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Black Mirror – Der Dunkle Spiegel der Seele REVIEW

Ein Titel der unter den etwas „moderneren“ Adventures (also alles was nach den Lucas Arts-Titeln herauskam) als klarer Hit gehandelt wird, ist sicherlich Future Games’ Black Mirror – Der Dunkle Spiegel der Seele. Nachdem ich mich ja bereits mit dem Quasi-Nachfolger „Ni.Bi.Ru“ befasst habe, und diesen als gelungenen Genre-Vertreter identifizierte, war es nur eine Frage der Zeit, bis ich mir auch mal Black Mirror zu Gemüte führen würde. Ein Spiel das mittlerweile drei Fortsetzungen nach sich zog (die dritte Fortsetzung wird demnächst veröffentlicht), was durchaus ein Indiz dafür ist, dass es sich hierbei um ein tolles Adventure handelt. Zeit dies mit einem Review zu bestätigen!

 

Unfall, Mord oder Selbstmord?

Großbritannien im Jahre 1981: In Schloss Black Mirror bahnt sich unheilvolles an. Schlossherr William Gordon verfasst gerade einen dringlichen Brief an seinen Enkel Samuel, als der ängstliche alte Mann urplötzlich aus dem Fenster des Schlossturms stürzt – ein tragischer Unfall oder Mord? Samuel Gordon beantwortet diese Frage mit Mord, denn er sieht keinen Grund warum sich sein rüstiger Großvater in den Tod stürzen sollte. Zwölf Jahre ist es her, seitdem Samuel seine Liebste bei einem Brandunfall verloren hat und sich in Folge dessen von seiner Heimat Black Mirror abwandte. Williams Todesanzeige zwang ihn jedoch zu jenem unheilvollen Ort zurückzukehren, an dem seine Frau – und jetzt auch noch sein Großvater – ihr Ende fanden. Mit dem eisernen Willen die Hintergründe zu Williams Tod aufzudecken, dringt Samuel immer tiefer in vergangene und aktuelle Familiengeheimnisse der Gordons ein. Doch die Zeit drängt, denn schon bald gibt es das nächste Opfer – wird Samuel das Rätsel lösen ehe es auch ihn erwischt?

Es dauert nicht lange und die Geschichte hat einen in ihren Bann geschlagen. Zu verdanken hat man dies in erster Linie der unheimlichen Atmosphäre der Spielwelt. Im Verlaufe des Spiels erkundet man nicht nur Black Mirror-Castle, sondern auch noch Ortschaften wie das Dörfchen Willow Creek, ein altes Bergwerk oder gar eine Irrenanstalt. Aber egal wo man sich befindet, es herrscht stets eine gewisse unterschwellige Bedrohung, die einen stetig antreibt weiterzuspielen und dem Geschehen auf den Grund zu gehen.
Mit blutigen Szenen hält man sich bei diesem Spiel bewusst zurück (was aber nicht bedeutet, dass es sie nicht geben würde), die Spannung wird eher durch Grusel als durch Horror erzeugt – wie in einer richtig guten Edgar Allen Poe-Gruselgeschichte. Wer, wie ich, Freude an Poe’s Geschichten hat, sollte diesem Spiel also wirklich eine Chance geben!

Absolut erwähnenswert ist weiterhin, dass wir endlich mal wieder einen glaubwürdigen Hauptcharakter in einem Adventure zu sehen bekommen. Denn obwohl Samuel etwas arrogant und kühl wirkt (ein Umstand der wohl auf seine adlige Herkunft zurückzuführen ist), zeigt er wesentlich häufiger menschliche Emotionen und Reaktionen als die meisten seiner Adventure-Kollegen zusammen. Da werden bei bestimmten Situationen auch mal Reue, Wut oder andere Gefühle zum Ausdruck gebracht. In einer Szene muss sich unsere Spielfigur angesichts des Ekels/Schreckens sogar übergeben – ein Verhalten für das sich andere Genrehelden wohl zu fein sind. Darüber hinaus erhält der Spieler die Möglichkeit Samuels Verhalten in bestimmten Gesprächen zu beeinflussen. So kann er sich wahlweise ruhig und gesittet oder schroff und aggressiv artikulieren – auch wenn dies keine Auswirkungen auf die Story hat. Die hochwertige Sprachausgabe trägt sicherlich ebenfalls dazu bei, die Charaktere sowie die Handlung im allgemeinen auf hohem Niveau zu halten. In diesem Bereich kann Black Mirror also schon mal ordentlich punkten!

