+++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++    +++  

Das Schwarze Auge: Drakensang REVIEW

Nachdem Ende 1996 der letzte Teil von Attic‘s Nordland-Trilogie ĂŒber die Ladentheke ging, dauerte es ĂŒber 11 Jahre, ehe erneut eine Versoftung der Pen & Paper-Lizenz „Das Schwarze Auge“ (kurz: DSA) das Licht der Welt erblickte. Nach Attic’s gescheitertem Versuch mit dem DSA-Ableger „Legenden der Magierkriege“ (der letztendlich in Larian’s Divine Divinity aufging), ein viertes Spiel der deutschen RPG-Franchise auf die Beine zu stellen, schickt sich nun Radon Labs (Project Nomads) an, die heilige DSA-Programmier-Mission zu erfĂŒllen. Ob Radon Labs an die glorreichen Tage der nach wie vor sehr populĂ€ren Nordland-Trilogie anknĂŒpfen kann, kann ich euch leider nicht verraten, da ich die alten Klassiker nicht ernsthaft gespielt habe. Dies gibt mir jedoch die Möglichkeit Drakensang ohne nostalgische VerklĂ€rung unter die Lupe zu nehmen. Im diesen Sinne viel Spaß bei meinem folgenden Review.

Heile Fantasy-Welt


Die Geschichte beginnt mit einem schriftlichen Hilfegesuch unseres alten Freundes Ardo vom Eberstamm. „Ich habe mich in Dinge verstrickt, die kaum mehr zu entwirren sind. Um dies zu bewerkstelligen, brauche ich dringend jemand von außerhalb, ein unbekanntes Gesicht.“ Lautet die BegrĂŒndung, mit der uns der alte Haudegen nach Ferdok, einer populĂ€ren Handelsstadt der Provinz Kosch, bittet. NatĂŒrlich macht sich unsere Spielfigur sogleich auf den Weg nach Ferdok und sieht sich recht bald einer lĂ€stigen Straßensperre ausgesetzt, die den Weg in die Stadt blockiert. Als BegrĂŒndung fĂŒr diese Unannehmlichkeiten werden schreckliche MordfĂ€lle genannt, die sich dort in letzter Zeit ereignet haben. Wir ahnen schlimmes und begeben uns sogleich auf die Suche nach zwei Leumundszeugen, welche die einzige Möglichkeit darstellen, die Soldaten der Straßensperre von unserer Aufrichtigkeit zu ĂŒberzeugen. Und so beginnt unser Abenteuer im Fantasyreich Aventurien im kleinen Rahmen.

Im lĂ€ndlichen Avestreu erledigen wir unsere ersten kleineren Quests, schließen Freundschaften, bewĂ€ltigen einige KĂ€mpfe und bekommen sogar erste WeggefĂ€hrten in die Gruppe. Nachdem wir Ferdok schlussendlich doch noch erreichen, bestĂ€tigt sich unser mulmiges GefĂŒhl, denn Ardo gehört ebenfalls zu den Mordopfern! Wir stellen Nachforschungen an und stoßen auf einen gefĂ€hrlichen Drachenkult. Parallel dazu, ruft der frisch restaurierte Hesinde-Tempel zur sogenannten Drachenqueste auf. Eine Queste die dem erwĂ€hlten Helden (dreimal dĂŒrft ihr raten, wer der/die GlĂŒckliche ist) mit drei schwierigen Herausforderungen konfrontiert, ehe die Belohnung in Form des goldenen Schildes des Fendral winkt. Doch welchem Zweck dient die Drachenqueste wirklich und inwiefern ist der Drachenkult involviert?

