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PUBG, Fortnite & Co. – Die Faszination hinter Battle Royale

Meine Faszination für das Battle Royale Genre nahm irgendwann im Frühjahr 2017 mit einem Let´s Play auf Rocket Beans TV seinen Anfang. In diesem wurde mit Player’s Uknown Battlegrounds (kurz: PUBG) ein mir bis dato vollkommen unbekanntes Spiel gezeigt, welches erst wenige Wochen vorher im Rahmen des Early Access Programms auf Steam veröffentlicht wurde. Die Prämisse so einfach wie prägnant: bis zu 100 Spieler werden auf einer Insel ausgesetzt und müssen ums Überleben kämpfen, bis am Ende nur noch einer von ihnen übrig ist. Zwar gab es schon in den Jahren zuvor Spiele mit Last Man Standing Ansatz, doch die Art und Weise, wie das vom südkoreanischen Studio Bluehole entwickelte PUBG sein Konzept präsentierte, wirkte frisch und unverbraucht.

Japanese Schooltrip Massacre

Dabei ist Battle Royale keine vollkommen neue Idee. Der ein oder andere wird sicherlich die gleichnamige, alljährlich stattfindende Wrestling-Veranstaltung kennen, in der mehrere Dutzend Wrestler gegeneinander antreten und um den Verbleib im Ring duellieren. Im Medium Videospiel wurde das Prinzip Einer-gegen-Alle vor allem von Moddern immer wieder gerne aufgegriffen und fand so beispielsweise seinen Weg in Doom 3 und anderen Shootern. So, wie der Modus in Spielen wie PUBG und Fortnite dargestellt wird, dürfte Battle Royale aber allem auf dem gleichnamigen Roman von Kōshun Takami basieren. In seinem Buch zeichnet der Japaner ein dystopisches Bild seiner Heimat, in welchem Oberschüler auf eine verlassene Insel entführt und dazu gezwungen werden, sich gegenseitig zu töten. Internationale Bekanntheit erhielt der Stoff vor allem durch die Verfilmung von Kinji Fukusaku. Der 2002 veröffentlichte Film erlangte im Laufe der Jahre Kultstatus, einem weitaus größeren Publikum wurde das Konzept Battle Royale aber erst Jahre später durch die Bücher und Filme des The Hunger Games Franchise (im deutschen: Die Tribute von Panem) näher gebracht.

Kurz nach Veröffentlichung der ersten von drei The Hunger Games Verfilmungen bastelten Modder mit Hunger Games (später in Survival Games umbenannt) eine Modifikation für Minecraft, die bereits wichtige Elemente von Battle Royale in sich trägt. In der Retrospektive spielt aber vor allem die Battle Royale Mod für ARMA 2 bzw. DayZ eine entscheidende Rolle für das Genre, zeichnet sich doch Brendan Greene für die Entstehung der Modifikation verantwortlich. Greene, dessen Online-Alias „PlayerUknown“ lautet, ist der kreative Kopf hinter PUBG und quasi das Aushängeschild von Bluehole, die den Iren vor einigen Jahren für die Entwicklung eines eigenständigen Titels anwarben. Bis dahin iterierte Greene seine Mod immer wieder aufs neue, portierte sie zu ARMA 3 rüber, ehe er als Berater an der Entwicklung von H1Z1: King of the Kill mitwirkte. In dieser Weit formte er sein Battle Royale Konzept immer weiter und legte die heute auch von der Konkurrenz kopierten Eckpfeiler fest: eine Insel, 100 Spieler, zufällig platzierte Waffen und eine sich zuziehende Schlinge in Form eines Kreises, der die sichere Zone in dem Spielgebiet festlegt.

Mit dem im März 2017 im Early Access veröffentlichten Player’s Uknown Battlegrounds trat Battle Royale schließlich aus der Nische heraus. Im Februar 2018, also etwas weniger als ein Jahr nach der erstmaligen Veröffentlichung, verzeichnete der Titel auf Steam über 30. Millionen abgesetzte Kopien, die im Dezember 2017 veröffentlichte Version für die Xbox One stand im Januar bei rund 3. Millionen verkauften Einheiten. Auch die Zahlen der gleichzeitig aktiven Spieler sprengten alle bisherigen Rekorde auf Steam und ließen selbst Langläufer wie League of Legends, Counter Strike: GO und Grand Theft Auto V Online hinter sich – teilweise mit erstaunlich weiten Abstand.

