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Outlast REVIEW

Outlast ist der Debut-Titel von Red Barrels Inc., einem kanadischen Indie-Entwicklerstudio, welches von ehemaligen Ubisoft-Gamedesignern gegrĂŒndet wurde. Das Horror-Spektakel wurde erstmals am 04. September 2013 fĂŒr Windows PC veröffentlicht, Umsetzungen fĂŒr weitere Systeme sollten in den kommenden Monaten folgen. Outlast erhielt durchweg positive Kritiken und gilt immer noch als eines der hĂ€rtesten Horror-Games auf dem Markt. Es ist ein Spiel, das selbst so manch langjĂ€hrigen Horrorfan schlaflose NĂ€chte bereitet, und welches das Genre der Horror-Video- und Computerspiele nachhaltig geprĂ€gt hat. So wird etwa das hochgelobte Resident Evil 7 von manch einen als dreister Outlast-Klon bezeichnet. Auf andauernder Nachfrage eines gewissen sadistischen Individuums, welches mir das Spiel geschenkt hatte, stĂ€hlte ich also letztendlich meine Nerven und wagte mich in die virtuelle Irrenanstalt, in welcher Outlast stattfindet. Was ich da so alles erlebt habe und welche Qualen ich erdulden musste, möchte ich euch im folgenden Review nĂ€her bringen.

 

Immer auf die armen Wahnsinnigen

Man ĂŒbernimmt die Rolle des Reporters Miles Upshur, der sich auf FĂ€lle und Themen spezialisiert hat, die den meisten anderen Reportern zu heikel sind. Miles hat es schon seit einiger Zeit auf das zwielichtige Unternehmen „Murkoff Psychiatric Systems“ abgesehen. Als Miles eine anonyme E-Mail von einem Angestellten von Murkoff erhĂ€lt, in der behauptet wird, dass in der Nervenheilanstalt „Mount Massive“ schreckliche Dinge vor sich gehen, kennt der rasende Reporter kein halten mehr und macht sich zusammen mit seinem treuen Camcorder auf den Weg um Beweismaterial gegen Murkoff zusammenzufilmen. Upshurs Vorhaben scheint von Erfolg gekrönt, denn bereits kurze Zeit nachdem er in die Anstalt eindringt, findet er sich wortwörtlich in einem Blutbad wieder, welches aller Wahrscheinlichkeit nach die Insassen der Irrenanstalt zu verantworten haben. Jene Insassen wurden von skrupellosen Murkoff-Wissenschaftlern als Versuchsobjekte fĂŒr das ominöse „Walrider“-Projekt missbraucht. Infolgedessen sind die nunmehr entstellten und mutierten „Patienten“ wesentlich gefĂ€hrlicher als sie es jemals vor der „Àrztlichen Betreuung“ gewesen waren. Und somit beginnt fĂŒr Miles Upshur nicht nur ein gnadenloser Kampf ums Überleben gegen zerrĂŒttete Psychopathen, sondern auch ein abartiger Höllentrip durch Blut, Körperteile und GedĂ€rme.

Outlast gehört wohl in die Kategorie des Ekel-Horrors. Hier geht es in erster Linie darum den Konsumenten mit jeder Menge Gore und entstellten Hackfressen zu schocken. DarĂŒber hinaus dĂŒrfen freilich auch ein paar deftige Jump-Scare-Einlagen nicht fehlen (auch wenn diese leider nicht die Brillanz eines Layers of Fear aufweisen). GlĂŒcklicherweise bietet Outlast aber doch noch einiges mehr als plumpen Hau-Ruck-Horror. In atmosphĂ€rischer Hinsicht ist die Irrenanstalt eine echte Wucht. Selbst ohne Blut und GedĂ€rme wĂŒrde dieser Ort verdammt gruselig wirken. Die hervorragende Beleuchtung, welche auch einen wichtigen Bestandteil des Gameplays ausmacht, trĂ€gt sehr viel zur beklemmenden AtmosphĂ€re bei und die Furcht vor dem, was im Dunkeln hinter der nĂ€chsten Ecke lauern mag, ist ein stetiger Begleiter. Des Weiteren vermag die Handlung, welche zunĂ€chst nur aus generischen Überlebens- und Flucht-Motiven besteht, zum Schluss noch eine nette Wendung aufzufahren. Und diejenigen, die gerne mehr Details ĂŒber die Geschehnisse in der Anstalt erfahren möchten, dĂŒrfen immerhin die Augen nach Dokumenten offen halten. Ist also eine runde Sache fĂŒr diejenigen, die von ihren Horror-Stories nicht allzu viel Tiefgang erwarten.

 

Mehr Horror als Spielinhalte

Zu Beginn steht erst einmal die Auswahl aus vier Schwierigkeitsgraden rangierend von „Normal“ bis „Wahnsinn.“ Ich selbst habe mich nur an den normalen Grad herangetraut und kann daher freilich lediglich ĂŒber diesen ernsthaft berichten. Höhere Grade sollen jedoch Dinge wie Anzahl und Haltbarkeit der Batterien, Aufmerksamkeit und Angriffskraft der Gegner und Anzahl der Checkpoints beeinflussen.

