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Avadon 2: The Corruption REVIEW

Avadon ist nach Avernum, Nethergate und Geneforge Spiderweb Softwares neueste Serie von rasterbasierten Rundenkampf-RPG’s in isometrischer Perspektive. 2011 kam mit Avadon: The Black Fortress der erste Teil der auf drei Teile ausgelegten Serie heraus. Und wie ihr anhand meines Reviews zu eben jenen Spiel wisst, bin ich sehr angetan von diesem Titel. Ich denke es überrascht niemanden, dass ich mir inzwischen auch die Fortsetzung zugelegt und durchgezockt habe. Diese nennt sich Avadon 2: The Corruption und erblickte 2013 das Licht der Welt. Die Frage lautet nun, wie viel sich im Sequel geändert hat und ob es mich noch genauso gut bei der Stange halten konnte wie der erste Teil. Da sich im Gameplay-Kern nicht viel geändert hat, werde ich mich freilich auf die Neuheiten, Änderungen, Verbesserungen etc. beschränken. Detailliertere Info’s zu den Spielmechaniken könnt ihr ja in meinem Bericht zu Avadon: The Black Fortress nachlesen. Dann wollen wir keine weitere Zeit verlieren und uns ein weiteres Mal in die politischen Zwistigkeiten rund um die Schwarze Festung Avadon begeben.

 

Eine Ära geht zu Ende und eine Zeit des Krieges steht bevor


Wir erinnern uns: Im Zentrum des Kontinents Lyneaus liegen fünf Staaten die sich vor Jahrhunderten aus einer Not heraus zum sogenannten Pakt zusammengeschlossen haben. Durch eine sehr unversöhnliche Außenpolitik, interne Streitigkeiten und der knallharten, zum Teil korrupten Avadon-Institution, hat sich die politische Führung der fünf Pakt-Staaten sehr sehr viele Feinde gemacht. Vor allem Redbeard der charismatische und unbarmherzige Keeper der Festung Avadon fungiert als Feindbild Nr. 1 für alle unterdrückten Individuen und politischen Verlierer auf Lyneaus. Als Leiter Avadon’s, einer relativ neutralen Institution, die parallel zur Pakt-Politik existiert und die Aufgabe hat die Stabilität des Paktes mit aller Gewalt aufrecht zu erhalten, ist Redbeard ja eigentlich an Mordanschläge gewöhnt. Was jedoch zum Ende von Teil 1 der Avadon-Saga auf ihn hereingebrochen ist, hatte selbst Redbeard beinahe das Leben gekostet. Zum ersten Mal seit der Entstehung Avadon’s gelang es einer Rebellengruppe in die Schwarze Festung einzudringen und zahlreiche Morde am Personal sowie heftige Schäden am Gemäuer selbst zu verüben. Sogar Redbeard persönlich musste sich eigenhändig gegen einen besonders hartnäckigen Assassinen zur Wehr setzen. Zwar konnte der Angriff erfolgreich zurückgeschlagen werden, doch der Ruf Avadon’s als unbezwingbares Bollwerk war dahin …

