+++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++  

Hellblade: Senua’s Sacrifice REVIEW

In den letzten Jahren war Entwickler Ninja Theory zumeist mit größeren Auftragsarbeiten (DmC) oder als Zuarbeiter (Disney Infinity 3.0) beschäftigt. Mit dem erstmals auf der Gamescom 2014 angekĂĽndigten Hellblade: Senua’s Sacrifice wollte sich das britische Studio aber der eigenen Vision widmen und ein Spiel nach eigenen MaĂźstäben auf die Beine stellen – ganz unabhängig von einem Publisher oder anderen Geldgebern im RĂĽcken. Trotz finanzieller und kreativer Unabhängigkeit wurde ein Spiel versprochen, das sich qualitativ mit AAA-Produktionen behaupten kann. Ob dieses Versprechen eingehalten wurde?

 

Dunkelheit

Senua´s Abstieg in die Unterwelt der nordischen Mythologie ist ein düsterer Trip ins Ungewisse.

Stimmen. Stimmen des Zweifels. Stimmen der Häme. Stimmen der Vernunft. FĂĽr Senua sind sie allgegenwärtig. Sie begleiten sie täglich, ununterbrochen. Seid ihrer frĂĽhen Kindheit sind sie da. Und sie sind es auch jetzt, da sie die Reise gen Hel antritt. Dort, in der Unterwelt der nordischen Mythologie, will sie die Seele ihres verstorbenen Geliebten befreien, der mordenden Wikingern zum Opfer gefallen ist. Doch der Weg ist beschwerlich. Nicht nur wegen der ĂĽbermächtig erscheinenden Widersacher, die sich Senua in den Weg stellen, sondern auch wegen ihres inneren Konflikts. Die eigenen Dämonen sind stets präsent. Und sie werden stärker, je weiter sich die junge Kriegerin in den dĂĽsteren Abgrund begibt…

Es ist wahrlich kein einfaches Thema, mit dem der für die Geschichte verantwortliche Tameem Antoniades die Spieler konfrontiert. Senua leidet nämlich unter einer schweren Psychose, die sich auch, aber eben nicht nur, in den omnipräsenten Stimmen, die sie hört, widerspiegeln. Man stellt sich unweigerlich die Frage, ob das, was Senua und der Spieler erleben wahr ist, oder lediglich der Fantasie der Protagonistin entspringt. Sind die Stimmen, die sie hört real? Sind es die Monster von Hel? Hel selbst? Oder ist die gesamte Reise ein Abbild ihrer Psyche? Die Mannen von Ninja Theory verwischen die Grenzen zwischen Realität und Wahn zusehends. Die Verortung in einem fantastischen Setting mit Motiven der nordischen Mythologie bietet sich da natürlich ideal an und liefert die ideale Ausgangssituation für eine im Kern doch sehr menschliche, sehr intime Geschichte.

 

Licht

Senua leidet unter Psychosen, hört Stimmen und hat Wahnvorstellungen.

Um die Thematik der psychischen Erkrankungen authentisch und angemessen zu behandeln, arbeitete der Entwickler mit Betroffenen und Ă„rzten zusammen. Und das merkt man der rund 6-7 stĂĽndigen Reise in die nordische Unterwelt auch an. Ganz abseits von seinen Fantasy-Elementen schafft es Hellblade: Senua’s Sacrifice nämlich eine nachvollziehbare Geschichte zu erzählen und mir das Leid Betroffener zumindest im Ansatz verständlich zu machen.

Greifbar wird der Zustand von Senua vor allem durch die audiovisuelle Umsetzung. Die allgegenwärtigen Stimmen kommen von links und rechts, oben und unten und melden sich ständig, überlappen oftmals gar. Sie erklingen im Kampf, in ruhigen Momenten, in Situationen, in denen Senua mit sich selbst und anderen spricht. Das mag nun wie ein simples Stilmittel wirken, ist aber handwerklich dank der binauralen Tonaufnahmetechnik geradezu brillant umgesetzt und sorgt für ein eindrucksvolles Erlebnis. Der Rat der Entwickler Kopfhörer zu verwenden, sollte übrigens beherzigt werden, da so die beklemmende Akustik erst richtig zum tragen kommt.

