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Bound by Flame REVIEW

Nach ihrem Ausflug zum roten Planeten in „Mars: War Logs“, kehrte das französische Entwicklerstudio Spiders (Sherlock Holmes Versus Jack the Ripper, Of Orcs and Men) mit Bound by Flame ins altbekannte Fantasy-Setting zurück. Das Action-Rollenspiel kam am 08. Mai 2014 auf den Markt und heimste seitdem eher durchwachsene Wertungen ein. Da ich aber bereits mit dem sehr ähnlichen Mars: War Logs meinen Spaß hatte, sprach nichts dagegen auch mal einen näheren Blick auf Bound by Flame zu werfen. Ob das feurige Action-RPG eure Aufmerksamkeit wert ist oder nicht, erfahrt ihr im folgenden Review.

 

Invasion der Untotenarmee

Das Fantasy-Reich Vertiel ist im Arsch, wie es die hartgesottenen Söldner der „Freien Klingen“ ausdrücken würden. Vor 10 Jahren tauchten aus dem frostigen Norden die sogenannten Eislords mit ihrer Untotenarmee auf, um die restliche Welt in Schutt und Asche zu legen. Tja, das hat man halt davon, wenn sieben machtgeile Magier eine Kraftquelle erschließen, um ihre Macht ins unermessliche zu steigern. Der Widerstand der Menschen und Elfen scheint vergebens, denn mit jedem gefallenen Soldaten wächst die Armee der Totwandler weiter an. Die „Roten Weisen“, eine Gruppe von Gelehrten scheint die letzte Hoffnung darzustellen. Ein ominöses Ritual, welches in einer verfallenen Bergtempelruine abgehalten werden soll, könnte das Ruder herumreißen. Die Söldnergruppe „Freie Klingen“ arbeitet derzeit für die Roten Weisen und soll das Ritual vor feindlichem Zugriff schützen. Protagonist(in) des Spiels ist Vulcan, hitzköpfiger Sprengstoffexperte und Liebling des Kommandanten der Freien Klingen. Trotz größter Mühen von Seiten der Söldnergruppe gelingt es nicht den Zugriff der Untoten auf den Ritualraum zu verhindern. Infolgedessen verpatzen die Roten Weisen das Ritual, was zur Folge hat, dass Vulcan von einem beschworenen Feuergeist bzw. Dämon besessen wird. Dies hat jedoch auch den nützlichen Nebeneffekt, dass Vulcan die Gabe der Feuermagie erlangt und somit zur mächtigsten Waffe gegen die Eisfürsten und ihre fauligen Schergen mutiert. Die Frage ist nur, ob Vulcan seinem feurigen Gast vertrauen kann, oder dieser nicht doch eher ein weiteres Übel darstellt?

Objektiv betrachtet bietet die Handlung nichts Besonderes. Die Nummer mit der Fantasywelt, welche vor einer dunklen Bedrohung gerettet werden will, kennt man halt schon zur Genüge. Bound by Flame kaschiert diesen Umstand mit einer harten, erwachsenen Atmosphäre, mit der man wohl Titeln wie The Witcher nacheifern möchte. Und zugegebenermaßen leistet das Spiel hierbei einen relativ soliden Job, auch wenn man abseits der fauligen, entstellten Zombies nichts allzu anstößiges in Bound by Flame vorfinden wird. Wer Titten und Ärsche, sowie die ungeschönten menschlichen Abgründe eines Game of Thrones oder The Witcher erwartet, wird also nicht vollauf zufrieden gestellt. Die aussichtslose Ausgangslage einer unbesiegbaren Untotenarmee ausgeliefert zu sein, wird dafür ziemlich gut vermittelt.

Auch die Charaktere sind ein zweischneidiges Schwert. Die Chemie unter den Söldnern stimmt, leider wird der Spieler gezwungen mit dem hitzköpfigen Großkotz Vulcan zu spielen. Vulcans Gruppe wird dann noch durch einige weitere Leute vergrößert. Da reicht die Palette vom süffisanten Elfen-Bogenschützen Rhelmar bis hin zur ebenso unheimlichen wie heißen Hexe Edwen (Morrigan, bist du es?). Es werden also größtenteils nur Klischee-Schablonen abgearbeitet, aber dafür wurden diese Klischees recht unterhaltsam umgesetzt.

Um das Gesamtpaket abzurunden wurden dann noch ein paar Choices & Consequences-Dialoge eingebaut, welche in erster Linie darüber entscheiden, ob sich Vulcan der Macht des Dämons hingibt oder nicht. Dies wiederum hat Einfluss darauf, welches der drei Enden man letztendlich zu sehen bekommt. Als kleines Gimmick mutiert Vulcans Körper Stück für Stück in den eines Dämonen, sollte er sich den Annäherungsversuchen seines feurigen Gastes hingeben. Unterm Strich sind Handlung und Charaktere eine runde Sache, aber eben auch nichts bahnbrechendes.