Bei allem Patriotismus-GefĂŒhlen, die ich diesem deutschen RPG entgegen bringe, aber die dröge Haupthandlung motiviert kaum zum weiterspielen. Man schlendert also durch die Gegend und erfĂŒllt Haupt- und Nebenquests in einer sehr freundlich prĂ€sentierten Spielwelt, deren kulturellen Bestandteile sehr stark von unseren deutschen GebrĂ€uchen und Wesensarten geprĂ€gt ist. Auf der einen Seite ist die positive, gemĂŒtliche und lebensbejahende AtmosphĂ€re durchaus ein tolles und vor allem unverbrauchtes Konzept, welches bei mir auch einen großen Teil der Faszination ausmacht. Aber auf der anderen Seite, muss man einfach ganz deutlich sagen, dass einen die eigentliche Story völlig abgeht. Drachenqueste? Drachenkult? Ardo und seine Mörder? Sorry, aber das alles interessiert mich nicht die Bohne! GemĂŒtliche SpaziergĂ€nge durch Avestreu, Ferdok und andere Gebiete, unbefangene GesprĂ€che mit den Einwohnern Kosch’s sowie viele, inhaltlich harmlose, Nebenquests sind die eigentlichen Stars von Drakensang. Letztendlich muss sich wohl jeder fragen, wo seine PrioritĂ€ten liegen. Fakt ist, das einem Drakensang zu keinem Zeitpunkt das GefĂŒhl vermittelt der Überheld zu sein, um den sich alles dreht. Wer auf eine spannende, mitreißende Geschichte baut, sollte sich ebenfalls anderswo umschauen, denn das sind Dinge die dieses Spiel einfach nicht bieten kann. Wer es jedoch gerne etwas ruhiger und bodenstĂ€ndiger haben möchte, fĂŒr den fĂŒhrt kaum ein Weg an Radon Labs DSA-RPG vorbei.

Verschenktes Potential, sehe ich ebenfalls bei den insgesamt neun Charakteren, die sich uns im Verlauf der Reise anschließen. Die Meisten werden durch eine kleine Quest in die Gruppe integriert. So retten wir die Elfe Gwendala vor einem mutierten Baummonster oder befreien Magier Jost aus einem Kerkerverlies. Wer motiviert ist seine Pappenheimer nĂ€her kennen zu lernen, kann sie dann in einem 08/15 Abklicker-Dialog ĂŒber ihre Vergangenheit ausquetschen oder ihren, ĂŒberdeutlich gescripteten, Kommentaren lauschen, die sie hier und da von sich geben. Sorry, aber das ist mir einfach zu plump. Selbst das gute alte Baldur’s Gate II, hat das wesentlich besser hinbekommen und das nochmals Ă€ltere Planescape Torment hat sogar gezeigt, wie es wirklich gut gemacht wird. Von einem neuen Spiel, kann man eben auch erwarten, dass alte Genre-QualitĂ€tsstandards gehalten werden und nicht immer nur die Grafik verbessert wird. Aber ok, ich schweife ab. Fakt ist, dass man mit den meisten Charakteren einfach nie so richtig warm wird und es auch keine echte Motivation gibt, sich nĂ€her mit ihnen auseinanderzusetzen. Gerade von einem Spiel mit der hochgelobten DSA-Lizenz erwarte ich da deutlich mehr. Ich hĂ€tte mir einfach mehr Ereignisse wie jenes mit unserer Amazone Rhulana gewĂŒnscht. Unsere ruppige Kriegerin bittet uns eines Tages völlig unerwartet um Hilfe und eröffnet somit eine ziemlich gelungene Nebenquest mit ĂŒberraschendem Ausgang. HĂ€tte man mehr Ereignisse dieser Art geliefert, dann wĂ€re Drakensang schon deutlich besser ausgefallen.

Freie Liebe fĂŒr Tabellen- und Statistik-Fetischisten


Bevor man in Avestreu ausgesetzt wird, gilt es erst einmal seine Charakterklasse auszuwĂ€hlen, wobei optische Anpassungen an den Charaktermodellen leider nicht möglich sind. Neben typischen Klassen wie Kriegern, Magiern und Dieben, von denen auch verschiedene Abarten angeboten werden, dĂŒrfen wir unter anderem auch in die Haut eines Elfen, Zwergen oder einer Amazone schlĂŒpfen.
Danach sollte man sich noch etwas mit dem „Expertenmodus“ beschĂ€ftigen, der es dem Spieler erlaubt an den Start-Statistikwerten seines Alter Egos herumzuschrauben. Da man sich im Verlauf des Abenteuers ohnehin viel mit Statistik-Zahlentabellen beschĂ€ftigen muss, kann man dies auch gleich zu Beginn tun.