Auch in visueller Hinsicht setzen die Entwickler einprägsame Nuancen und spielen mit verschiedensten visuellen Kniffen. Vor allem im letzten Drittel, in welchem sich Senua´s Zustand noch weiter intensiviert und sie sprichwörtlich von ihren Dämonen gejagt wird, dreht Ninja Theory auf und erzeugt mitunter schwer zu ertragende Szenen und Szenerien.

 

Schatten

In spielerischer Hinsicht ist Hellblade einfach gestrickt. Die Kämpfe sind zwar brachial inszeniert, haben aber keine Tiefe. Die Rätsel sind immerhin etwas abwechslungsreicher.

In spielerischer Hinsicht erinnert Senua´s Abstieg nach Hel auf den ersten Blick an vorherige Werke des Studios. Dieser Eindruck täuscht allerdings, denn Hellblade: Senua’s Sacrifice ist auf wenige Mechaniken heruntergebrochen und verfĂĽgt ĂĽber ein fast schon belanglos erscheinendes Gameplay ohne Tiefe oder Kniff.

Das Gameplay fußt letztlich auf zwei Säulen. Die erste Säule ist der Kampf, den Senua gegen schaurige Gestalten austragen muss. Das Kampfsystem ist simpel gehalten und trotz fehlender Anleitung schnell verinnerlicht: ihr kombiniert leichte mit starken Angriffen, könnt mit der Blockoption im richtigen Moment Angriffe parieren und mit einer Nahkampfattacke Gegner kurzzeitig ins Straucheln bringen. Die Kämpfe sind wuchtig inszeniert und machen durchaus Laune. Dadurch, das sie aber vergleichsweise spärlich eingesetzt werden, kaschiert das Spiel die Tatsache, dass die Kämpfe eigentlich keine taktische Tiefe besitzen und stets nach dem gleichen Muster ablaufen. Die Standardgegner kann man in der Regeln locker bezwingen, lediglich die Bosse verlangen etwas mehr Anpassung.

Etwas prominenter sind hingegen die Rätsel vertreten. Immer wieder steht Senua vor verschlossenen Toren, auf denen Runen eingraviert sind. Um die Zugänge zu öffnen und das nächste Areal betreten zu können, müssen die entsprechenden Runen in der Spielwelt gefunden werden. Diese sind zwar versteckt, aber eigentlich ohne große Mühen auffindbar. Um eine Rune zu „aktivieren“ müsst ihr sie mit eurem Fokus anvisieren. Im Kampf hingegen könnt ihr mit dem Fokus die Zeit für kurze Zeit verlangsamen und euch so einen Vorteil verschaffen.

So richtig anfreunden konnte ich mich mit den Rätseln, oder besser gesagt, mit der Mechanik dahinter aber nicht. Warum kann Senua Türen öffnen, nur weil sie die auf diesen eingravierten Runen in der Umgebung findet? Zwar sind übersinnliche Elemente in der Spielwelt aufgrund der mythologischen Thematik vorhanden, hier wirkt mir der übernatürliche Fokus und sein Einsatz in den Rätseln aber zu sehr aufgesetzt. Immerhin ist das Design der Rätsel etwas variantenreicher, als es die Kämpfe sind und greift gelegentlich die Traum/Realität Thematik auf.

 

Liebe

Runen, die Senua auf den Toren eingraviert sieht, muss sie anschließend in der Spielwelt wiederfinden. Nur so kann sie verschlossene Wege öffnen.

Hellblade: Senua’s Sacrifice lebt also weniger von seinem Gameplay, als vielmehr von seiner Narration und dem Umgang mit dem Thema Psychose. Immer wieder stellt man sich als Spieler die Frage, was Realität ist und was sich vielleicht wirklich nur im Kopf der Protagonistin abspielt, nur um irgendwann an den Punkt zu gelangen, an dem es Klick macht und einem bewusst wird, das es fĂĽr Senua keinen Unterschied macht, ob das Erlebte nur in ihrem Kopf oder wirklich stattfindet. FĂĽr sie sind die Stimmen, die Visionen, die Erinnerungen schmerzhaft – und sie werden zunehmend auch fĂĽr den Spieler schmerzhaft.

