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Dashbored REVIEW

RPG-Maker-Spiele gibt es wie Sand am Meer, aber ab und an findet man in diesem endlosen Meer aus Mittelm├Ą├čigkeit auch mal ne kleine Perle. Und als eben solch eine Perle entpuppt sich Fading Clubs Debut-Titel Dashbored. Das Maker-RPG wurde am 13 Juni 2016 auf Steam ver├Âffentlicht und bekam im folgenden Jahr auch einige Updates und Patches spendiert. H├Âhepunkt hierbei war das am 09.06.2017 ver├Âffentlichte ÔÇ×JusticeÔÇť-Update, welches ├╝brigens das finale Content-Update sein soll. An diesem andauernden Support erkennt man, dass hier einiges an Herzblut drinnen steckt, doch was das Spiel nun im Detail zu bieten hat, soll folgendes Review kl├Ąren.

 

Von wegen Paradies, das scheint eher die H├Âlle zu sein!

In Dashbored ├╝bernimmt man die Rolle des 24-j├Ąhrigen Hikikomoris Nicolas ÔÇ×NicÔÇť Kawamura. Wer nicht wei├č was ein Hikikomori ist: Das sind Menschen, die sich fast vollst├Ąndig von der Au├čenwelt abkapseln, um ihr Dasein in selbstgew├Ąhlter Isolation zu fristen. Ein Dasein, das Nic quasi vollst├Ąndig durchzieht, da er dank einer Erbschaft noch nicht einmal arbeiten gehen muss. Das hei├čt aber noch lange nicht, dass er eine gl├╝ckliche Existenz fristet, eher im Gegenteil. Doch eines Tages wird Nicolas mit einer h├Âchst bizarren Extremsituation konfrontiert. Als er eines Tages aus dem Schlaf erwacht, findet er sich in einer seltsamen Welt wieder, die ihm als ÔÇ×Garden of VurrusÔÇť (Garten von Vurrus) pr├Ąsentiert wird. Ein Ort der speziell daf├╝r konzipiert wurde, um einsamen Individuen und Sozial-Versagern wie Nic einen Ort des Friedens und der Gl├╝ckseligkeit zu bescheren. Vurrus selbst stellt sich dabei als wohlmeinende, g├Âttliche Entit├Ąt dar. Doch bereits am ersten Tag im ÔÇ×GartenÔÇť, muss Nicolas auf schmerzhafte Weise feststellen, dass dieser Ort weit, weit entfernt davon ist ein gem├╝tlicher Garten Eden zu sein. Ein Gro├čteil seiner Mitbewohner entpuppen sich entweder als zwielichtige alte Knacker, gef├Ąhrliche Schl├Ągertypen und Psychopathen oder sogar degenerierte, m├Ârderische Mutanten. Auch die Landschaft selber wirkt nicht sonderlich einladend. Die vier St├Ądte im Garten, welcher sich ├╝brigens als schwebende Insel entpuppt, sind doch ziemlich heruntergekommen und d├╝ster.

Doch damit nicht genug. Bereits kurze Zeit nach seiner Ankunft, wird Nic via Handy von einem Typen namens Alex kontaktiert, welcher Nic f├╝r seine Sache gewinnen m├Âchte. Alex will Vurrus’ finsteren Machenschaften einen Riegel vorschieben, sowie die Einwohner des Gartens retten. Und da Nic wieder erwarten ein ziemlich harter Bursche ist, soll er f├╝r Alex nun als Mann f├╝rs Grobe agieren. Nicolas willigt eher widerwillig dazu ein die Detektiv- und Pr├╝gel-Drecksarbeiten f├╝r Alex zu erledigen, doch was bleibt ihm schon anderes ├╝brig? Schlie├člich will er aus dem ungem├╝tlichen Garten entkommen und sein altes Leben wiederaufnehmen. Doch w├╝rde er damit wirklich gl├╝cklich werden?

Die Handlung, Spielwelt und Charaktere von Dashbored sind derma├čen abgedreht und interessant, dass man eigentlich gar nicht anders kann als weiterzuspielen. Schon allein um zu erfahren, wo uns das bizarre Abenteuer letztendlich hinf├╝hren wird. Und tats├Ąchlich bietet das Spiel eine nachvollziehbare Aufl├Âsung des Plots. Im Verlauf der Geschichte wird man erfahren, was es mit dem Garten, Vurrus und Alex so alles auf sich hat und sogar Nicolas’ Dasein als Hikikomori wird in die Handlung eingeflochten und ├╝berraschend respektvoll behandelt (es handelt sich hierbei um ein reales gesellschaftliches Problem und keine Phantasie!).