Wie in RPG’s ĂŒblich wird alles mögliche in verschiedenen Punktetabellen geregelt. Statt der altbekannten Exp. gibt es in Drakensang Abenteuer- und Steigerungspunkte. Erstere legen den Level der Charaktere fest (welcher wiederum das Maximum einiger anderer Tabellenwerte bestimmt), wĂ€hrend man mit Letzteren seine zahlreichen Wertetabellen steigert oder neue KampffĂ€higkeiten bei Lehrmeistern hinzukauft. Die schiere Masse an unterschiedlichen Zahlentabellen, Talenten und FĂ€higkeiten wirkt anfangs erdrĂŒckend, doch wird man sie relativ schnell durchschaut haben, wenn man gewillt ist sich etwas mit ihnen auseinanderzusetzen. Wichtig ist erst einmal sich einen Plan fĂŒr jeden einzelnen Charakter festzulegen. Soll mein KĂ€mpfer mit Zweihandschwertern oder Keulen kĂ€mpfen? Legt er auf eine offensive oder defensive Kampfweise wert? Soll ich ihm das Schmieden beibringen oder doch lieber im Umgang mit der feinen Gesellschaft schulen? Vorteilhaft wĂ€re es natĂŒrlich sich ein möglichst ausgewogenes Team zusammenzustellen, um die zahlreichen Talente und FĂ€higkeiten möglichst weit abzudecken. Da die aktive Gruppe maximal vier Personen beinhaltet, erfordert es schon etwas an Geschick alles unter einen Hut zu bringen, denn Alleskönner gibt es nicht und nur mit einem guten Gruppenzusammenspiel wird man erfolgreich sein!

Doch keine Sorge. Dank des – ĂŒber weite Strecken – relativ laschen Schwierigkeitsgrades, bleibt viel Zeit sich ins Spielsystem reinzufuchsen. Und wenn man diese Phase ĂŒberstanden hat, wird man die Tabellen-Pfriemelei recht schnell zu schĂ€tzen lernen! ZunĂ€chst einmal entscheidet der Spieler selbst, wann und wo er Verbesserungen mit seinen sauer verdienten Abenteuerpunkten vornehmen möchte. Außerdem erlaubt dieses System einiges an Spielraum: Ein Krieger der sich aufs Fallen entschĂ€rfen versteht? Kein Problem! Ein Schurke mit altruistischer Angewohnheit seine Begleiter zu heilen? Auch das ist möglich. Bildet euer Team aus, wie es euch gefĂ€llt! Die EinschrĂ€nkungen sind minimal (so können Krieger logischerweise keine Magie erlernen), der Spielraum dafĂŒr umso umfangreicher. Hier geht es wirklich um Eigeninitiative. Das Programm nimmt den Spieler bei der Charakterentwicklung nicht an die Hand und lĂ€sst ihn nahezu alle Freiheiten – keine SelbstverstĂ€ndlichkeit im Genre!

k(K)omfort wird kleingeschrieben


Weniger gelungen ist das Mikromanagement. Dies hat unterschiedliche GrĂŒnde. Zum Einen gibt es zu viele Items, die keinen vernĂŒnftigen Nutzen haben. Und dann gibt es viel zu viele AusrĂŒstungsstĂŒcke, deren Wirkung nahezu identisch ausfĂ€llt und sich lediglich in optischer Hinsicht unterscheiden. Ich kann nicht sagen warum, aber das hat mich irgendwie ziemlich genervt. Noch schlimmer ist es den ganzen Krempel unterzubringen. Man erhĂ€lt zwar spĂ€ter Zugriff auf Ardos Ferdoker Anwesen, wo es mehrere „Container“ (Truhen, SchrĂ€nke etc.) zum abladen gibt, doch entsteht ein heilloses Chaos, wenn man sich hier keinen Plan zurechtlegt. Die Items werden nĂ€mlich stur und strukturlos in einer einfachen Scroll-Tabelle gelistet, so dass keine Rede von Übersicht sein kann. Zudem werden GegenstĂ€nde eines Typs nur bis 100 Einheiten gestapelt (RĂŒstungen und Waffen des gleichen Typs werden ĂŒberhaupt nicht gestapelt) – klingt nach viel, ist es aber nicht wirklich. Kurz gesagt: Das Mikromanagement ist ne mittlere Katastrophe! „Warum den ganzen Kram dann nicht einfach verkaufen,“ wird sich der ein oder andere RPG’ler unter euch fragen. Nun, wegen des Itemcraftings, welches ermöglicht aus diversen Schrottteilen, Rohstoffen und Pflanzen neue TrĂ€nke und AusrĂŒstungsstĂŒcke zu erstellen, war meine Motivation irgendetwas zu verkaufen oder zu entsorgen relativ gering. Dieses ganze Mikromanagement und Crafting-Gewurschtel hat mich jedenfalls jede Menge Zeit gekostet, die ich im Nachhinein besser woanders investiert hĂ€tte. Ein klassischer Fall von mangelnden k(K)omfort, wobei sich Drakensang in dieser Hinsicht noch ganz andere Klöpse leistet!

