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Life is Strange (komplett) REVIEW

Das in fünf Episoden aufgesplittete Life is Strange ist das zweite Spiel des französischen Entwicklers Dontnod Entertainment. Anders als ihr erstes Spiel „Remember Me“ entwickelte sich Life is Strange jedoch zum großen Erfolg und hat inzwischen sogar ein Prequel und eine Sequel-Ankündigung nach sich gezogen. Dieser Erfolg ist jedoch ein interessanter Umstand, denn so wie Remember Me ein Abklatsch typischer Ubisoft-Reihen war, so ist Life is Strange im Grunde genommen ein Abklatsch von Telltale Games episodischen Adventure/Interactive Movie-Konzepts. Die Franzosen von Dontnod sind also nicht unbedingt die kreativsten Spieleentwickler die es gibt. Aber das macht ja nichts, denn wie heißt es so schön: Besser gut kopiert, als schlecht selbst gemacht. Na dann wollen wir mal schauen, ob Life is Strange begeistern kann oder nicht.

Mal eben schnell die Zeit zurückspulen

Das Spiel versetzt uns in das fiktive US-Küstenstädtchen Arcadia Bay. Es ist der Oktober des Jahres 2013 und die Protagonistin Maxine „Max“ Caulfield ist nach fünf Jahren in ihre ehemalige Heimatstadt zurückgekehrt, um ihr Stipendium an der renommierten Kunst- und Wissenschaftsschule Blackwell Academy anzutreten. Die ebenso introvertierte wie schüchterne Max will in erster Linie die Fotografie erlernen. Darüber hinaus spielt sie auch mit dem Gedanken, den Kontakt zu ihrer alten Kindheitsfreundin Chloe Price wiederaufzunehmen, wovor sie sich jedoch bislang gedrückt hat.

Das Spiel beginnt mit einer verstörenden Vision von Max, in derer sie erlebt, wie Arcadia Bay von einem gigantischen Tornado zerstört wird. Doch das ist erst der Anfang eines richtig beschissenen Tages: Kurz nach der Vision bekommt Max einen Erpressungsversuch auf der Mädchentoilette mit. Eine Punkerin erpresst den ebenso reichen wie gewaltbereiten Schnösel Nathan Prescott. Und es kommt natürlich wie es kommen muss. Prescott tickt aus und ermordet die Punkerin mit einer Pistole. Max ist dermaßen schockiert von diesen Geschehnissen, dass sie versehentlich eine ihr bislang unbekannte Superkraft entfesselt. Sie kann mit einer simplen Handbewegung die Zeit bis zu einem gewissen Grad zurückdrehen. Dies gibt ihr freilich die Möglichkeit diverse Entscheidungen und Geschehnisse der Vergangenheit Rückgängig zu machen. Freilich nutzt Max ihre neugewonnene Superkraft, um die Punkerin zu retten. Dummerweise zieht sie sich durch ihren Eingriff die Aufmerksamkeit von Nathan zu, der sie kurz darauf bedroht. Doch sie erhält auch unerwartete Hilfe von besagter Punkerin, die sich, wie es der Zufall so will, als ihre Kindheitsfreundin Chloe entpuppt.

Chloe hat seit dem Tod ihres leiblichen Vaters ernste Probleme mit Drogen, dem Gesetz und ihrem Stiefvater. Außerdem ist ihre neue beste Freundin, Rachel Ambers, seit einigen Wochen spurlos verschwunden. Darüber hinaus ist sie auch nicht sonderlich glücklich darüber, dass Max seinerzeit den Kontakt hat abbrechen lassen und sich seit ihrer Rückkehr noch nicht bei ihr gemeldet hat. Es stellt sich heraus, dass Chloe einem Drogendealer Geld schuldet und daher Nathan erpressen wollte, welcher Tage zuvor versucht hatte Chloe mit heimlich verabreichten Drogen gefügig zu machen. Max fühlt sich schuldig, dass sie ihre Freundin so lange hat hängen lassen, und beschließt ihre Zeitmanipulations-Superkräfte dazu einzusetzen um Chloe zu beschützen und Rachel zu finden. Doch die Visionen um den verdammten Tornado lassen nicht nach, was Max letztendlich dazu treibt sich Chloe anzuvertrauen. Werden es die beiden Mädels schaffen sich ihren Problemen zu stellen und die Zukunft zu verbessern?

 

Spannendes Zeitreise-Mystery-Drama oder Hipster-Schmonzenz?

Und so beginnt eine spannende Coming of Age-Story, die sich mit vielen ernsten Themen wie Mobbing, Selbstmord, Gewalt in der Familie und Vertrauensmissbrauch beschäftigt. Nebenher gilt es freilich noch das Verschwinden von Rachel zu erforschen, sowie den mysteriösen Tornado aufzuhalten. Und wenn Max nach der ersten Spielhälfte auch noch Zugriff auf eine zweite, wesentlich mächtigere Zeitmanipulations-Superkraft erhält, wird die Sache sogar noch dramatischer.