Die frei konfigurierbare Steuerung von Outlast arbeitet nach altbewĂ€hrten Standards von Spielen, die aus der Ego-Perspektive gesteuert werden. Mit WASD wird die Spielfigur durch die Umgebung gelenkt und mit der Maus wird die Kamera kontrolliert. Da man einen einfachen Reporter spielt, gibt es keine Möglichkeiten zu kĂ€mpfen, stattdessen ist schleichen und wegrennen angesagt. DarĂŒber hinaus lĂ€sst sich auf Knopfdruck auch noch jederzeit der Camcorder zĂŒcken, welcher in erster Linie dazu dient mithilfe der Nachtsicht-Funktion durch stockdunkle Bereiche zu manövrieren. Außerdem pflegt Miles einen Tagebucheintrag, wenn man eine besonders bemerkenswerte Stelle filmt. Die Nachtsicht des Camcorders frisst jedoch viel Batterie-Energie weg, weswegen es notwendig ist die Augen nach Ersatzbatterien offen zu halten, damit man nicht unverhofft im dunkeln tappt. Auf niedrigster Schwierigkeitsstufe kann man bis zu 9 Batterien mit sich fĂŒhren. Wie oben bereits erwĂ€hnt, wird diese Gesamtanzahl, sowie die Lebensdauer der Batterien, jedoch auf höheren Graden reduziert.

Das Spielprinzip schwankt zwischen Explorations- und Stealth-Abschnitten hin und her. Man erkundet in erster Linie die relativ linearen Abschnitte der Anstalt nach dem richtigen Durchgang in den nĂ€chsten Bereich. HierfĂŒr muss Miles auch immer wieder mal seine Akrobatik unter Beweis stellen, wenn er ĂŒber LĂŒcken springt, sich an VorsprĂŒngen hochzieht, durch LuftschĂ€chte kriecht, an Simsen entlanghangelt usw. Ab und zu will auch mal eine SchlĂŒsselkarte FĂŒr TĂŒr A aufgetrieben werden oder es gilt ein paar Ventile zuzudrehen, um einen ĂŒberfluteten Bereich trocken zu legen usw. Also nichts was die grauen Zellen des Spielers ĂŒberstrapazieren sollte. Richtig spannend wird es hingegen, wenn man mit gewaltbereiten Insassen konfrontiert wird, die einem ans Leder wollen, dann gilt es nĂ€mlich zu schleichen, sich die Laufrouten der Gegner einzuprĂ€gen und sich im Dunkeln zu verbergen, um unerwĂŒnschte Aufmerksamkeit zu vermeiden. Wenn man GlĂŒck hat stehen auch mal Spinde oder Betten bereit, die man als Versteck nutzen kann. Wird man dennoch entdeckt, sollte man schleunigst die Beine in die Hand nehmen, denn die Insassen sind hartnĂ€ckige Verfolger, die ĂŒbrigens klug genug sind auch mal in Spinde hineinzuschauen oder unters nĂ€chste Bett zu gucken.

GlĂŒcklicherweise verfĂŒgt Miles ĂŒber eine uneingeschrĂ€nkte Kondition. Er kann so lange rennen wie nötig und es gibt keinen Gegner der schneller ist als er. Und wenn man doch mal geschnappt wird, ist dies in den meisten FĂ€llen auch nicht gleich das Game Over, da man zunĂ€chst erst mal eins ĂŒbergebraten bekommt, ehe einem die netten Onkels beim zweiten oder dritten Körperkontakt das Lebenslicht ausknipsen (auf höheren Schwierigkeitsgraden sollte man hingegen eher mit One-Hit-Kills rechnen). Interessanterweise ist ĂŒbrigens bei weitem nicht jeder Insasse feindlich gesinnt oder gewaltbereit – ein cleverer Kniff um die Spannung anzuheben, da man halt oftmals nicht weiß, was man von seinem GegenĂŒber zu halten hat. Ein erfahrender Outlast-Spieler wird jedoch an Miles pochenden Herzschlag und Ă€ngstlichem Keuchen erkennen, wenn ernste Gefahr in Verzug ist. Eine originell implementierte Warn-Funktion.
Um drohender Monotonie der zugegebenermaßen vorhersehbaren Spielmuster vorzubeugen, hat man in den ca. 6-stĂŒndigen Horror-Trip auch immer wieder mal fiese Überraschungen eingebaut. So gibt es etwa eine Spielpassage, wo eine Gruppe von Insassen eine gnadenlose Hetzjagd auf Miles veranstaltet, oder man ist gezwungen durch hĂŒfthohes Wasser zu waten, was es einem unmöglich macht zu rennen. In derlei Extremsituationen fĂŒhlt man sich sogar noch hilfloser als nicht ohnehin schon. Die Programmierer haben sich also redlich MĂŒhe gegeben das NervenkostĂŒm des Spielers zu zerfetzen. Bei einem derart gut umgesetzten Horror-Aspekt, kann man dann auch gerne ĂŒber den etwas dĂŒnnen Spielinhalt hinwegsehen.