Bereits zu Beginn fĂ€llt die lahme Fortbewegung der Spielfiguren negativ ins Gewicht. Man kann drei Fortbewegungsgeschwindigkeiten auswĂ€hlen: Schleichen, Gehen und Laufen. Aber selbst Laufen ist dermaßen langsam, dass man sich recht bald eine Schnellreisefunktion wĂŒnschen wird, die selbstverstĂ€ndlich fehlt. Da die Gebiete recht weitlĂ€ufig ausfallen, geht durch diese Problematik sehr viel Zeit verloren. Und mit eben dieser Zeit schwindet auch die Geduld des Spielers. Ich habe es an mir selbst erlebt: Es gab immer wieder Phasen, in denen meine Lust auf Drakensang schwand und ich das Spiel fĂŒr Wochen nicht mehr anrĂŒhrte.

Ein weiteres unnötiges Kuriosum ist die Ernte von Pflanzen und KrĂ€utern, sowie das Ausweiden von Tierkadavern. Statt ein simples Standard-Container-Prinzip zu verwenden, koppelte man diese Aktionen an Talente die man beherrschen muss, damit diese Taten von Erfolg gekrönt sind. An und fĂŒr sich eine nette Idee, aber warum muss ich mir immer so eine Ă€tzend lange Animation reinziehen, damit sich der „Container“ endlich öffnet oder eben nicht öffnet? Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich sowas absolut nicht ausstehen kann! Und Drakensang treibts auch noch auf die Spitze in dem ich unzĂ€hlige male diese doofe Animation begutachten muss und dabei wertvolle Lebenszeit einbĂŒĂŸe! Grrrr!

Weitere Faktoren sind die Kamerasteuerung und eine nicht immer gelungene Übersicht. FĂŒr die Kamerabewegung, muss die rechte Maustaste gedrĂŒckt gehalten werden, damit sie sich per Mausbewegungen justieren lĂ€sst – warum einfach wenns auch kompliziert geht? Aber gut, man gewöhnt sich recht bald daran, daher wiegt dieser Kritikpunkt nicht so schwer. Ärgerlicher ist da schon die mangelnde Übersicht in engen Korridoren und GĂ€ngen. Hier zeigen sich mal wieder die typischen Probleme eines 3D-Spieles. Enge Gebiete + vier Helden + mehrere Feine die auf uns eindringen + 3D-Grafik + einer suboptimale Kamerasteuerung = Chaos. Ich denke weitere AusfĂŒhrungen erĂŒbrigen sich 


Ich weiß, es klingt alles ein wenig nach ErbsenzĂ€hlerei. Doch glaubt mir: Der Spaß eines RPG’s ist auch sehr stark an dessen k(K)omfort gekoppelt! Komplex bedeutet eben keinesfalls gleich umstĂ€ndlich! Klassiker wie Baldur’s Gate, machen eben auch deswegen soviel Spaß, weil sie sich flott und angenehm spielen lassen. Auch hier kann Drakensang nicht mithalten.

Im Schatten des Klassikers


Baldur’s Gate. Der Name ist ja jetzt schon einige Male gefallen. Meine Vergleiche mit BG kommen aber auch nicht von ungefĂ€hr. Denn gerade beim Gameplay zeigt sich der Unterschied zwischen Meister (Baldur’s Gate) und SchĂŒler (Drakensang) am deutlichsten. Über die Übersichts- und Kameraprobleme habe ich mich ja schon ausgelassen, welche ja in BG nicht vorhanden sind (der isometrischen Grafik sei dank). Auch der lasche Schwierigkeitsgrad, der zumindest die erste SpielhĂ€lfte andauert, wurde bereits erwĂ€hnt. Kleinere Details wie zum Beispiel Fallen, die viel zu wenig Schaden anrichten oder eine automatische Selbstregeneration der Lebens- und Astralenergie (fĂŒr Magie), tragen sicherlich ihren Beitrag zu diesem Problem bei. Abgesehen von solchen „Kleinigkeiten“ spielt es sich jedoch Ă€hnlich wie das Vorbild.

