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F.E.A.R.: Mission Perseus Add-on REVIEW

Vor über 10 Jahren war es noch gang und gäbe, dass erfolgreiche PC-Spiele sogenannte Add-ons nach sich zogen. Heutzutage wurden Add-ons ja gegen die zwielichtigen DLCs ausgetauscht, aber Add-ons waren damals eine tolle Sache. Bei Add-ons handelt es sich quasi um Fortsetzungen oder Nebenstories, welche quantitativ in der Regel die Hälfte des Umfangs des Hauptspiels umfassen, aber dafür auch nur die Hälfte kosteten. Qualitativ waren sie mit dem Hauptspiel auch oftmals auf Augenhöhe. Einziger Haken ist, dass Add-ons das installierte Hauptspiel voraussetzen. Es gibt aber auch sogenannte „Standalone Add-ons,“ welche auch ohne das Hauptspiel lauffähig sind. Und um eben solch ein Standalone Add-on handelt es sich bei F.E.A.R.: Perseus Mandate, welches in Deutschland übrigens unter dem Namen F.E.A.R.: Mission Perseus veröffentlicht wurde (warum auch immer).

Perseus erschien Anfang bzw. Mitte November 2007 und wirkte dementsprechend schon ein wenig angestaubt, schließlich wurde das Hauptspiel mehr als zwei Jahre zuvor veröffentlicht. Erneut zeichnet sich das texanische Entwicklerstudio TimeGate Studios für das Add-on verantwortlich. Nachdem bereits F.E.A.R.: Extraction Point beweisen konnte, dass die US-Amerikaner auch gute Shooter fabrizieren können, durfte man mit hohen Erwartungen an deren zweites Add-on zu F.E.A.R. herangehen.

Armachams Verrat

Die Handlung von Perseus Mandate schließt kurze Zeit nach den Mord an Aldus Bishop an. Bishop war ein Angestellter des zwielichtigen Armacham-Konzerns, welcher im Hauptspiel von Fettels Klonsoldaten gefangengenommen, zusammengeschlagen und mit C4-Sprengstoff gefesselt wurde. Doch Aldus hatte Glück im Unglück, denn der Point Man und Douglas Holiday konnten ihn aus dieser misslichen Lage befreien. Zum Dank für seine Rettung war Aldus bereit als Informationsquelle für das US-Militär und deren Spezialabteilung F.E.A.R. zu dienen. Dies wiederum sah Armacham zum Anlass sowohl Bishop als auch die US-Militärs zu liquidieren. Armachams Sicherheitsdienst ATC ermordete Bishop kurz nachdem er den rettenden Hubschrauber erreichte und wendete sich anschließend gegen den Point Man und die restlichen US-Soldaten. Somit wurde der Konflikt zwischen Paxton Fettel und dem US-Militär um eine dritte militärische Partei ausgeweitet.

Rodney Betters, der Leiter der F.E.A.R.-Sonderabteilung ist wenig begeistert über diesen offenen Verrat des Armachams-Konzerns, und stellt umgehend eine zweite F.E.A.R.-Einheit zusammen. Deren Auftrag lautet ins Datenspeicher- und Sicherheitszentrum von Armacham einzudringen, um Informationen zum ominösen Perseus-Projekt zu sammeln. Dieses soll von der ATC offensichtlich vertuscht oder geheim gehalten werden, was wir freilich nicht zulassen wollen.

Das neue F.E.A.R.-Team setzt sich aus dem großmäuligen Lieutenant Steve Chen, dem stoisch-professionellen Captain David Raynes und dem namenlosen Sergeant zusammen. Wir übernehmen die Rolle des Sergeant, welcher über die selben übermenschlichen Fähigkeiten wie der Point Man verfügt und sogar unter Visionen in Zukunft und Vergangenheit leidet. Freilich wurde auch der Sergeant als stummer Protagonist konzipiert, ansonsten wäre es ja nicht originalgetreu. Warum der Sergeant über seine abgefahrenen Fähigkeiten verfügt, wird im Spiel übrigens nicht zur Sprache gebracht. Und damit sind wir auch schon wieder bei TimeGates schlampigen Storytelling angelangt. Der aus dem letzten Add-on bekannte Kritikpunkt, dass die Handlung auf dem Niveau einer Fanfiction herumgurkt, ist nämlich auch in Perseus Mandate gegeben.