 

Ein guter Mix aus klassischen Adventure-Spielmechaniken

Der Spielablauf fließt in konservativen Point & Click-Bahnen. Wer schon einmal solch ein Adventure gespielt hat weiß wie’s geht und will es im Grunde ja auch nicht anders. Wir dirigieren Samuel mit dem Mauszeiger durch schicke Renderscreens und untersuchen diese mithilfe beider Maustasten. Wie von Future Games gewohnt erlöschen untersuchte Hotspots die keine spielerische Relevanz mehr erfüllen, was die Inventarrätsel überaus erleichtert. Im völligen Gegensatz dazu steht jedoch das Spielelement, einige Hotspots bzw. Items erst dann zugänglich zu machen, wenn man das entsprechende Objekt auch wirklich benötigt. Als Beispiel für dieses System sei Samuels alte Kamera genannt, die unser Protagonist erst dann einsammelt, wenn er sie wirklich für eine bestimmte Aufgabe benötigt. Dadurch wird die Hilfe durch die erlöschenden Hotspots relativiert, was den spielerischen Anspruch wieder nach oben drückt.

Eine Hotspotanzeige gehörte 2004 noch nicht zum Standard, weswegen sich diese Hilfe einzig auf die Ein- und Ausgänge der Screens beschränkt – genauso ist es ja auch in Ni.Bi.Ru. Dies führt leider zu einigen Pixelhunt-Sessions, die mich zumindest im ersten der sechs Kapitel einige Nerven kosteten. Ab dem zweiten Kapitel relativierte sich die Sucherei aber glücklicherweise, was für einen angenehmeren Spielablauf sorgte. Zur zügigen Fortbewegung benutzen wir den altbekannten Doppelklick auf Ein- und Ausgänge, wodurch Samuels fehlendes Engagement zum rennen wieder ausgeglichen wird. Schön ist die Karte die wir im ersten Kapitel finden und mit derer wir die Locations um Black Mirror aufrufen und betreten können – dies erspart dem Spieler so einige Doppelklicks.

Rätseltechnisch gibt es einen guten Mix aus Inventarrätseln, Dialogen und Puzzle-Mechanismen bzw. Apparatur-Rätseln. Inventarrätsel sind gar nicht mal so zahlreich vorhanden wie man es annehmen möchte. Außerdem waren sie vergleichsweise einfach zu lösen und in der Regel gut nachzuvollziehen. Bei den Dialogen geht’s natürlich nur darum sich fleißig durchzuquatschen, um auf dem aktuellsten Stand zu bleiben. Richtig interessant wird’s bei den Puzzle-Apparaten, die in zwei Fällen knallharte Allgemeinbildung voraussetzten. Wer keine Ahnung von der Anordnung der Planeten unseres Sonnensystems hat, muss eben den alten Schulatlas hervor kramen, den man inzwischen den Eltern geschenkt hat (meine Güte, was haben die geguckt als ich sie nach dem Ding gefragt habe.:D). In den meisten Fällen lassen sie sich aber ohne solche Aktionen lösen, so dass man den Großteil des Spiels ohne Atlas und Komplettlösung angehen kann.;-)

Einen kleinen Bonuspunkt vergebe ich für die unterhaltsamen Schnipselrätsel. Hier gilt es ein zerrissenes Foto bzw. einen Brief wieder zusammenzufügen, was jedem Puzzlefreund ordentlich Freude bereiten dürfte.