 

Grafik, Sound und weiteres


Outlast zeigt, was man alles aus der Unreal 3-Engine herausquetschen kann. Die AtmosphĂ€re der Irrenanstalt ist unglaublich dicht und profitiert sehr stark von der starken Beleuchtung bzw. der gnadenlosen Dunkelheit durch die man sich oftmals mithilfe der Nachtsicht-Funktion seines Camcorders hindurchkĂ€mpfen muss. Die Charaktermodelle sind sehr gut gestaltet und erwecken die entstellten und/oder degenerierten Insassen gekonnt zum Leben. Lediglich deren Animationen wirken vielleicht einen Ticken zu hölzern, aber das wird einem bei dem Terror dem man ausgesetzt ist ohnehin kaum auffallen. Obwohl das gesamte Spiel an einem einzigen Ort stattfindet, bietet die Anstalt mehr Abwechslung als man annehmen möchte. So findet man sich etwa im Kanalisations-Bereich oder im zentralen ParkgelĂ€nde wieder. Und dann sind da freilich die ganzen Leichen und menschlichen „Überreste“, die einen konsequent durchs Spiel begleiten werden und schon recht bald eine morbide Faszination auslösen dĂŒrften.

Interessant ist der Grieselfilter, der ĂŒber die Grafik gelegt wurde. Dieser soll wohl den Anschein erwecken, man wĂŒrde sich eine Filmaufnahme anschauen, oder dergleichen. Er hilft durchaus dabei die dĂŒstere AtmosphĂ€re des Spiels nochmals einen Tick finsterer wirken zu lassen, wobei dieser Filter wohl nicht jedem gefallen dĂŒrfte. Einen uneingeschrĂ€nkten Pluspunkt gibt es hingegen fĂŒr den voll animierten Protagonisten. In Outlast steuert ihr jedenfalls keine schwebende Kamera durch die Anstalt. Dennoch wird das Geschehen konstant aus der Ego-Perspektive prĂ€sentiert, selbst dann, wenn Miles auf die Fresse bekommt und durch die Gegend geschleudert wird. Hierdurch wird freilich die Immersion aufrecht erhalten, was bei einem Horror-Spiel natĂŒrlich enorm wichtig ist.

Beim Soundtrack, welcher von Samuel Laflamme komponiert wurde, handelt es sich oberflÀchlich betrachtet um typische Horror-Thriller-Musik, die aber einfach perfekt zu Outlast passt und definitiv ihren Beitrag zum Gesamterlebnis beisteuert.
An der hochwertigen englischen Sprachausgabe gibt es ebenso wenig zu kritisieren wie am OST, auch wenn das Konzept des stummen Protagonisten etwas vorsintflutlich anmuten mag.
Outlast hat neben seinem DLC „Outlast: Whistleblower“ auch noch eine fĂŒnf-teilige Comicreihe (Outlast: The Murkoff Account) nach sich gezogen. Die Comics sollen wiederum auf die Fortsetzung Outlast 2 ĂŒberleiten. Horror-Fans die Outlast ĂŒberstanden haben und mehr wollen, dĂŒrfen also aufatmen.;)

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Unsere Wertung
USK 18 PEGI 18
Singleplayer
85
85
-
Multiplayer

Volker sagt:

Also eines ist mal sicher, wer ĂŒber ein schwaches NervenkostĂŒm verfĂŒgt, sollte Outlast besser meiden! Der Terror der hier erzeugt wird geht ganz schön an die Substanz. Man muss sich förmlich dazu zwingen weiterzuspielen, so heftig wirkt das Spiel in seinen Glanzmomenten. Dabei ist das Gameplay oberflĂ€chlich betrachtet nicht sonderlich komplex oder tiefgreifend. Ein paar nette Stealth-Mechaniken, ein bisschen Erforschung und simple Alibi-RĂ€tselchen sind im Grunde genommen alles woraus Outlast besteht. Doch ein Spiel besteht eben aus weitaus mehr als seinen Grundspielmechaniken, wie Outlast eindrucksvoll beweist. Wer Horror-Spiele mag, fĂŒr den ist Outlast ein absoluter Pflichtkauf. Aber Vorsicht! Es könnte sein, dass der Titel dann doch zu heftig fĂŒr euch ist. Es soll ja sogar so manchen langjĂ€hrigen Horror-Fan geben, der hier den Schwanz eingezogen hat. Outlast eignet sich also auch hervorragend als Mutprobe fĂŒr volljĂ€hrige Spieler.^^
Playstation 4Xbox OneMS Windows

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