Modern Military- vs. Horror-Shooter

Doch das ist nicht das einzige Problem: Das Add-on fühlt sich in der ersten Spielhälfte eher wie ein typischer Modern Military-Shooter an, statt eines vernünftigen F.E.A.R.-Ablegers. So ist man zu Beginn freilich mit seinen beiden Team-Kameraden unterwegs und muss sich auch in den Zwischensequenzen immer wieder mit ihnen auseinandersetzen. Problematisch ist dies vor allem wegen Steve Chen, der als typischer, klugscheißender Tough-Guy konzipiert wurde und mit seinem Gebaren ziemlich nervt. So jemanden erwartet man eher in einem Call of Duty-Game, aber eben nicht in F.E.A.R.. Außerdem geht es hier logischerweise nicht mehr um die Dreiecksbeziehung zwischen dem Point Man, Paxton Fettel und Alma. Stattdessen tritt der neue Gegenspieler erst nach dem ersten Drittel auf den Plan und entpuppt sich als maskierte Söldnergruppe namens „Nightcrawlers.“ Diese wirken wie futuristische Ninjas und zerstören somit auch den letzten Rest Horror-Atmosphäre (wie gesagt: Fanfiction-Alarm). Das bedeutet zwar nicht, das Paxton und Alma nicht mehr auftreten, allerdings sind sie einfach nicht mehr der Fokus in diesem Add-on.

Überraschenderweise macht Perseus Mandate nach der ersten Spielhälfte jedoch eine krasse Kehrtwende. Dieser Zeitpunkt wird mit der großen Explosion eingeleitet, welche zum Schluss des Hauptspiels stattfindet. Plötzlich findet man sich in den finsteren Ruinen einer verschütteten Stadt wieder und erlebt eine sehr blutige Horror-Szene, die sogar Erinnerungen an jene Szene aus Extraction Point weckt. Von einem Moment zum Anderen schaltet Perseus Mandate vom typischen Modern Military-Einheitsbrei zum altbekannten Horror-Shooter um, welchen man in den vorherigen Ablegern so lieb gewonnen hat. Ob dies nun eine clevere Wende ist oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Auf jeden Fall ging TimeGate mit dieser Aufsplittung ein gewisses Risiko ein, denn ich kann mir gut vorstellen, dass sich einige F.E.A.R.-Spieler von der ersten Hälfte abschrecken lassen. Es lohnt sich allerdings bis zur zweiten Hälfte durchzuhalten, denn dann hält das Spiel wieder einige spannende Momente parat.

Gibt es wieder genug Neues um bei Laune zu halten?

Im Kern hat sich am Spielprinzip freilich nichts geändert. Man kämpft sich immer noch in Egoshooter-Manier durch relativ überschaubare Levelabschnitte voran, welche in insgesamt sieben Kapitel/Intervals unterteilt wurden. Der Inhalt dieses Standalone Add-ons ist mit ca. 6-8 Stunden für die Story-Kampagne und einem neuen Spielmodus (Bonus-Missions), welcher drei zusätzliche Level für Speedrunner bereitstellt, übrigens sehr löblich ausgefallen.