Life is Strange konfrontiert den Spieler dabei mit vielen Choices & Consequences-Optionen, welche bis zum Ende hin auch sehr gut umgesetzt wurden. Dummerweise fällt dieses Kartenhaus im Abspann in sich zusammen, denn egal welche Entscheidungen man so getroffen hat, verlieren sie mit der Schluss-Entscheidung fast alle ihren Belang. Dies ist ein nerviger Schwachpunkt, dem sich dieses Nischengenre bislang noch nicht entziehen konnte.

Des Weiteren sollte man sich darüber im klaren sein, dass Life is Strange seinen Fokus auf die Charaktere und deren Beziehungen untereinander legt. Die Mystery-Thematiken um Zeitreisen und Tornados dienen eigentlich eher als Mittel zum Zweck. Auch könnte sich der Ein- oder Andere an der „Hipster“-Atmosphäre des Titels stören. Man kann auch bemängeln, dass die Entscheidungsmöglichkeiten i.d.R. auf zwei bis drei Optionen beschränkt sind, die natürlich nicht immer dem entsprechen, was man selber im Real Life getan hätte. Anders ausgedrückt: Man muss sich auf das Spiel einlassen können und es eher wie einen Film genießen, statt sich an diesen und jenen Design- und Story-Entscheidungen hochzuziehen. Gelingt dies erhält man ein packendes Erlebnis, dass einem nicht mehr so schnell loslässt. Einen Quantensprung im Subgenre der „Telltale-Style“-Adventures sollte man jedoch auch nicht erwarten.

 

Ich schau dir über die Schulter, Kleine

Als Spieler übernimmt man selbstverständlich die Kontrolle über Max und manövriert diese durch überschaubare 3D-Umgebungen. Dies geschieht seltsamerweise in strikter Third-Person-Shooter-Manier. Soll heißen, dass die Perspektive in der das Geschehen dargestellt wird, glatt aus Resident Evil 4 stammen könnte. Das wirkt natürlich reichlich ungewohnt und unnötig für diese Art von Spiel. Außerdem wird dadurch die Übersicht stark eingeschränkt. Ich habe keine Ahnung, was sich die Entwickler dabei gedacht haben, aber wie so oft gewöhnt man sich daran. Die Entwickler empfehlen übrigens Controller als Eingabegeräte zu nutzen. Ich bin dieser Bitte nachgekommen und empfand die Steuerung, trotz einer gewissen Trägheit, auch als angenehm und unkompliziert.

Dinge mit denen man interagieren kann, werden schriftlich gekennzeichnet. Bewegt man sich nahe genug an sie heran, werden die Aktionsmöglichkeiten eingeblendet, die man freilich per Knopfdruck auslösen kann. Komplexe Inventar-/Hotspoträtsel oder dergleichen sind übrigens nicht vorhanden, stattdessen kann man aber auf Knopfdruck die Zeit zurückspulen, um somit mit dem Wissen der Zukunft die neu erschaffene Gegenwart zu meistern.

Diese Idee findet dann sowohl in den Dialogen, als auch einigen Rätselabschnitten Verwendung. So gibt es zum Beispiel eine Szene, in der sich Max mit einem Skater anfreunden will. Das klappt jedoch nicht so gut, da Max null Ahnung vom Skaten hat. Aber dafür schnappt sie von dem Burschen im Erstgespräch ein paar nette Skating-Fachbegriffe auf. Jetzt gilt es also zurück in die Vergangenheit zu reisen und das Gespräch noch mal von Vorne zu beginnen. Der Unterschied ist jedoch, dass Max nun ein paar coole Fachbegriffe in ihrem Vokabular hat, mit denen ein besserer Ersteindruck gewonnen werden kann.

Ein anderes Beispiel wäre ein Dokument, dass von einer kippenden Kaffeetasse ruiniert wird, als man es aufheben möchte. Einfach in die Vergangenheit reisen, jetzt die Kaffeetasse erst mal beiseite stellen und schon rettet man das Dokument vor den Kaffeeflecken. Diese Idee zieht sich freilich durchs gesamte Spiel. Ob man nun seine Mitschülerin vor einem geworfenen Ball warnt oder einen Gegenstand bergen muss, der kurz zuvor unglücklich unter die Kommode gefallen ist – alles kein Problem mehr dank Zeitreise. Allerdings sind die Fähigkeiten begrenzt. Wenn Max ein neues Gebiet betritt oder eine neue Zwischensequenz triggert, werden die bis dato getätigten Entscheidungen und Tätigkeiten auch wirklich dauerhaft festgehalten. Storyrelevante Aufgaben müssen aber ohnehin so oder so gelöst werden.