So gut Ninja Theory das Leiden von psychisch Erkrankten auch umsetzt und begreifbar macht, so sehr war es letztlich ein anderer Aspekt, der mich so sehr an das Spiel gefesselt hat: nämlich die Liebesgeschichte zwischen Senua und ihrem Geliebten Dillion. Ohne Kitsch, ohne ĂĽbermäßigen Pathos wird hier eine sehr intime Geschichte erzählt, die mich tief berĂĽhrt und – ja, ich gebe es zu – zu Tränen gerĂĽhrt hat. Das mag eine sehr persönliche Empfindung sein, doch fĂĽr mich ist sie der ausschlaggebende Punkt, warum Hellblade: Senua’s Sacrifice mich emotional so sehr bewegt hat.

 

Hel

Die audiovisuelle Präsentation von Hellblade ist eine Wucht.

Allerdings muss ich noch einmal auf die bereits angesprochene Präsentation zurĂĽckkommen. Denn auch abseits von Soundesign und visuellen Stilmitteln ĂĽberzeugt das auf der aktuellen Unreal Engine fuĂźende Spiel durch und durch und hebt Hellblade: Senua’s Sacrifice in Sachen Grafik und Sound in der Tat in die Liga von teuren AAA-Produktionen. Viel wichtiger als das ist aber die Tatsache das Ninja Theory sichtlich die Vision, die sie hatten, umsetzen konnten. Die Entwickler haben eine sehr bedrĂĽckende und dĂĽstere Welt erschaffen, die von vorne bis hinten durchdacht wirkt und allen anderen Bausteinen zugutekommt.

Konsequent: das Spiel verzichtet auf Einblendungen, Hinweise, ja sogar das User Interface wurde wegrationalisiert. Eine mutige Entscheidung, die aber aufgrund der spielerischen Simplizität aufgeht und gleichzeitig der Atmosphäre positiv zuträgt.

Facebook
Twitter
Google+
Unsere Wertung
USK 18 PEGI 18
Singleplayer
84
84
-
Multiplayer

Adrian sagt:

Ich habe Hellblade: Senua's Sacrifice bereits seit der Erstankündigung verfolgt und war stets auf die finale Umsetzung gespannt, war mir aber gleichzeitig uneins, ob Ninja Theory dem eigenen Anspruch gerecht werden kann und es tatsächlich schafft, ein unabhängiges Spiel auf dem qualitativen Niveau von AAA-Titeln zu produzieren. Wie ungerechtfertigt meine Zweifel doch waren! Senua´s Reise nach Hel ist ein vor allem inszenatorisch, erzählerisch und audiovisuell eindrucksvoller Trip, der mich nach seinem Abspann nicht zur Ruhe lassen kommen wollte und nachträglich beeindruckt hat. Tameem Antoniades und sein Team erzählen eine sehr an die Substanz gehende Geschichte und verbinden gleichzeitig das Thema psychische Erkrankung und nordische Mythologie zu einem faszinierenden Gesamtwerk. Das Hellblade: Senua's Sacrifice in spielerischer Hinsicht keine nennenswerten Facetten aufweist ist aufgrund der Geschichte des Studios ein bisschen erstaunlich, hat mich aber wenig gestört. Das Spiel funktioniert so, wie es ist, wunderbar und bietet ein Erlebnis, wie kein anderer Titel.
Playstation 4MS Windows

Das könnte dir auch gefallen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Partner:

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blogverzeichnis blogli.de - Blog-Verzeichnis Webverzeichnis - Webkatalog www.inetcomment.de Blogverzeichnis Blogverzeichnis TopBlogs.de das Original - Blogverzeichnis | Blog Top Liste Blog Button
GACC  |  Games-Mag  |  Gameplay Gamers  |  Pixelbirnen  |  Gamer83  |  Heavenly-Mangas  |  MarioFans  |  PixelOr  |  TrueGamer  |  XBox-Home  |  AlphaOmegagaming  |  Gameplaynews  |  Nintendo Switch Forum  |  Spielkritik  |  Videospielgeschichten  |  N-Mag  |  NAT-Games  |  Indieflock  |  GamingNerd  |  Nintendo-Magazin  |  Game-2  |  Zockerheim  |  twitch/noviiq  |  TVGC  |  RLC-Gamer  |  Collect a Box  |  X-Nation.at