Es wird ein, nach wie vor, gelungener Mix aus Echtzeit- und Rundenkampfsystem verwendet, welcher im Hintergrund die WĂŒrfel des zugrunde liegenden P&P-RPG’s rollen lĂ€sst. Mittels Leertaste, kann der Spieler jederzeit die KĂ€mpfe pausieren, um seinen Pappenheimern Kommandos zu erteilen, von wegen welcher Gegner attackiert werden soll, ob ein Spezialangriff oder Zauber zum Einsatz kommen soll usw. NatĂŒrlich gibt es einige Störfaktoren. So ist mir die unglaublich lahmarschige Wirkungsdauer der Zauber im GedĂ€chtnis hĂ€ngen geblieben, was einigen meiner Leute auch schon mal das Leben gekostet hat. Aber ist ja nur halb so wild, denn Boron (der Totengott in DSA) zeigt erst dann Interesse, wenn die ganze vierköpfige Gruppe im Eimer ist. Sollte also mal ein Charakter seinen Lebensenergie-Balken verbrauchen, so ergibt sich daraus keine Konsequenz, die man nicht mit etwas Verbandszeug geradebiegen könnte. Und auch ohne Verband fĂŒr die schwere Kriegswunde trippelt einem der Kamerad brav hinterher.

Richtig lĂ€cherlich wird’s aber erst, wenn sich das Blatt doch mal zum Schlechten wendet: Unsere Gruppe steht vor dem Aus, die Monster waren einfach zu stark und unsere Strategie zu schlecht. Wir beschließen schweren Herzens die Beine in die Hand zu nehmen, obwohl einer unserer Kameraden bewusstlos und wehrlos am Boden liegt – wir opfern ihn quasi, um unsere Haut zu retten! Doch was ist das? Nachdem wir uns erfolgreich von den lĂ€stigen Verfolgern abgesetzt haben, wird auf einmal unser tot geglaubter Kamerad vor unsere FĂŒĂŸe „geworfen,“ so dass wir ihn doch noch versorgen und retten können! Mit der Gewissheit, dass uns die Zwölf Götter schlechten Gamedesigns gewogen sind, beschließen wir also den Kampf mit der bereits angeschlagenen Monstermeute erneut aufzunehmen! FĂŒr Ardo!!! 
 Nein, dieses Szenario habe ich mir nicht aus den Fingern gesaugt. Es ist wirklich so geschehen, denn die Gruppe wird wohl von einem unsichtbaren Band der Freundschaft aneinander gebunden. Solo-AusflĂŒge eines Kundschafters, die man noch von seinen BG-Abenteuern her kennt, sind hier so nicht möglich. Man kann die Gruppe zwar schon aufsplitten, aber nach einer gewissen (viel zu kurzen) Entfernung, folgt mir mein Team dennoch auf dem Fuß. Wenn sich einer von denen dann noch in einem Umgebungsobjekt verkeilt kann man nur noch mit den ZĂ€hnen knirschen – was habe ich manchmal geflucht!

Zum Schluss möchte ich aber klarstellen, dass Drakensang keinesfalls ein schlechtes Spiel ist! Genre-Liebhaber werden damit durchaus ihren Spaß haben und vor allem bei DSA-Fans kommt das Game ja doch sehr gut an. Gegen die alten Klassiker der Inifinty-Engine-Games kann Radon Labs Rollenspiel aber sicherlich nicht anstinken. Es gilt also seine AnsprĂŒche entsprechend runterzuschrauben und sich seines Talentes „Geduld“ zu vergewissern, um Drakensang wirklich genießen zu können.

Grafik, Sound und PrÀsentation

Drakensang sieht ziemlich schick aus. Es mag zu seiner Zeit sicherlich hĂŒbschere Spiele gegeben haben, aber unabhĂ€ngig davon, weiß die Grafik zu gefallen. Um die ruhige und freundliche AtmosphĂ€re zu untermauern, entschied man sich fĂŒr einen leichten Comic-Stil bei der 3D-Grafik, der jedoch nicht mit dem lĂ€cherlichen Farboverkill eines WoW verglichen werden kann (zum GlĂŒck). Die Freiland-Umgebungen sind meistens hell beleuchtet und schicken den Spieler hĂ€ufig in angenehme Wald- und Wiesengebiete. Es gibt zwar auch dĂŒstere Orte, wie z. B. einen Sumpf oder alte Burgverliese, doch gelingt es dem Spiel leider nicht an diesen Stellen ein bedrohliches GefĂŒhl zu vermitteln. Dies ist nun einmal die Kehrseite der Medaille.

Passend zur allgemeinen Heile Welt-Stimmung, gestaltet sich natĂŒrlich auch die Musik in Drakensang eher ruhig, friedlich und gemĂŒtlich. Leider greift auch hier die Medaillen-Kehrseite, dass die bemĂŒhten Musiktracks fĂŒr finstere Gebiete einfach nichts taugen. Abgesehen davon bleibt einem auch kein Track im GedĂ€chtnis hĂ€ngen. Ok, das pseudotraurige Elfengestöhne aus Intro und Titelbildschirm ist schon irgendwie prĂ€gnant, aber mehr auch nicht.