Dashbored ist jedoch keine rein ernsthafte Angelegenheit, sondern bietet auch viele witzige Dialoge und absurd-komische Situationen. So fungiert z.B. eines der sp├Ąteren Gruppenmitglieder zun├Ąchst als Speicherpunkt und die Items und Ausr├╝stungsst├╝cke verf├╝gen ├╝ber witzige Beschreibungen. Earthbound l├Ąsst an dieser Stelle sch├Ân Gr├╝├čen. Ein paar Anspielungen auf andere gro├če Spiele d├╝rfen da freilich auch nicht fehlen, wobei es Dashbored dabei allerdings nie ├╝bertreibt und somit klugerweise vermeidet seine eigene Identit├Ąt einzub├╝├čen.

Der Titel bietet ├╝brigens drei verschiedene Enden, die sich auch stark voneinander unterscheiden und allesamt sehenswert sind. Ein weiterer Spieldurchlauf lohnt sich also (alternativ kann man freilich auch Sicherheitsspeicherungen anlegen). Einige Nachteile sind aber dennoch anzukreiden. So weisen einige der Hauptcharaktere nicht allzu viel Exposition auf, was schade ist, da man wirklich das Gef├╝hl hat, dass jeder relevante Charakter seine eigene interessante Hintergrundgeschichte und Motivation zu bieten hat. Leider werden diese Dinge nur bei der H├Ąlfte der wichtigen Charaktere abgewickelt. Und auch hier nur, wenn man ein bestimmtes Ende anstrebt.

Au├čerdem sollte man nicht allzu viel Logik von Dashbored erwarten. Die gesamte Handlung ist in drei Ingame-Tage aufgesplittet und da wundert man sich doch schon mal dar├╝ber, wenn ├╝ber Nacht mal eben ein neues U-Bahn-System errichtet wird, welches die St├Ądte des Gartens miteinander verbindet ÔÇô nur um mal ein Beispiel zu nennen. Und die guten alten Deus Ex Machinas d├╝rfen freilich auch nicht fehlen. Das tut dem Spa├č aber keinen gro├čen Abbruch, denn solche Dinge f├╝gen sich dann ja doch irgendwie ganz gut in die absurde Welt von Vurrus’ Garten ein.



Wo sind diese verdammten Orbs!?

Da das Spiel keine nennenswerten Optionen bietet und die Steuerung gewohnt unkompliziert arbeitet (inkl. Controller-Support), kann man sich direkt ins Abenteuer st├╝rzen. Bez├╝glich der Kernbestandteile des Gameplays, bietet Dashbored leider kaum Innovationen. Es sind halt zum gro├čen Teil typische Maker-RPG-Spielinhalte die hier abgewickelt werden.

Man erkundet die Spielwelt aus der Vogelperspektive, quatscht mit NPCs, wickelt zufallsbasierte Rundenk├Ąmpfe ab und so weiter. Dummerweise leidet Dashbored auch noch unter einigen derben Balancing-Problemen. So ist man zu Beginn nur mit Nicolas unterwegs, was heikel werden kann, wenn man pl├Âtzlich von 8 Pilzmonstern auf einmal angegriffen wird. Es steht also erst einmal etwas Grinding auf den Plan, um Geld f├╝r bessere Ausr├╝stung zu verdienen und h├Âhere Levelstufen zu erlangen. Level-Ups verbessern freilich die Statuswerte und schalten bei bestimmten Levelstufen auch neue Kampff├Ąhigkeiten frei. Die St├Ądte von Vurrus Garten stehen einem ├╝brigens allesamt von Beginn an offen. Das bedeutet, dass man bereits zu Anfang Zugriff auf einige der st├Ąrksten Ausr├╝stungsst├╝cke im Spiel hat ÔÇô sofern man gewillt ist sich gen├╝gend Geldeinheiten zusammenzugrinden, versteht sich. Freilich kann man jegliche Herausforderung auf diese Weise im Keim ersticken. Und sp├Ątestens wenn man dann weitere Mitglieder f├╝r die eigene, insgesamt siebenk├Âpfige Truppe erh├Ąlt, verkommt das Spiel zum Spaziergang. Aber wie gesagt gilt es bis dahin erst mal die z├Ąhe Anfangsphase wegzugrinden.