Der Schwierigkeitsgrad bleibt das gesamte Spiel über sehr niedrig. Wer ein typisches Adventure-Spiel mit kniffligen Inventar- und Apparaturrätseln sucht, ist also an der falschen Adresse. Glücklicherweise gelingt Life is Strange jedoch die Kunst seine Gameplay-Abschnitte nie zu beliebig und anspruchslos wirken zu lassen. Die Zeitreise-Funktion gibt einem immer das Gefühl, dass man schon etwas dafür leisten muss, um im Spiel voranzukommen. Außerdem gibt es ein paar optionale Achievements zu erbeuten, indem man bestimmte Szenen fotografiert, die man aber oftmals erst mal triggern muss. Achievement-Hunting bringt für dieses Spiel also durchaus einen netten spielerischen Mehrwert.

Leider sahen sich die Entwickler auch dazu gezwungen zwei Stealth-Passagen ins Spiel zu klopfen. Die erste Passage in der dritten Episode ist ja auch kein großes Problem. Bei dem ebenso langen wie unerwartet kniffligen Stealth-Abschnitt in der finalen fünften Episode sieht das aber ganz anders aus. Dieser Abschnitt wurde dermaßen konzipiert, dass noch nicht mal die Zeitreise-Funktion zuverlässig weiterhilft. Diese Passage war mit Abstand der Tiefpunkt des ca. 20-stündigen Abenteuers und hätte echt nicht sein müssen.

Am Ende einer der fünf Episoden erwartet einen dann auch immer eine Auswertung der getroffenen Entscheidungen, und wie viel Prozent der weltweiten Spielerschaft welche Entscheidungen getroffen haben. Ein cooles Gimmick. Auch die Menüs, in denen Max‘ Tagebuch, freigeschaltete Achievement-Fotos und andere Dinge festgehalten werden, sind eine nette Dreingabe für motivierte Spieler. Man merkt, dass hier viel Liebe drinnen steckt.

Grafik und Sound

Die grafische Darstellung ist eine Art Mischung aus buntem Comic-Stil und realistischer Grafik. Das sieht zwar recht schön aus, gewinnt jedoch definitiv keine Preise für die beste Grafik 2015 oder so. Dabei hat man mit der Unreal-Engine durchaus eine „größere“ Engine für das Spiel bemüht. Eine Engine, welche übrigens für berüchtigte Ladezeiten bekannt ist. Interessanterweise halten sich die Ladezeiten in Life is Strange jedoch stark in Grenzen, was doch eine positive Überraschung für ein Unreal-Engine-Spiel ist. Dafür muss man jedoch in Kauf nehmen, dass das Spiel eher wie ein Unity-Engine-Spiel aussieht. Einige Texturen, wie zum Beispiel jene für Pflanzen und Bäume, sehen schon arg behelfsmäßig aus und erfordern einigen guten Willen vom Spieler. Größtenteils ist der Grafikstil aber recht gut gelungen.

Wirklich toll ist hingegen der Soundtrack von Jonathan Morali, welcher sich hauptsächlich aus melancholischen Gitarrenmelodien zusammensetzt und einen ebenso einheitlichen wie passenden Charme zur Coming of Age-Thematik verbreitet. Zwiespältiger sind da hingegen die lizenzierten Musikstücke diverser Popsänger/-bands, welche halt nicht jedermanns Geschmacksnerv treffen werden und oftmals sogar richtig auf die Nerven gehen können. Aber das ist ohnehin subjektiv und dementsprechend nicht diskussionswürdig, da sich auch die lizenzierten Songs gut ins Gesamtpaket eingliedern.

Bei der Sprachausgabe ist das freilich etwas komplizierter. Also für mich als Deutschen klang die englische Synchronisation (eine Deutsche gibt es nicht) sehr gut, allerdings hat das Spiel auch sehr viel Kritik für gekünstelte Akzente und dergleichen eingefahren. Ein Muttersprachler wird in dieser Hinsicht also nicht unbedingt vollauf zufrieden gestellt werden.

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Singleplayer
89
89
Gut
-
Multiplayer

FAZIT

Wer auf Interactive Movies steht, welche ja das Gameplay zugunsten der Handlung und der Präsentation hinten anstellen, der wird mit Life is Strange hervorragend bedient. Tatsächlich schafft es das Spiel sogar das Gameplay annehmbar umzusetzen, da die clevere Einbindung der Zeitreise-Mechaniken, dem Spieler immer wieder ein Erfolgserlebnis verspüren lässt – und das obwohl der Schwierigkeitsgrad grundsätzlich niedrig angesetzt ist. Einziger ernsthafter Ausrutscher im Spiel, ist diese grässliche Stealth-Passage kurz vorm Schluss. Diese ist auch der Grund dafür, warum ich mich letztendlich gegen eine Wertung im 90er Bereich entschieden habe, welche ich dem Spiel ansonsten wirklich gerne gegönnt hätte. Ich hoffe aber, dass sich Genrefans davon nicht abschrecken lassen, denn Life is Strange ist es wirklich wert gespielt zu werden!

- By  Volker

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