 

Das wirkt alles so bekannt

Wie schon in Mars: War Logs stehen auch hier vier Schwierigkeitsgrade zur Auswahl, doch statt Leicht, Normal und Schwer nennen die sich hier Rekrut, Falke, Büffel und Hauptmann. Ich wählte erneut den zweithöchsten Grad und bekam zu Beginn des Spiels derbe auf den Popo. Der allgemeine Schwierigkeitsgrad ist ein gutes Stück höher als noch in Mars: War Logs, vor allem die Eingewöhnungsphase ist kein Pappenstiel und dürfte viele Spieler abschrecken. Die Gegner sind widerstandsfähig, blocken fleißig und teilen sehr viel Schaden aus. Dementsprechend sollte man selber auch fleißig blocken und kontern. Gelingt es einen feindlichen Angriff in letzter Sekunde abzublocken, bekommt man einen kräftigen Konterangriff spendiert, dies ist aber nur eine Taktik von vielen.

Die Steuerung bietet abermals die Auswahl aus Tastatur und Maus oder Controller. Man merkt der Steuerung an, dass sie primär für Konsolen ausgelegt wurde, aber nach einiger Eingewöhnungszeit funktioniert sie gut genug, wenn auch nicht überragend. Dieser Eindruck mag aber auch am Kampfsystem liegen, welches bewusst träge und schwierig gehalten ist.

Der allgemeine Spielablauf ist bereits vom letzten Spiders-Spiel bekannt: Ihr steuert Vulcan in Third Person-Perspektive durch sehr überschaubare Areale (inklusive Kartenfunktion), sammelt aus leuchtend markierten Behältern diverse Items und Rohstoffe ein, um mit diesen Handel und Crafting zu betreiben, sprecht mit einigen NPC’s um Haupt- und Nebenquests zu erhalten und werdet unterwegs immer wieder in Kämpfe verwickelt. Die Quests bieten auch hier nichts ungewohntes und laufen erneut auf „Gehe dorthin, erledige diesen Gegner, sprich mit dem und sammle Objekt X ein“ hinaus. Dennoch sollte man brav jeden Nebenauftrag erfüllen, damit es wertvolle Erfahrungspunkte zum Aufleveln gibt.

Pro Level-Up gibt es dann zwei Fähigkeitspunkte und einen Attributspunkt. Mit Letzteren kann man viele nützliche Perks freischalten wie mehr Lebensenergie und Magiepunkte oder einen höheren Output an Erfahrungspunkten, Gegenständen usw. Erstere kann man wiederum völlig frei in die drei Klassen Krieger, Waldläufer und Pyromane investieren. Jedoch sollte man sich besser einen Plan zurechtlegen, damit man besser durchs Spiel kommt. Als Krieger spezialisiert man sich auf Nahkampfwaffen wie Schwerter, Äxte und Kriegshammer, erlernt besser zu kontern und generell robuster zu werden. Waldläufer kämpfen mit zwei Dolchen und sind wesentlich flinker im Kampf und beherrschen obendrein ein wesentlich attraktiveres Ausweichmanöver zusätzlich zum regulären Blockmanöver. Dafür richten sie aber nicht so viel Schaden an wie Krieger – Es sei denn man spezialisiert sich auf Stealth-Kills und vergiftete Klingen.;) Dann wäre da noch die Klasse Pyromane oder besser gesagt die Feuermagie. Damit erlernt man Feuerbälle effizienter und zahlreicher abzufeuern, seine Waffe anzuzünden, um damit mehr Schaden zu verursachen und dergleichen.

Darüber hinaus kann Vulcan noch Sprengkörper auf dem Boden platzieren und mit einer Armbrust schießen. Das geht aber nur, wenn entsprechende Fallen und Bolzen zur Verfügung stehen. Wer Mars: War Logs gespielt hat, dürfte jetzt sehr viele Parallelen erkennen. Und tatsächlich wirkt Bound by Flame im Grunde genommen eher wie eine Fortsetzung zu War Logs. Der größte Unterschied ist das neue Fantasy-Setting und der Ärgerlichste, dass die nützliche Ausweichrolle der Schere zum Opfer gefallen ist. Das ist mit ein Grund, warum Bound by Flame ein gutes Stück schwerer ist als das letzte Spiders-Abenteuer auf dem Mars.

