug kann man natürlich leicht ausbooten, indem man einfach einen alten Speicherstand lädt. Dies wäre jedoch nur Zeitverschwendung, da der Score nur dazu dient das eigene Ego aufzublähen, sofern man dies nötig hat. Auswirkungen aufs Gameplay oder gar die Story hat der Punktestand nämlich nicht. Wen dieses Spielelement dennoch interessiert: Laut Handbuch liegt der maximale Highscore bei 1000 Punkten. Die Spieldauer liegt Pi mal Daumen ungefähr bei zehn Stunden.

 

Grafik, Sound und weiteres

Wenig überraschend führt Under a Killing Moon die Tradition reale Personen für die Ingame-Charaktere zu verwenden weiter. Dank der damals neuartigen CD-Technologie hatte man auch endlich die Möglichkeit richtige Filmaufnahmen der Akteure zu integrieren. Für die Rollen wurden sowohl Mitarbeiter von Access Software (u. a. Douglas Vandegrift und Jay Richards) als auch professionelle Schauspieler (u. a. Russel Means und Brian Keith) verpflichtet. Natürlich ist auch Chris Jones wieder mit von der Partie – abermals als Hauptcharakter Tex Murphy versteht sich.

Grafisch kann das Spiel für sein Alter durchaus überzeugen. Die 3D-Umgebungen wurden detailliert und stimmig gestaltet. Damals mag die Grafik sogar herausragend gewesen sein, aber dies kann ich nicht beurteilen, da das Spiel lange vor meiner PC-Gaming-Zeit erschien. Die FMV-Sequenzen sind natürlich eine Sache für sich, entweder man mag sowas oder nicht. Es wirkt stellenweise schon verdammt behelfsmäßig. Wirklich gestört hat mich jedoch, dass sich in Szenen, in denen mehr als eine Person vorkommen, oftmals nur eine Person bewegt und die Andere somit wirkt als wäre sie aus ner Zeitung ausgeschnitten und ins Bild geklebt worden. Weiß jetzt nicht wie ich es besser beschreiben kann, aber naja. FMV ist schon ein sehr spezieller Stil, der nicht jedem gefallen wird. Die Auflösungsstufe wurde mit Teil 3 übrigens auf 640×480 hochgeschraubt.

Der Soundtrack passt hervorragend zum besonderen Flair des Tex Murphy-Universums. Er weckt auf verspielte, teils parodistische Art und Weise Erinnerungen an alte Detektivschinken der schwarz/weiß-Ära, gehört unabhängig davon aber nicht zu jenen OST’s die ich mir auch außerhalb des Spiels anhören würde. Die Sprachausgabe entspricht natürlich den Originalstimmen der Akteure, die die jeweiligen Charaktere widerspiegeln, wobei die meisten Szenen ohnehin abgefilmt wurden. Die Monologe von Tex sowie die Kommentare und Zitate von seinem göttlichen Beschützer, wurden freilich ebenso vertont. Letzterer wird übrigens von James Earl Jones vertont, der z. B. den König aus „Der Prinz aus Zamunda“ gespielt hat und in den Star Wars-Filmen Darth Vader seine Stimme leiht.

Alles in allem ist die Präsentation des Spiels sehr schön gelungen. Das merkt man auch an Kleinigkeiten wie den Speeder-Filmsequenzen, die abgespielt werden, wenn man auf der Stadtkarte seinen Reisepunkt auswählt – hätte man auch ohne weiteres weglassen können, wie in Martian Memorandum geschehen. Stattdessen scheute man den Extra-Aufwand nicht und würdigt somit die Speeder-Abschnitte aus dem ersten Serienteil ohne sie als nerviges Spielelement zurückzubringen.;)
Die Leseratten unter euch haben auch die Option Under a Killing Moon als Roman zu konsumieren, auch wenn der Inhalt laut Synopsis in einigen Punkten vom PC-Original abweicht.

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Singleplayer
80
80
Okay
-
Multiplayer

FAZIT

Nach dem enttäuschenden Martian Memorandum bin ich froh, dass die Serie mit dem dritten Teil wieder auf der Spur ist. Auch ohne nostalgische Bindung konnte mich das Spiel sehr gut unterhalten. Die Idee ein Point & Click-Adventure in 3D-Echtzeit-Umgebungen zu verlagern ist selbst aus heutiger Sicht eine tolle Idee. Ich würde mir wünschen, dass, der Abwechslung zuliebe, weitere Genrevertreter diesen Weg bestreiten. Das Gameplay wurde glücklicherweise stark entschlackt, so dass die aus Memorandum bekannten Störfaktoren größtenteils entfallen (ja, es gibt auch keine permanenten Sackgassen mehr). Die wahren Stärken sind natürlich die tollen Charaktere und der Humor, die wohl den größten Verdienst am Kultstatus von Under a Killing Moon aufzuweisen haben. Die Story ist gut, erinnert mich persönlich jedoch wirklich zu sehr an Mean Streets. Einziger richtiger Wermutstropfen ist jedoch die sehr, ich wiederhole, sehr gewöhnungsbedürftige Steuerung, die selbst nach der Eingewöhnungsphase noch äußerst schwammig daherkommt. Solch einen groben Mangel kann ich leider nicht ignorieren und ist hier auch der Hauptgrund dafür, warum ich keine höhere Wertung vergeben möchte. Dennoch gibt’s von mir eine Kaufempfehlung für Adventure-Fans, die mal was anderes, als das typische 2(,5)D-Adventure erleben möchten!

- By  Volker

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USK 0 PEGI 3

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