Inzwischen sind seit jenem schicksalhaften Tag zwei Jahre vergangen. Durch die Demütigung die Avadon einstecken musste, haben diverse Rebellengruppen neuen Mut geschöpft. Ein nicht unerheblicher Teil der Stämme des Paktstaats „Wyldrylm“ hat sich vom Pakt losgesagt und versucht seinen rebellischen Einfluss im Grenzbereich zum verhassten Nachbarstaat „The Kva“ zu vergrößern. In einer kleinen Zone dieses Grenzgebietes, die schon seit Ewigkeiten zwischen Wyldrylm und Kva umkämpft wird, hat der Pakt seine kleine Festung Rockridge Keep untergebracht. Die Aufgabe der dort stationierten Soldaten ist klar abgesteckt: Rebellensoldaten aufspüren, ausspionieren und beseitigen bzw. gefangen nehmen wenn es sich einrichten lässt. Ihr übernehmt die Rolle eines Soldaten bzw. einer Soldatin von Rockridge Keep und wurdet vor Spielbeginn von eurem Waffenbruder Rainer bzw. von eurer Waffenschwester Silke zum Scout ausgebildet (ob ihr Rainer oder Silke bekommt, hängt von der Wahl des Geschlechts für eure Spielfigur ab). Da die Ausbildung nun abgeschlossen ist steht endlich die Rückkehr nach Rockridge Keep an. Dummerweise kreuzen unsere beiden Scouts auf dem Rückweg den Pfad einiger Rebellen und Ungetüme. Um euch zu retten opfert sich euer Partner und potentieller Liebhaber, doch damit nicht genug: Commander Odil von Rockridge Keep schickt euch mit einem Botendienst nach Avadon, nicht wissend, dass er dadurch euer zukünftiges Schicksal als frisch zwangsrekrutierte Hand Avadons besiegelt. Na immerhin habt ihr jetzt die ernsthafte Chance Rainer/Silke’s Peinigern den Garaus zu bereiten. Doch die Wyldrylm-Rebellen sind nur ein Brandherd in Lynaeus! Redbeard wünscht, dass der Rebellenführer Dheless beseitigt wird, der scheinbar die treibende Kraft hinter den Rebellionen und Anschlägen der letzten Jahre ist. Und dann ist da noch die Verräterin Miranda, die in das durch dämonische Kräfte verzerrte Land „The Corruption“ vorgedrungen ist. Weiß der Teufel was das verrückte Miststück in diesem Gebiet verloren hat. Vielleicht sind die politischen Unruhen nur eine kleine Unannehmlichkeit im Vergleich zu dem was Lynaeus durch Miranda blüht? Und wer hat eigentlich gefragt, ob wir damit einverstanden sind eine Hand Avadons zu werden? Vielleicht sollten wir uns doch lieber den Rebellen anschließen? Zumal Redbeard durch die Strapazen der letzten Jahre ernstzunehmende Anzeichen mentaler Altersschwäche aufzeigt. Ihr werdet alle Hände voll zu tun haben euren Weg in dieser gefährlichen Situation zu finden.

Die Handlung von Avadon 2 ist eine logische Weiterführung der Ereignisse aus Teil 1 und bietet in Sachen Story, Charaktere und Schreibstil den gewohnt hohen Standard des Vorgängers. Was jedoch massiv stören kann, ist die Tatsache, dass die Handlung nach Jeff Vogel’s (der Schöpfer der Spiderweb-Spiele) Vorstellungen und Wünschen fortgeführt wird. Gemeint ist die dadurch entstehende Negierung vieler Entscheidungen die man im Vorgänger getroffen hat. So bin ich im Spiel dem ein oder anderen Charakter begegnet, den ich doch schon im Vorgänger erledigt hatte – das nervt! Mir ist natürlich klar, dass man bei so einem „Ein Mann-Indieprojekt“ gewisse Anforderungen zurückschrauben sollte, aber erwähnt werden müssen solche Macken natürlich dennoch. Was mich jedoch mehr gestört hatte, war die Wandlung Redbeards von einem tatkräftigen, selbstbewussten und vor Energie strotzenden Krieger zu einem nutzlosen alten Sack. Anfangs hatte ich ja noch gedacht, dass dies eine clevere Taktik von Redbeard war, um eventuelle Assassinen aus den Löchern zu locken. Aber nein, er wird tatsächlich als alter Mann dargestellt der keinen Bock mehr hat und am liebsten abtreten würde. Diese 180°-Wende fühlte sich für mich als Spieler von Teil 1 ziemlich künstlich und auch recht unglaubwürdig an. Ich habe den Eindruck Jeff Vogel versucht den Spieler regelrecht dazu zu drängen Redbeard zu verachten, damit dieser dann zum großen Finale mit voller Überzeugung beseitigt werden möge. Im Vorgänger gab es ja auch die Entscheidung ob man Redbeard „absetzt“ oder nicht, nur wurde es damals nicht so plump gehandhabt, welche Seite mehr und welche weniger sympathisch ist. In Avadon 2 hat man weder vor den Rebellen noch vor Redbeard Respekt. Was bleibt ist der Institution Avadon an sich treu zu bleiben (dies sind zumindest meine persönlichen Eindrücke, im Vorgänger war ich da wie gesagt wesentlich zwiegespaltener – in positiver Hinsicht versteht sich).
Zum Abschluss möchte ich noch einige Worte zur berüchtigten Romanze loswerden. Jeff Vogel musste einige Kritik einstecken, weil er in Avadon 2 eine Romanzen-Option integriert hatte. Und obwohl ich leider zustimmen muss, dass diese Romanze ziemlich miserabel da äußerst oberflächlich ins Spiel eingebaut wurde, kann ich über den Hass gegenüber dieser Designentscheidung nur den Kopf schütteln. Statt den Versuch etwas Neues in die Spiele einzubauen zu respektieren, werden dann idiotische Fotomontagen entworfen. Sowas kommt dann von dummen kleinen Nerds die selber nichts auf die Reihe kriegen – erst recht nicht im Einjahres-Rhythmus neue Spiele zu kreieren. Aber ich reg mich wieder über Dinge auf, die es nicht wert sind. Also weiter zum nächsten Testsegment.