Die Formel des Erfolgs

Warum fasziniert Battle Royale so viele Spieler? Die Gründe dafür sind sehr vielfältig.

Angesichts solcher Zahlen, die selbst große AAA-Studios und Publisher neidisch machen dürften, stellt sich natürlich die Frage, warum Battle Royale aktuell einen solch großen Zulauf erhält. Die Gründe dafür sind gewiss vielfältig. Einer der in meinen Augen wichtigsten Faktoren liegt im großen Unterhaltungsfaktor verborgen, den PUBG und Konsorten bereits beim passiven Zuschauen entfalten. Die gesamte Struktur und Dramaturgie einer Partie Battle Royale hat mitunter etwas von einem spannenden Action-Thriler: ein Einzelner muss sich gegen eine schiere Überzahl behaupten, ist dabei zu Beginn vollkommen unterlegen, kämpft, schleicht und taktiert sich durch die Umgebung, hinter der an jeder Ecke eine Gefahr lauern könnte, nur um im finalen Aufeinandertreffen den Sieg über Tod und Leben errungen zu haben. Andere Spiele sind da wesentlich routinierter und vorhersehbarer. Nehmen wir beispielsweise eine Runde Counter Strike: GO. Auch diese kann spannend sein, allerdings auf einer vollkommen anderen Ebene. In dem kompetitiven Shooter arbeiten sich Spieler wesentlich genauer an etablierten und erlernten Mustern ab, die jedem, der selbst einmal Counter Strike gespielt und/oder gesehen hat, bekannt sind. Battle Royale ist hingegen wie eine Wundertüte, von der man nie so genau wissen kann, was man am Ende erhält.

Der in meinen Augen weitaus wichtigere Faktor für den Erfolg von Battle Royale ist aber erst durch das eigene Spielen nachvollziehbar. Die Spannung und Anspannung, die man erfährt, wenn man sich sich in den royalen Kampf begibt, ist mit kaum einem anderen Spielerlebnis vergleichbar. In der Tat fallen mir lediglich die Souls Spiele ein, die bei mir ähnliche Reaktionen ausgelöst haben. Auch in den düsteren Abenteuern von FromSoftware bin ich stets auf mich alleine gestellt, bewege mich durch eine gefährliche Welt und kann (zumindest beim ersten Spielen) nie so genau wissen, was mich zehn Meter weiter erwartet – feuchte Hände und Jubelschreie bei Erfolg inklusive. Bei Battle Royale kommt noch der Faktor Mensch hinzu, denn hinter jedem Avatar steckt nun einmal ein realer Spieler mit einer individuellen Strategie und Vorgehensweise. Zwar gibt es gewissen Abläufe, an denen man sich auch im Battle Royale entlanghangelt, dennoch ist die Unberechenbarkeit noch einmal ein ganzes großes Stück größer, als in anderen kompetitiven Spielen.

Der Platzhirsch bekommt Konkurrenz

Auf den ersten Blick gleichen sich PUBG und Fortnite sehr, doch im Kern spielen sich beide Titel sehr unterschiedlich.

Bis ich mich selbst in meine ersten Battle Royale Schlacht stürzen konnte, vergingen übrigens noch einige Monate. Zwar habe ich mir relativ zügig PUBG zugelegt, aufgrund meiner mittelmäßigen Hardware musste ich aber schnell die Refund-Funktion bei Steam in Anspruch nehmen und meiner Faszination am Genre durch Let´s Plays Befriedigung zu verschaffen und darauf hoffen, das Bluehole trotz ihres Deals mit Microsoft irgendwann doch noch eine PlayStation 4 Version ihres Hits nachlegen. Aktuell kann man sich allerdings die Frage stellen, ob sich das noch für die Entwickler lohnen würde, denn mit Fortnite: Battle Royale ist mittlerweile ein zweiter großer Player aufgetaucht, der (Stand: April 2018) den einstigen Platzhirsch abzulösen droht.