Eine weitere Parallele ist, dass man wieder einen Companion mit ins Feld führen darf, damit sich dieser eher schlecht als recht am Kampf beteiligt. Die Verhaltensweise von dessen K.I.-Muster stellt man am besten erneut auf Defensiv, damit er nicht so schnell abkratzt und zumindest eins, zwei Viecher von Vulcan fernhalten kann. Aber das sind alles Dinge, die Spielern von Mars: War Logs ohnehin schon bekannt sind. Sogar das Crafting-System wurde eins zu eins übernommen. Bei den Neuerungen und Änderungen gibt es hingegen kaum etwas zu berichten. Man darf nun immerhin zu Beginn des Spiels auswählen, ob man als Männlein oder Weiblein in die Schlacht zieht und eine handvoll optischer Anpassungsoptionen (Kopf und Frisur) sind auch vorhanden. Die Wahl des Geschlechts hat aber keinen Einfluss aufs Spiel oder die Dialoge. Man kann lediglich ein paar sehr halbarschige Romanzen mit den Companions triggern. Gegner-Respawning ist nun noch stärker vertreten, aber dafür sind die Bosskämpfe nun wesentlich spannender und anspruchsvoller inszeniert. Leider hat man es beim letzten Bossgegner maßlos übertrieben. Dieser war so überzogen schwer, dass ich auf den niedrigsten Schwierigkeitsgrad herunterschalten musste – und das kurz vorm Ziel.

 

Grafik und Sound

 

 

Wie alle Spiders-Spiele basiert Bound by Flame auf der Silk Engine, einer modifizierten Version von Sony’s PhyreEngine. Wo diese Grafikengine für das eher triste Szenario des Mars ausreichte, gelangt sie bei der Darstellung einer abwechslungsreichen Fantasywelt doch stark an ihre Grenzen. Die Umgebungstexturen konnten jedenfalls nicht so ganz überzeugen, auch wenn man versucht diesen Umstand durch relativ trostlose Locations wie Ruinen, Sümpfe und Eislandschaften zu kaschieren.

Die Charaktermodelle wirken dafür nun detaillierter als gewohnt, auch wenn die NPC’s in den Siedlungen und Camps immer noch dumm in der Gegend rumstehen. Die Animationen in den Kämpfen sehen aber gewohnt gut aus und viele der Zwischensequenzen sind richtig toll inszeniert. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass Spiders ihre Grafikengine mal gehörig aufpolieren oder durch eine bessere Version ersetzen sollten.

Wirklich auftrumpfen kann das Spiel dafür beim Soundtrack. Die Melodien verbreiten eine gelungene Fantasy-Atmosphäre und klingen dennoch unverbraucht. Man kann sich den Soundtrack auch gerne außerhalb des Spiels anhören. Leider kann da die deutsche Sprachausgabe nicht mithalten. Vor allem der Synchronsprecher der männlichen Version von Vulcan ist eine Fehlbesetzung. Zu jugendlich wirkte seine Stimme auf mich und obendrein schien mir der Sprecher nicht so richtig motiviert bei der Sache zu sein. Man hat bei diesem Sprecher oftmals eher den Eindruck er würde nur einen Text vorgelesen, statt eine Rolle zu verkörpern. Das reicht heutzutage aber einfach nicht mehr aus. Sogar vor 15 Jahren gab es schon bessere Synchronisationen. Die anderen Sprecher wirken da professioneller, aber von einer Glanzleistung kann keine Rede sein.

 

 

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Unsere Wertung
USK 16 PEGI 16
Singleplayer
62
62
-
Multiplayer

Volker sagt:

Ihr habt es sicher schon bemerkt, aber Bound by Flame konnte mich nicht überzeugen. Der Schwierigkeitsgrad verbreitet zu viel Frust und erfordert spezifische Charakter-Builds. Darüber hinaus nervt es, dass es sich hierbei in Gameplay-technischer Hinsicht, um eine ziemlich uninspirierte Fortsetzung zu Mars: War Logs handelt. Man hat dem Spiel lediglich einen Fantasy-Skin verpasst, ein paar kleine Detailänderungen durchgeführt und den Schwierigkeitsgrad aufgedreht – fertig ist Bound by Flame. Das reicht aber nicht. War Logs war ja noch ganz unterhaltsam, Bound by Flame wirkt hingegen nur noch unnötig und frustig. Eine angestaubte Grafikengine und eine mittelmäßige Synchronisation helfen freilich auch nicht weiter. Schade um den schönen Soundtrack und die ordentlich umgesetzte Grundidee einer schier unüberwindlichen Untotenarmee gegenüberzustehen.
Playstation 4Xbox OneXbox 360Playstation 3MS Windows

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