Die Änderungen liegen im Detail … Und einer neuen Charakterklasse!


Wie gehabt beginnt das Spiel mit der Auswahl aus seiner Charakterklasse und des Schwierigkeitsgrades. Auch hier stehen wieder Casual, Normal, Hard und Torment (Folter) zur Auswahl und abermals hab ich das Spiel auf „Hard“ durchgezogen. Dabei ist mir jedoch aufgefallen, dass der allgemeine Schwierigkeitsgrad ein ordentliches Stück niedriger ausgefallen ist als noch im Vorgänger. Dies hat drei Gründe:

Erstens geht das aufleveln wesentlich schneller von Statten als zuvor. Zwar hatte man auch in The Black Fortress den 30er Level-Cap ein gutes Stück vor Abschluss des Spiels erreicht, aber in Avadon 2 kann das schon nach zwei Spieldritteln(!!) geschehen! Dadurch wird nicht nur das Balancing geringfügig ausgehebelt, es sorgt im letzten Spieldrittel auch für einen ärgerlichen Motivationseinbruch, da man für die Kämpfe ja nicht mehr mit Exp. und Level-Ups belohnt wird.

Zweitens sind die Bosskämpfe nicht mehr ganz so hart wie im Vorgänger. Einige von denen sind sogar überraschend einfach zu knacken. Natürlich sind die Bosse in diesem Spiel kein Spaziergang und zwei, drei Bosse können auch richtig knifflig werden, aber wer den Vorgänger stemmen konnte, braucht sich hier nicht wirklich zu fürchten.

Drittens wurde mit dem „Tinkermage“ eine neue besonders mächtige Charakterklasse eingeführt. Der Tinkermage hat die Fähigkeit zwei magisch-technische Turrets (Geschütztürme) aufzubauen, die nicht nur die Gegner attackieren, mit negativen Zuständen belegen oder die eigene Gruppe heilen, sondern auch die Aufmerksamkeit der Feinde auf sich ziehen, wodurch die eigentlichen Gruppenmitglieder zusätzlich geschützt werden. Da die Turrets über einen sehr ordentlichen HP-Spiegel verfügen können, sind sie auch nicht so schnell kaputt zu bekommen. Wenn man jetzt so schlau ist wie ich und als Hauptcharakter den Tinkermage nimmt, kann sich der Spieler z.B. eine Gruppe aus zwei Tinkermages und einem Shaman zusammenstellen (für jede der fünf Charakterklassen gibt es natürlich auch hier wieder ein entsprechendes Gruppenmitglied). Dies bedeutet, dass ihr neben den drei Gruppenmitgliedern vier Turrets und eine Beschwörungskreatur unter eurer Fuchtel habt – eure Feinde werden euch verfluchen!

Wie gesagt leidet jedoch der Schwierigkeitsgrad unter dieser neuen, mächtigen Charakterklasse. Nichtsdestotrotz ist der Tinkermage viel zu cool als ihn deswegen zu verdammen. Dies ist seit langem die originellste Charakterklasse die ich in solch einem Spiel gesehen habe! Dementsprechend viel Spaß hat es auch gemacht sie zu spielen. Dagegen wirken die übrigen Verbesserungen nur wie belanglose Details. Da sich diese Verbesserungen jedoch auf Kritikpunkte belaufen, die von Spielern geäußert wurden, wollen wir sie natürlich dennoch nennen. So gibt es nun endlich die Option das Geschlecht seiner Charakterklasse frei zu wählen. Im Vorgänger musste man noch akzeptieren, dass es unter den magischen Charakterklassen nur Weibchen gab und umgekehrt. Nun, dieses Mal könnt ihr auch als Dame den Plattenpanzer des Blademasters überstreifen oder als Mann die Kräfte der Natur bändigen.