Wie schon Extraction Point, wartet auch Perseus Mandate mit drei neuen Gegner- und Waffentypen auf. Darüber hinaus, wird mit dem Nightcrawler-Anführer sogar ein kniffliger Bossgegner bereitgestellt. Das ist insbesondere deswegen bemerkenswert, da Bossgegner in F.E.A.R. zuvor nicht vorhanden waren. Andererseits ist der Nightcrawler-Anführer nur eine drastisch verstärkte Version der Nightcrawler-Ninjas, welche ja ohnehin schon die fiesesten Gegner sind, denen man bis dato in F.E.A.R. begegnete. Die Nightcrawler-Ninjas kämpfen nämlich ihrerseits mit Bullet Time-Geschwindigkeit, was sie zusammen mit ihrer hohen Lebensenergie verdammt gefährlich macht! Darüber hinaus gibt es freilich auch reguläre Soldaten unter den Nightcrawlers, welche sich interessanterweise genauso verhalten wie Fettels Klonsoldaten im Hauptspiel. Die Intelligenz der eigentlichen Klonsoldaten, hat sich seit dem letzten Add-on aber nicht verbessert. Ist schon seltsam wie TimeGate mit der K.I. von Monolith umgeht, hmm?

Zu guter Letzt hätten wir dann noch die Scarecrow, ein neues Monster aus Almas Schreckenskabinett. Dieses Vieh versteckt sich in einer schwarzen Pfütze am Boden, und wartet auf unvorsichtige Spieler. Tritt man in die Pfütze, wird man von der Scarecrow hineingezogen. Gelingt es dem Drecksvieh ein paar Kopfschüsse zu verpassen, kann man entkommen, ansonsten droht der sofortige Tod. Alternativ kann man auch einfach aus sicherer Entfernung auf die Pfütze ballern, um das Monster völlig gefahrlos zu beseitigen. Im Grunde genommen also nur eine Menge Lärm um nichts. Aber kommen wir nun zu den neuen Waffen:

Ves Advanced Rifle: Die Standard-Waffe der Nightcrawler ist eine Art modifizierte Version der ASP Rifle, also ein schnellfeuerndes Sturmgewehr mit Zielfernrohr. Das Zielfernrohr nutzt eine Art Infrarot-Funktion, welche jedoch eher hinderlich als nützlich wirkt. Hat einen deutlich geringeren Rückstoß als die ASP und ist somit wesentlich präziser, scheint dafür aber auch nicht so durchschlagskräftig.

LP4 Lightning Arc Weapon: Verschießt Elektrostrahlen, die zwar ordentlichen Schaden anrichten, aber eben nicht so effektiv sind, wie die Strahlen der Particle Weapon. Der Witz an der Lightning Arc soll sein, dass der Elektroschock auf andere Gegner in der Nähe überspringen kann. Ein recht nutzloses Feature, da die Gegner generell klug genug sind sich zu verteilen, statt in einem Pulk zusammenzustehen.

K3-BT Grenade Launcher: Ein verdammt nützlicher Granatwerfer, mit dem sich größere Gegnergruppen in Windeseile dezimieren lassen. Das Ding fetzt in der Bullet Time besonders gut. Gegen schwer gepanzerte Heavy Armors oder Mechs ist das gute Stück jedoch nicht so nützlich.

Höherer Schwierigkeitsgrad und Speedrunning-Bonuslevel

Besonders auffällig an Perseus Mandate ist der knackige Schwierigkeitsgrad. Es gibt im Spiel so einige Gefechte, die ordentlich Nerven kosten können. Die Nightcrawlers sind generell verdammt gefährliche Gegenspieler und auch sonst gibt es einige intensive Stellen im Spiel. So wird man z.B. von einem Mech durch die Flure eines Bürogebäudes gehetzt oder muss mit einer Turret mehrere Wellen von Nightcrawlern abwehren. Ab und zu muss man fiese „Arena“-Abschnitte überleben, wo man gegen eine Überzahl von Feinden bestehen soll. Das gab es zwar vereinzelt auch schon im vorherigen Add-on, aber eben nicht so penetrant wie hier. Als kleine Entschädigung, wird man aber hin und wieder von K.I.-Gefährten unterstützt, welche auch unsterblich sind, solange sie noch zur Handlung beitragen. Man muss also nicht den Babysitter für seine Kameraden spielen, wenn man lieber sein eigenes Ding durchzieht.