Passend zum gruseligen Szenario gibt es im Spiel einige lebensgefährliche Szenen und sogar tödliche Fallen die zum berüchtigten, für Adventures unüblichen, Game Over führen können. Eine Autosave-Funktion für derlei Spielpassagen gibt es allerdings nicht, so dass man im Falle des Scheiterns vom letzten eigenhändig erstellten Spielstand fortfahren muss. Dies mag etwas ärgerlich sein, ist aber ein recht kleiner Makel hinsichtlich der sonstigen Vorzüge die das Adventure zu bieten hat. Als wesentlich ärgerlicher empfand ich da schon die unnötigen Slowdowns in den Außenbereichen des fünften Kapitels, die das Programm zur Diashow verkommen lassen. Allerdings frage ich mich, ob es sich hierbei wirklich um einen technischen Fehler handelt oder Future Games diese Slowdowns lediglich als stilistisches Mittel nutzten, um extremes Unwetter zu simulieren. Ich bin mir da wirklich unsicher, muss aber deutlich sagen, dass diese Problematik so oder so extrem lästig ist. Aber wie gesagt: Die Vorzüge des Gameplays überwiegen eindeutig die Nachteile.

 

Grafik, Sound und Präsentation

Typisch für das Genre wird die Spielwelt in 2.5D-Grafikschema dargestellt. Während die detailliert gestalteten, in Auflösungsstufe 800×600 gehaltenen Renderbilder auch heute noch schön anzuschauen sind, können die verpixelten Charaktermodelle der Spielfiguren anfangs ganz schön irritieren. Man gewöhnt sich aber recht schnell an diese und genießt stattdessen die hübschen Renderscreens. Überdurchschnittlich gut sind die Rendersequenzen ausgefallen, die in Black Mirror sogar besser aussehen als im ein Jahr später veröffentlichten Ni.Bi.Ru. Die Animationen der Charaktermodelle wirken ebenfalls gut gelungen, wenn auch unheimlich träge. Alles in allem kann der Titel grafisch überzeugen, auch wenn er vielleicht keinen Preis für das hübscheste Adventure des Jahres 2004 gewinnen würde.

Die Musik ist, passend zum Spiel, mysteriös und gruselig gehalten. Die Tracks treten aber recht sporadisch auf, was der Atmosphäre allerdings sehr zugute kommt, da die verschiedenen Hintergrundgeräusche absolut fantastisch und stimmig in die jeweiligen Situationen eingebaut wurden. Ob nun das einsame Ticken einer Uhr, ein traurig vor sich hin klimperndes Windspiel oder einfach gnadenlos niederprasselnder Regen; der dadurch erzeugte Effekt ist oftmals eindrucksvoller als jene Passagen in denen es doch mal eine Melodie zu hören gibt. Bezüglich der Sprachausgabe habe ich mich ja schon geäußert. Sie gehört unbestritten zu den Glanzpunkten des Titels und überzeugt mit natürlich klingenden, glaubwürdigen Sprechern.

Black Mirror macht das Meiste richtig um zu überzeugen. Die audiovisuelle Leistung wird lediglich durch die pixeligen Charaktermodelle gedrückt, was durch die fantastische Gruselatmosphäre locker wett gemacht wird. Das einzige wirkliche Ärgernis das sich mir bezüglich der Präsentation offenbarte waren diese seltsamen Slowdowns im fünften Kapitel. Es würde mich jetzt wirklich interessieren, ob diese von den Programmierern gewollt waren oder nicht. Es dürfte sich jedoch höchstwahrscheinlich um einen Bug handeln.

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Unsere Wertung
USK 12 PEGI 12
Singleplayer
85
85
-
Multiplayer

Volker sagt:

Letztendlich ist Black Mirror trotz einiger kleinerer Macken ein sehr empfehlenswertes Point & Click-Adventure. Die Steuerung ist gewohnt simpel, die audiovisuelle Darstellung weitestgehend gelungen und die Rätsel abwechslungsreich und zum Großteil spaßig zu lösen. Größter Pluspunkt bleibt jedoch die tolle Gruselatmosphäre im Stil einer Edgar Allen Poe-Story. Der Titel erzeugt direkt zu Beginn eine unglaublich hohe Spannung die einen erst wieder loslässt wenn man den Abspann zu Gesicht bekommt. Jener Abspann ist meines Erachtens auch weit weniger unbefriedigend, als es manch anderer Tester bemängelte. Für Fans ernsthaft gehaltener Adventure-Spiele ein klarer Pflichtkauf. Das Spiel hat es trotz einiger nerviger Elemente geschafft zu meinen liebsten Adventures zu avancieren!

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