EnttĂ€uschend ist die unvollstĂ€ndige Sprachausgabe in regulĂ€ren GesprĂ€chen. Da wird immer nur der erste Satz synchronisiert, bevor man mit den teils albernen Körperbewegungen seines GesprĂ€chspartners zurĂŒckgelassen wird – nicht gut! Schade ist dies vor allem deswegen, da die Sprecher richtig gute Arbeit leisten. Da wurde meines Erachtens an der falschen Stelle gespart. Na immerhin wurden Zwischensequenzen voll vertont.

Die Ladezeiten muten anfangs etwas störend an, was jedoch aufgrund der umfangreichen Gebiete zu verschmerzen ist (zumal sie auch nicht allzu lang dauern). Einen Tag- und Nachtwechsel gibt es leider nicht, aber dafĂŒr wurden die Umgebungen mit hĂŒbschen Details wie umher trudelnden BlĂ€ttern und Pollen, Krabbelviechern und FledermĂ€usen ausgestattet. Es macht auch viel Spaß in einer Siedlung/Stadt umher zu schlendern und deren Einwohnern bei ihren TĂ€tigkeiten zuzuschauen. Die NPC’s fĂŒhren GesprĂ€che miteinander oder gehen ihrem Tagwerk nach, was ein schönes GefĂŒhl von Lebendigkeit vermittelt. Ich wiederhole an dieser Stelle gerne noch einmal, dass dieses fast schon eigenwillige Heile Welt-Szenario ĂŒberraschend unverbraucht und faszinierend auf mich wirkte. Ich zĂ€hle es also trotz der daraus resultierenden MĂ€ngel zu den StĂ€rken des Spiels. Gerade im Direktvergleich zum direkten Konkurrenten Dragon Age, welcher sehr krampfhaft auf „Erwachsen“ getrimmt wurde (was sich vornehmlich in peinlichen Blutspritzern und halbarschigen Sexszenen Ă€ußerte), wirkt Drakensang durch diesen Aspekt und seine BodenstĂ€ndigkeit wesentlich reifer, um nicht zu sagen „erwachsener“ auf mich. (PS: Dragon Age kann auch nicht gegen Baldur’s Gate anstinken :p)

Facebook
Twitter
Google+
Unsere Wertung
USK 12 PEGI 12
Singleplayer
78
78
-
Multiplayer

Volker sagt:

Ich bin selbst ĂŒberrascht, wie negativ mein Testbericht im Endeffekt wirkt, dabei hat mir Drakensang durchaus Spaß gemacht! Dummerweise ist es einfach die Wahrheit, dass mich Radon Labs' Genrebeitrag bei weitem nicht so stark fesseln konnte, wie die großartigen und wesentlich Ă€lteren Infinity Engine-Spiele oder auch das unterschĂ€tzte NWN 2. Und ich denke, man kann schon erwarten, dass alte QualitĂ€tsstandards gehalten, wenn nicht sogar ĂŒbertroffen werden sollten. Dazu ist das deutsche Drakensang leider nicht in der Lage. Dennoch ist es ein schönes RPG mit Oldschool-Gameplay und eigenstĂ€ndigem Charme. Da sich die (seinerzeit) aktuelle Konkurrenz auf das unfreiwillig kindische Dragon Age beschrĂ€nkt, hat man ohnehin keine große Wahl und kann ruhig zu Drakensang greifen.
MS Windows

Das könnte dir auch gefallen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Partner:

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blogverzeichnis blogli.de - Blog-Verzeichnis Webverzeichnis - Webkatalog www.inetcomment.de Blogverzeichnis Blogverzeichnis TopBlogs.de das Original - Blogverzeichnis | Blog Top Liste Blog Button
GACC  |  Games-Mag  |  Gameplay Gamers  |  Pixelbirnen  |  Gamer83  |  Heavenly-Mangas  |  MarioFans  |  PixelOr  |  TrueGamer  |  XBox-Home  |  AlphaOmegagaming  |  Gameplaynews  |  Nintendo Switch Forum  |  Spielkritik  |  Videospielgeschichten  |  N-Mag  |  NAT-Games  |  Indieflock  |  GamingNerd  |  Nintendo-Magazin  |  Game-2  |  Zockerheim  |  twitch/noviiq  |  TVGC  |  RLC-Gamer  |  Collect a Box  |  X-Nation.at