Wer vorsichtig spielt und fleißig die Bullet Time einsetzt, kommt aber auch hier wieder gut durchs Spiel. Ich selbst habe Perseus Mandate auf „Hard“ durchgeschafft, auch wenn es stellenweise schon recht eng wurde und ich immer wieder mal neu laden musste.

Bei den drei Speedrunning Bonus-Levels, welche erst nach Abschluss der Storykampagne freigeschaltet werden, sieht das jedoch anders aus. Diese Level müssen in einem Rutsch durchgespielt werden und erlauben keine Speicherungen, was sie auf höheren Graden zu einer extrem kniffligen Angelegenheit werden lässt. Ziel ist es freilich diese Level so schnell wie möglich durchzuspielen. Das Spiel gibt einem nach Abschluss dieser Level auch eine Zeitangabe. Dummerweise bietet Perseus Mandate keine Online-Leaderboards, was diesen Spielmodus schon recht witzlos wirken lässt.
Unabhängig des Speedrunning-Aspekts können die drei Level jedoch nicht so recht überzeugen, auch wenn sie einige witzige Ideen einbringen.

Clinic ist eigentlich nur ein regulärer Level. Beim Arena-Level handelt es sich, wie der Name schon suggeriert, um eine kleine Arenafläche, wo man mehrere Gegnerwellen eliminieren bzw. überleben muss. Zwischen den Wellen wird immerhin Ausrüstung in eine der vier Arena-Ecken „gebeamt.“ Zu guter Letzt wäre da dann noch Sprint. Hier muss man sich durch einen äußerst linear strukturierten Levelabschnitt kämpfen, welcher zwar keine Medipacks beinhaltet, dafür aber hin und wieder Booster springen lässt, die ja die komplette Lebensenergie regenerieren.

Anders als Extraction Point, leidet Perseus Mandate nicht mehr unter technischen Schwächen. Die Auflösung ist nicht mehr auf lächerliche 1280×960 Bildpunkte beschränkt und Freezes sind mir hier auch nicht untergekommen. Audiovisuell wird wenig Neues geboten. Es gibt ein paar neue Szenarien wie etwa ein Minen-Stollen, eine Kanalisation oder die verschüttete Stadt. Andererseits werden aber auch viele Ortschaften aus den vorherigen Spielen recycelt (Bürogebäude, U-Bahn-Passage).

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Singleplayer
79
79
Okay
-
Multiplayer

FAZIT

Man kann darüber streiten ob es dieses zweite Add-on wirklich gebraucht hätte oder nicht. Nach über zwei Jahren nervt es halt schon, wieder einmal, mehr oder weniger dasselbe vorgesetzt zu bekommen. Darüber hinaus ärgert es auch, das TimeGate nichts bezüglich Storytelling dazugelernt haben. Wir bewegen uns immer noch auf Fanfiction-Niveau. Obendrein konnte man sich dieses mal auch nicht diverse Modern Military-Klischees für Kiddies verkneifen, was ein F.E.A.R.-Spiel nun wirklich nicht verdient hat. Glücklicherweise ist das Gameplay immer noch so spaßig wie gewohnt und Perseus Mandate bietet auch einige sehr knifflige und somit intensive Passagen. Der Umfang ist löblich, auch wenn die neuen Speedrunning-Bonuslevel eher ein Fall für echte Runner, als für reguläre Spieler sind. Wer nach dem Hauptspiel und dem ersten Add-on immer noch Bock auf mehr F.E.A.R.-Content hat, darf aber gerne wieder zugreifen.

- By  Volker

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F.E.A.R.: Mission Perseus Add-on REVIEW

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