Diese Entwicklung ist überaus interessant, denn ursprünglich ist das gemeinsam von Epic und People Can Fly entwickelte Fortnite als Survival-Adventure mit Koop-Ansatz an den Start gegangen und als Early Access im Juli 2017 veröffentlicht worden. Wenige Monate später, im September 2017, wurde der Battle Royale Modus nachgelegt. Dieser mutet in seinem kompletten Aufbau wie eine dreiste Kopie von PUBG an, was von Bluehole auch immer wieder entxprechend kritisiert wurde. Doch dieser erste Schein trügt, denn im Kern könnten beide Spiele nicht unterschiedlicher sein. Während das „Original“ mit seiner braun/grauen Farbpalette, dem realistisch anmutenden Handling der Waffen und dem militaristischen Look einen eher authentischen Ansatz verfolgt, entspricht Fortnite mit seiner Comic-Ästhetik, dem arcadigen Gunplay und anderen Elementen wie der poppige Gegenentwurf zu PUBG. Wie unterschiedlich beide Titel letztlich sind, zeigt nicht zuletzt die Baufunktion in Fortnite, die ein vollkommen neues, taktisches Fass aufmacht.

Anfänglich konnte ich mit Fortnite, welches eigenständig und als Free-2-play Titel für PC und Konsolen veröffentlicht wurde, wenig anfangen und legte es relativ schnell wieder beiseite. Der Look sprach mich gar nicht an, das Verhalten der Waffen war mir zu banal und mit dem Bauen kam ich auch nicht so richtig zurecht. Vor einigen Wochen hat mich dann aber doch noch einmal die Lust gepackt, und siehe da: ich bin dem Spiel verfallen. Mittlerweile bin ich bei 50+ Stunden Spielzeit angekommen und starte das Spiel nach wie vor mit großer Freude. Das ist nicht zuletzt der beispiellosen Arbeit von Epic geschuldet, die nahezu wöchentlich neue Updates herausbringen, weitere Inhalte integrieren, interessante Events starten und offenbar sehr genau darauf hören, was die Community zu sagen hat und das Spiel somit kontinuierlich erweitern.

Zu viel des Guten?

Aktuell scheint eine regelrechte Goldgräberstimmung zu herrschen, denn auf allen Plattformen sprießen Battle Royale Titel aus dem Boden. Ist das Angebot schon jetzt zu groß?

Auch wenn wenn das Genre derzeit von zwei großen Namen beackert wird, so ist Battle Royale unlängst auch in anderen Spielen angekommen. Die Dino-Survival-Sandbox ARK hat eine Variante, Dying Light wird in Bälde eine Adaption von Battle Royale erhalten und Boss Key Productions (das Studio von Gears of War Erfinder Cliffy B.) steigt nach dem Flop mit Lawbreakers ebenfalls mit Radical Heights in den Hype um die royalen Kämpfe ein. Angesichts dieser Goldgräberstimmung und der daraus resultierenden Schwemme an neuen Spielen rollen bereits jetzt viele Spieler mit den Augen und tatsächlich dürften wir bereits an einen Punkt angelangt sein, wo es mehr Battle Royale Spiele gibt, als das eine dermaßen hohe Nachfrage nach ihnen existiert. Zwar glaube ich daran, das uns Battle Royale noch einige Zeit beschäftigen wird, das sich irgendeiner der vielen Nachzügler erfolgreich neben PUBG und Fortnite positionieren können wird, dürfte aber eine Wunschvorstellung sein. Die einzigen, die in Zukunft noch ein Wörtchen mitreden dürften, sind die großen Triple-A Studios. Ich bin mir sehr sicher, dass auch bei Ubisoft, EA, Activision und Co. zumindest Ideen im Raum stehen, wie man ein Stück vom Kuchen abhaben kann.

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Kommentare zu: "PUBG, Fortnite & Co. – Die Faszination hinter Battle Royale"

  1. Fabian sagt:

    Sehr gelungener Beitrag, dem ich nur zustimmen kann 😀 Man muss Battle Royale definitiv selbst gespielt haben, um den Hype zu verstehen. Es ist überaus spannend zu beobachten, wie schnell der Hype von MOBA’s auf Battle Royale umgeschlagen ist. Ich habe auch mit PUBG angefangen und bin kürzlich, vor nicht einmal einem Monat, bei Fortnite gelandet. Das Game ist spannender als jeder Thriller XD

  2. Adrian sagt:

    Freut mich, das dir der Beitrag gefallen hat 🙂

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