Ein Kritikpunkt den ich sogar selbst in meinem Review zum Vorgänger äußerte, waren die fest vorgegebenen Startpunkte der Maps. Nun dürft ihr selbst auswählen von welcher Himmelsrichtung ihr die Map betreten wollt, sofern ihr den entsprechenden Ein-/Ausgang bereits entdeckt habt, versteht sich. Scheinbar nicht mehr als ein kleines unwichtiges Detail, spart diese Option jedoch einiges an (Lauf)zeit.

Und, nun ja, damit wäre dann auch alles gesagt, was ich hier zu sagen hatte. Wer den Vorgänger kennt oder mein Review zu diesem gelesen hat, weiß was ihn hier sonst noch alles erwartet. Weitere Feinheiten kann man auch selber herausfinden. Freilich gibt es feindliche Tinkermages die euch mit ihren eigenen Turrets traktieren. Ab und zu stolpert ihr in den Maps auch mal über Minen die den Weg blockieren wenn ihr noch nicht stark genug seid sie zu deaktivieren. Ihr habt sogar die Möglichkeit zwei Grundstücke mit Gebäude zu erwerben, auch wenn dies wenig mehr als ein belangloses kleinen Gimmick ist, ähnlich wie die oben besprochene Romanze. Etwas, was ich vergaß in meinem Review zu Avadon 1 zu erwähnen ist die Möglichkeit Ausrüstungsstücke mit magischen Runensteinen zu pimpen. Dieses Mal könnt ihr sogar gewisse Wertgegenstände in neue Artefakte umschmieden lassen, damit sie euch permanente Boosts geben solange ihr sie mit euch herumschleppt … Ja, ich fange wieder an zu schwafeln bzw. zu schwärmen. Avadon 2: The Corruption ist wieder ein süchtig machendes RPG-Erlebnis mit einer Spieldauer von ca. 80 Stunden. Damit ist es nicht ganz so umfangreich wie der Vorgänger, was halt wohl daran liegt, dass der Schwierigkeitsgrad etwas gesunken ist (was nicht heißt, dass das Spiel ein Spaziergang wäre). Aber ist eigentlich nicht so schlimm, denn Spielspaß gibt’s hier zuhauf!

 

Grafik, Sound und weiteres


In audiovisueller Hinsicht hat sich seit dem Vorgänger nichts geändert. Die Grafik setzt sich immer noch aus relativ trist eingefärbten, eckigen Raster-Maps zusammen. Ein paar neue Umgebungsgrafiken sind seit dem Vorgänger sicherlich hinzugekommen, was jedoch angesichts des minimalistischen Stils nichts herumreißt. Es gibt ein paar schicke neue Artwork-Bilder für’s Intro und Outro und natürlich neue Charakterportraits.

Der Soundtrack setzt sich nach wie vor nur aus einem einzigen Track zusammen, bei dem es sich ohnehin nur um eine Abwandlung der Avadon 1 Titelmelodie handelt und erneut lediglich für den Titelscreen gedacht ist. Abgesehen davon könnt ihr wieder mit den altbewährten Ambientgeräuschen und Kampfgeräuschen aus Teil 1 vorlieb nehmen. Und ja, mehr gibt es dazu einfach nicht zu sagen. Wer Teil 1 gesehen hat, weiß wie Teil 2 aussieht, auch wenn klar sein dürfte, dass es bei diesen Spielen nicht wirklich um eine hochwertige audiovisuelle Präsentation geht.

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Unsere Wertung
USK 12 PEGI 12
Singleplayer
86
86
-
Multiplayer

Volker sagt:

Und schon wieder 80-85 Stunden im Eimer. Obwohl Avadon 2: The Corruption nicht mehr ganz so taufrisch wirkt wie Teil 1 und neben kleineren Verbesserungen auch kleinere Verschlechterungen vorzuweisen hat, muss ich doch wieder ein klares Lob für eines von Spiderwebs Indi-RPG's aussprechen. Wer den Vorgänger mochte kann auch hier wieder bedenkenlos zuschlagen. Bahnbrechende Neuerungen sucht man zwar vergebens, aber wer auf taktische Rasterfeld-Rundenkämpfe steht und dabei auf vorzeigbare Grafik und cineastische Präsentation verzichten kann, sollte sich Jeff Vogel's Rollenspiele definitiv reinziehen! Die aufgerundet 10 Euro für den Steam-Download zu Avadon 2 sind gut angelegt und wer sich sein eigenes Bild machen möchte kann sich auch hier wieder eine umfassende Demo auf der Spiderweb-Homepage herunterladen.
MS Windows

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