Aber immerhin hat man sich M├╝he gegeben Dashbored trotz des knochentrockenen RPG-Maker-Grundger├╝sts abwechslungsreich zu gestalten. So gibt es immer wieder besondere Situationen, wie zum Beispiel ein von ÔÇ×anregendenÔÇť Pilzsporen vergiftetes H├Âhlenlabyrinth, Spiegel-Parallelwelten inklusive invertierter Steuerung oder auch zeitkritische Passagen. Sogar das unspektakul├Ąre Kampfsystem wird ein klein wenig angereichert, indem einige Spezialattacken durch einen gut getimten Tastendruck in Critical-Hits umgewandelt werden k├Ânnen.
Am interessantesten finde ich jedoch einige R├Ątsel, die an die Qualit├Ąt echter Adventures heranreichen. Da muss aus kryptischen Hinweisen auch mal ein Passwort oder Zahlencode entschl├╝sselt werden oder wichtige Schl├╝sselgegenst├Ąnde aufgesammelt werden, damit man eins, zwei Tage sp├Ąter ├╝berhaupt Zugriff auf einige Sidequests erh├Ąlt. Ja richtig gelesen: Jeder Ingame-Tag ist in sich abgeschlossen. Wenn man in einem vorherigen Tag also etwas verpasst hat, hat man keine Chance mehr das geheime Dorf zu betreten und den dort versteckten Bonuscharakter zu rekrutieren oder alle vier Orbs zu entdecken, die man ben├Âtigt, um eines der drei Enden (inkl. v├Âllig eigenem Spielabschnitt, (Boss)gegnern und Story-Entwicklungen) freizuschalten. Die gr├╝ndliche Erforschung der Spielwelt ist also wirklich ratsam, damit man alles aus Dashbored herausholen kann.
Und damit w├Ąre dann auch schon alles gesagt. Dashbored ist ein recht kurzes Vergn├╝gen, welches nach ca. 7-8 Stunden abgeschlossen sein d├╝rfte. Der Wiederspielwert ist jedoch durch drei verschiedene Endings und eine bestimmte Entscheidung die man am zweiten Ingame-Tag treffen muss recht hoch und der Preis ist mit 4,99 ÔéČ auch relativ vern├╝nftig angesetzt.

 

Grafik und Sound

 

 

Das sch├Âne an Dashbored ist der Verzicht auf vorgefertigte Grafiken und Soundtracks aus der RPG-Maker-Retorte. Stattdessen hat man eigene Grafiken und Soundtracks erstellt. Die Top-Down 2D-Pixelgrafik im 16-bit-Stil ist dabei grundsolide und profitiert vom bizarren Setting. Der Einfluss von Earthbound ist freilich auch an dieser Stelle deutlich zu erkennen. Das einzige was negativ auff├Ąllt sind die Zeichnungen der Bossgegner. Diese sind zwar angenehm gro├č und abgedreht, aber auch sehr statisch und f├╝gen sich nicht gut in den Pixel-Stil der sonstigen Grafiken ein. Aber das ist nur ein kleines Manko. Gut ist wiederum, dass es variable Zeichnungen der Charakterportraits innerhalb der Textboxen gibt.

Wirklich beeindrucken kann jedoch der tolle Soundtrack, der viele abgedrehte und sch├Âne Melodien enth├Ąlt. Der OST f├╝gt sich wunderbar in die bizarre Spielwelt ein und tr├Ągt einen gro├čen Teil dazu bei die Stimmung der Spielwelt und Handlung aufzubauen. Da m├Âchte ich gerne noch mal betonen, dass es sich um einen eigenen Soundtrack handelt und keine Maker-Massenware! Tolle Leistung der Entwickler! Netterweise kann man sich die Tracks auch aus dem Programmordner ziehen und muss sie sich nicht separat als DLC zulegen.;)
Ein Sonderlob gibt es noch f├╝r den schnellen Support des Entwicklers ÔÇ×Karbonic.ÔÇť Nachdem ich das Spiel beendet hatte, teilte ich ihm im Steam-Forum einen ausf├╝hrlichen Bug-Report mit, auf den er auch prompt reagierte und zusammen mit mir besprach. Inzwischen hat er auch schon die von mir gemeldeten Bugs beseitigt. Absolut vorbildliches Verhalten!

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Unsere Wertung
USK 0 PEGI 3
Singleplayer
78
78
-
Multiplayer

Volker sagt:

Dashbored war eine echt positive ├ťberraschung! Die bizarre Spielwelt von Vurrus Garten in Kombination mit den ungew├Âhnlichen Charakteren hat mich sofort gepackt. Man will definitiv wissen wo die Reise letztendlich hinf├╝hrt und dank dreier grundverschiedener Endings ist auch der Wiederspielwert sehr hoch angesetzt. Das ist jedoch Ehrensache, da das Spiel mit 7-8 St├╝ndchen doch recht kurz geraten ist. Auch die Balancing-Probleme haben zu Beginn einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Doch die selbsterstellten Grafiken und Soundtracks, welche zudem angenehm hochwertig ausfallen, rei├čen diese Macke locker wieder raus. Dashbored schwimmt meiner Meinung nach im selben Fahrwasser wie diese besonderen RPG-Maker-Ph├Ąnomene in Form von Spielen wie Lisa und Off. Es ist ein Indie-Kultspiel, welches im Gegensatz zu eben genannten Titeln jedoch noch absolut unbekannt ist. Das ist sehr schade, denn trotz seiner Macken ist Dashbored ein tolles Erlebnis!
MS Windows

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