Resident Evil 2 REmake REVIEW

“We do it!” – diese drei Worte von Capcom Producer Yoshiaki Hirabayashi genügten, um vor rund drei Jahren Fans von Resident Evil 2 kollektiv durchdrehen zu lassen. Nach der medienwirksamen Ankündigung der Neuauflage eines der essentiellen Spieleklassiker der 1990er Jahre, sollte es geschlagene drei Jahre dauern, bis die Entwickler im Rahmen der Sony Pressekonferenz auf der E3 2018 nicht nur einen ersten Trailer und im weiteren Verlauf auch Impressionen vom Spiel selbst zeigten, sondern mit dem 25. Januar 2019 auch den konkreten Erscheinungstermin des Remakes in Stein meißelten.

1998

Das Spiel beginnt einige Wochen nach den Ereignissen vom ersten Teil. Wir erinnern uns: seltsame Gerüchte um Menschen, die spurlos verschwinden, und Sichtungen von Bestien ähnlichen Gestalten machten die Runde. Alle Spuren führten zur abgelegenen Spencer Villa, weshalb die örtliche Polizei von Raccoon City ihr Sondereinsatzteam S.T.A.R.S. entsandte, um Licht ins Dunkel zu bringen. Die Ermittler fanden sich schließlich in einem Alptraum voller Untoter und Monster wieder, den nur wenige der Beteiligten überlebten.

Seitdem ist die Epidemie, die auf einen von dem Pharmakonzern Umbrella produzierten Virus zurückgeht, außer Kontrolle geraten und hat scheinbar den gesamten Landstrich überrannt. Nachdem er seit Tagen nichts mehr von seinen Kollegen gehört hat, macht sich Leon S. Kennedy, ein junger Rekrut bei der Polizei von Raccoon City, schließlich in die Stadt auf um herauszufinden, weshalb der Kontakt abgebrochen ist. Auf seinen Weg in die Stadt trifft er auf die junge Studentin Claire Redfield, die wiederum ihren Bruder in Raccoon City sucht. Dort angekommen, offenbart sich dem Duo ein Bild des Schreckens. In dem Chaos werden Leon und Claire schließlich getrennt und müssen sich eigenständig durchschlagen…

Eine Nacht, zwei Perspektiven

Abgesehen von kleinen Details, hält sich Capcom inhaltlich nah am Original und stellt beim Spielstart die bekannte Wahl zwischen Leon und Claire. Spielerisch hat diese Entscheidung keine gravierenden Auswirkungen, viele Rätsel, Bosse und das Kampfsystem sind in beiden Kampagnen identisch. Die Unterschiede finden sich vor allem im Verlauf der Handlung. So trifft Leon etwa auf die mysteriöse Agentin Ada Wong, während Claire dem durchgeknallten Polizeichef Irons und einem jungen Mädchen namens Sherry Birkins begegnet. Nach erstmaligem Durchspielen schaltet sich der sogenannte zweite Durchgang frei, der quasi dem B-Adventure aus dem Original entspricht. Unabhängig vom Charakter, ist das A-Adventure ein gutes Stück länger, als das B-Adventure, zusammengenommen ergeben beide Durchläufe schließlich die komplette Geschichte und schalten die echte Endsequenz frei.

Im Vergleich zum Original, wurde das Drehbuch für die Neuauflage etwas erweitert und der Fokus auf manche Nebenfiguren ausgebaut. Das tut der Geschichte gut, die nun auch nichts mehr vom einstigen Charme eines B-Movies hat, sondern schon fast wie ein ernstes Drama daherkommt. Das Remake nimmt sich, die Figuren und Geschehnisse erstaunlich ernst, sehr positiv sind in diesem Zusammenhang auch die Darbietungen der Schauspieler hervorzuheben, die den Charakteren Aussehen, Animationen und Stimme geliehen haben, und dabei durch die Bank hindurch einen tadellosen Job gemacht haben.

Perspektivwechsel

Der prägnanteste Unterschied zwischen Original und Neuauflage ist sicherlich der Wechsel von der einst fixen Kamera hin zur over-the-shoulder Perspektive. Tatsächlich haben die Entwickler intern wohl einige Zeit mit einem Prototypen gearbeitet, der die ursprüngliche Perspektive beibehalten hat, allerdings entschied man sich aus diversen Gründen letztlich doch für die Third-Person Ansicht. Entsprechend spielt sich das Remake deutlich flotter und intuitiver, ein Actionfeuerwerk hat Capcom aus dem einst eher gemächlichen Resident Evil 2 aber nicht gemacht. Nach wie vor lauern in den Gängen der Polizeistation und den anderen Schauplätzen vergleichsweise wenige Gegner, dafür sind diese nun aber wesentlich widerstandsfähiger. Schon zwei, drei Zombies auf einmal können eine echte Herausforderung darstellen. Kopfschüsse sind nämlich kein Garant mehr, um einen Gegner schnell auszuschalten, oftmals lohnt es sich die sowieso begrenzt verfügbare Munition daher zu sparen oder so zu nutzen, um Gegner kurzzeitig zu desorientieren oder in ihrer Bewegung einzuschränken. Gerade in letzterer Hinsicht ist übrigens einiges möglich, denn bei der Gewaltdarstellung werden keine halben Sachen gemacht.

Sieht. Das. Gut. Aus!

Es ist aber nicht nur eindrucksvoll, in welchem Ausmaß die zum Einsatz kommende RE Engine Gewalt und Splatter darstellen kann, sondern auch mit welcher Plastizität sie die Szenerie auf den Bildschirm zaubert. Resident Evil 2 sieht stellenweise betörend gut aus. Das gilt insbesondere für die Schauplätze, die nicht nur visuell stimmig, sondern auch in Sachen Leveldesign fantastisch aufgebaut sind. Noch bemerkenswerter, als die optische Präsentation, ist allerdings das Sounddesign. Was die Mitarbeiter von ‎Capcoms R&D Division 1 hier geschafft haben, ist schlicht verboten gut und legt die Messlatte nicht nur für Horrorspiele noch einmal eine ganze Stufe nach oben.

Verfolgungswahn

Was wir als gruselig empfinden, ist natürlich stets auch eine sehr subjektive Wahrnehmung. Billige Jumpscares kann jedes Spiel (oder Film), doch sich immer weiter steigende Anspannung, die in einem fast schon unwohl Gefühl mündet, das ist die hohe Kunst. Das Zusammenspiel von teilweise geradezu erschütternden Szenen, der dichten Klangkulisse, der stetigen Ressourcenknappheit und der Unberechenbarkeit der ohnehin klaustrophobischen Spielwelt sorgen hier für ein Erlebnis, welches beinahe einmalig ist.

Spätestens mit dem ersten Auftauchen von Mr. X, einem brachialen Kolossen aus den Laboren von Umbrella, dürfte kaum jemand mehr stillsitzen. Gerade an diesem mit Waffen unbezwingbaren Beispiel zeigt sich auch, mit welch einfachen Mitteln Horror in Resident Evil 2 erzeugt wird. Capcoms moderne Interpretation von Frankensteins Monster wirkt nämlich auch deshalb so unheimlich, weil sein Aussehen dank Hut und Mantel gleichzeitig vertraut und entrückt wirkt. Hinzu kommt, das es kaum einen Ort gibt, an dem man vor dem sich schon von Weitem mit stampfenden Schritten ankündigenden Verfolger sicher ist.

So geht Pacing

Bereits das Original war (und ist es auch heute noch) ein Paradebeispiel für gutes Pacing in Videospielen und das gleiche kann man nun auch über das Remake sagen. Es ist bemerkenswert, wie gut die Spielerführung seinerzeit bereits funktioniert hat und wie gut sie dies mit nur wenigen Anpassungen auch heute noch tut. Die Mischung aus nervenaufreibenden Gefechten, spannender Narration, Erkundung der Umgebung und Lösen der meist banalen Rätsel funktioniert erneut wunderbar. Viele der ursprünglichen Rätsel wurden übrigens in das Remake übernommen, teilweise aber ein bisschen abgeändert. Selbiges gilt übrigens für die Platzierung von bestimmten Items. Trotz der kleinen Abwandlungen, habe ich mich sofort wieder im Polizeirevier, in den Kanälen und im Umbrella-Labor heimsich gefühlt.

Es ist übrigens absolut absurd, das die Entwickler selbst Easter Eggs, wie etwa ein bestimmtes Foto im Schreibtisch von Serien-Schurke Albert Wesker und die zusätzlichen Spielmodi The 4th Survivor und The Tofu Survivor ins Remake rübergerettet haben. Man merkt dem Resident Evil 2 jederzeit die Liebe der Entwickler für das Original an, was wiederum auch bei alten Fans wie mir für Glücksgefühle sorgt.

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Singleplayer
90
90
Super
-
Multiplayer

FAZIT

Resident Evil 2 gehört nicht nur zu meinen Lieblingsteilen innerhalb der Reihe, sondern zählt generell zu meinen Lieblingsspielen, die ich immer wieder gerne mal durchspiele. Geradezu gefährlich hoch waren meine Erwartungen daher an die Neuauflage, die Chance vollends enttäuscht zu werden entsprechend hoch. Welche Zauberei Capcom auch immer benutzt haben mag, sämtliche Hoffnungen und Wünsche, die ich an die Neuauflage hatte, wurden übertroffen. Es ist dem Team nicht nur gelungen, das ursprüngliche Spiel in die Moderne zu hieven, sondern gleichzeitig den Charme und die Sogwirkung des Originals perfekt einzufangen. Die Atmosphäre, die hier mit der unfassbar guten Soundkulisse und der aufwendigen Grafik geschaffen wird, sucht nahezu ihres gleichen. Das letzte mal, als ich von einem Horrorspiel so sehr in seinen Bann gezogen wurde und auf jedes Geräusch vor, hinter, über und neben mir geachtet habe und mich gar nicht traute, meinen Blick vom Bildschirm zu wenden, war bei P.T.. Und auch abseits seiner Qualitäten als Horrorspiel, ist Resident Evil 2 ein verdammt gutes Spiel geworden, an dem ich – und das überrascht mich selbst – eigentlich nichts auszusetzen habe. Der hohe Aufwand und das Risiko von Capcom haben sich ausgezahlt, was in mir die Hoffnung auf ähnlich hochwertige Neuauflagen anderer Serienteile (Code Veronica) und Marken (Dino Crisis) weckt.

- By  Adrian

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USK 18 PEGI 18

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